Folge 715: "Gewonnen und zerronnen" (15.08.1999) 1. Szene: "Keine Reisen in die Türkei - oder ihr brennt!" hat jemand dem schönsten Erpresserklischee folgend aus ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben auf jenes Blatt Papier geklebt, das Erich in der Beimer-Schiller'schen Küche nachdenklich betrachtet und sich dabei über den Bart streicht. Helga nimmt seine offensichtliche Sorge zwar zur Kenntnis, teilt ihm jedoch mit, daß er ihre Meinung bereits seit letzter Woche kennen würde: "Ich laß' mir von diesen feigen Schmierern keine Angst einjagen." Erich deutet auf den Brief und erwidert, daß es "diese Leute" durchaus sagen-wir-mal-ernst zu meinen scheinen, da sie andernfalls keinen Brief geschickt hätten. Onkel Franz betritt die Küche, heute mit schicken Seidengilet über dem Braunhemd, und erklärt, daß es sich bloß um die gerufenen Geister handle: "Kein Wunder, daß sich ein paar aufrechte Bürger auf den Schlips getreten fühlen, wenn halb Istanbul vor Eurem Laden kampiert." Helga reagiert angewidert auf das Verständnis, das ihr Onkel für die "gewalttätigen Feiglinge, die nichtmal den Mumm haben, ihr eigenes Gesicht zu zeigen." Franz antwortet, daß er niemals für Gewalt sei - dies sei nämlich auch exakt der Grund für seine parteipolitische Arbeit: "Bei uns gäbe es diese Hottentottenversammlungen in Deutschland erst gar nicht - und damit auch keine Gewalt." Erich erklärt, daß nach dieser brillanten Logik auch nicht der Taschendieb schuld wäre, sondern das Opfer, das es überhaupt gewagt hat, Geld mitzunehmen. Helga nimmt Erich den Brief aus der Hand, zerreißt ihn und wirft ihn weg. "Schluß, aus, weg damit. Aus den Augen, aus dem Sinn." Ihre tatsächliche Aufmerksamkeit gilt aber einem anderen Schreiben: "Ich wünschte nur, mit Majas Brief wäre es genauso einfach." 2. Szene: Zartes Schnarchen ist in dem Zimmer zu hören, das Oma Rosi gerade betritt. Behutsam sieht sie nach Irina auf der oberen Etage des Stockbetts und drückt ihr einen sanften Kuß auf die Stirne, ehe sie sich anschickt, dass "Liebchen" im unteren Stock zu wecken: "Dein großes Glück ist unterwegs." Urzula will am frühen Morgen noch nichts von Horoskopen hören und dreht sich zur Wand - da möchte Röschen wissen, wie sie denn auf die Idee käme, das es etwas mit Horoskopen zu tun haben könnte. Sie winkt energisch ab, woraufhin Urzula ihr doch einigermaßen neugierig zuhört. Rosi erzählt, daß sie die ganze Nacht wachgelegen und darüber nachgedacht habe, wem sie die Freude machen könne: "...stell' dir doch mal vor, ich habe im Preisausschreiben gewonnen. Eine Reise ins Allgäu für 2 Personen!" Urzula scheinen diese Neuigkeiten nicht besonders aufzuwühlen kaltzulassen: "Und?" Rosi weiter: "Ja, was heißt 'und?' - ja, dann überleg doch mal, mein Mauseschwänzel, wen ich mitnehmen möchte!" Sie tippt dem weiterhin völlig ungerührten Mauseschwänzel auf die Nase: "Dich natürlich!" Urzula faßt nüchtern die Fakten zusammen: "Ins Allgäu. Wir beide. Und Irina?" Die gibt daraufhin von oben bekannt, nicht alleine sein und auch mitfahren zu wollen. Rosi erhebt sich und erklärt ihrem "Affenpopöchen" mit, daß die Reise nunmal nur für 2 Personen sei - Irina möge aber nicht traurig sein, denn "Rosi wird bestimmt noch was einfallen!" 3. Szene: Helga versteht die Welt aufgrund Majas Briefes nicht mehr: "Warum grad' heute? Und dann noch dieses Ultimatum - *heute* noch soll ich ihr Lea vorbeibringen." Erich kann seinerseits Helgas Überraschung nicht verstehen - schließlich hätten sie und Maja immer ihre sagen-wir-mal-Differenzen gehabt. Sein Pummelchen sieht dies etwas anders: "Aber gerade nich', in der letzten Zeit, da waren wir uns doch über alles einig. Seit einer Woche ist Maja wie ausgewechselt." [wie wahr...] Sie fordert Erich auf, doch auch mal was dazu zu sagen, doch die erhoffte Parteinahme bleibt aus: "Maja ist nunmal Leas Mutter und damit bestimmt sie über das Wohl und Weh des Kindes - fertig, aus!" Helga beschließt, zu Maja zu gehen - allerdings sehr wohl ohne ihre Tochter. Maja solle ihr nämlich erst in Gesicht sagen, daß sie ihr Lea wegnehmen wolle. 4. Szene: Backhaus geht zielstrebig aufs Café Bayer zu und trifft in der Türe auf den soeben herauskommenden Hans - bei diesem Zusammenstoß geht nicht nur Hansemanns Tüte mit Semmeln zu Boden, ihm entgleitet auch ein Zwanzigmarkschein. Während Hans das Backwerk einsammelt, greift sich Backhaus die Banknote. Er bemerkt launig, daß Hans wohl eine ganze Kompanie verpflegen wolle. Hans erwidert, daß es sich nicht gerade um eine Kompanie handle, aber Marschverpflegung für seine Familie würde er eben brauchen: "Sarah fährt nach Frankreich, mit 'ner Freundin, für 3 Wochen - und Tom... das wissen sie ja selbst am besten." Backhaus faltet am Zwanziger herum: "Jaja, der Nachwuchs fliegt aus und sucht seine eigenen Wege, was? Na freuen Sie sich?" Hans meint, es ginge ihm im Moment alles zu schnell, doch Backhaus findet, daß es nichts Besseres gebe, als wenn die Kinder neugierig und mutig ihre Erfahrungen suchen. "So ist das Leben, seit jeher. Na, ist doch wunderschön - die jungen Vögel werden flügge und fliegen aus dem Nest - möglichst hoch hinaus. Nur so können sie die Freiheit entdecken." Aus der Banknote wurde in Walters Händen inzwischen ein Papierflieger, den er Hans grinsend unter die Nase hält: "Sehen Sie - nicht nur die Kinder kriegen Flügel. Sie erlauben doch? Muß noch 'n paar kleine Besorgungen machen für unseren Ausflug heute... und da bin ich so frei." Mit diesen Worten verschwindet der Geldschein in der Brusttasche des Backhaus'schen Hemdes und dessen Träger im Café während Hansemann mal wieder die Worte fehlen... 5. Szene: Im Reisebüro betrachtet Canan ein handgeschriebenes Plakat, das für Busreisen in die türkische Ägäis wirbt [wobei von der mutmaßlichen Überschrift "Preishit" die meiste Zeit nur das "...shit" zu sehen ist] und erklärt, sich die ganze Sache noch einmal überlegt zu haben und dabei zu dem Schluß gekommen zu sein, daß es vielleicht doch besser wäre, die Aktion zu beenden. Sie wolle schließlich nicht, daß das Reisebüro deswegen in Schwierigkeiten gerate. Erich: "Ich auch nicht, das können Sie mir glauben. aber unsere Chefin hat nunmal entschieden - deswegen wird die Aktion fortgesetzt." Canan findet es zwar sehr mutig, daß sich Frau Beimer nicht einschüchtern läßt - "aber... auf ein Reisebüro, in dem meine Freundin Ayse gearbeitet hat wurde vor 4 Jahren mal ein Brandanschlag verübt. Das war damals als die Kurden von der PKK türkische Reisebüros in Brand gesetzt haben." Erich holt erstmal tief Luft, ehe er gute Miene zum bösen Spiel machend meint, daß sie dann ja froh sein könnten, kein türkisches Reisebüro zu sein. 6. Szene: Während Berta [im Off] den Nächsten hineinbittet, referiert Frau Birkhahn im Wartezimmer, daß Rätsel nicht nur Spaß machen, sondern es auch etwas zu gewinnen gebe. Else berichtet aus eigener Erfahrung von der Qualität der Gewinne - die Allzweckreibe, die sie nämlich einmal gewonnen habe, sei aus Plastik gewesen und kaputtgegangen, nachdem der Olaf einige Male Kartoffeln damit gerieben hätte. Frau Birkhahn verwehrt sich gegen diese Pauschalverurteilung, wo doch auch ganz praktische Sachen als Gewinne ausgeschrieben seien - "hier zum Bejspiel, da jibt es ejnhundertejns Handtuchhalta aus aktuellen Des... Dessein." Else fühlt sich dadurch höchstens in ihrer Haltung dem "G'lump" gegenüber bestätigt, doch Frau Birkhahn läßt sich nicht von ihrer Überzeugung abbringen, daß es genau mit rechten Dingen zugehe - das Beispiel sei zwar vielleicht nicht besonders gut gewählt gewesen, aber man könne ja auch Reisen gewinnen - "...und Jeldprejse. Hier kennen sie finftausend Mark jewinnen." Die genannte Summe läßt Else kurz aufhorchen, doch dann bezweifelt sie schon wieder, daß jemand "für nix und wieder nix" einfach 5000,- DM bezahlen würde. Sie fragt, ob Frau Birkhahn denn schon einmal etwas gewonnen hätte und als diese verneint, sieht Else erst recht ihre Theorie untermauert, daß es sich um lauter Lug und Betrug handle. Frau Birkhahn beharrt darauf, daß es alles mit rechten Dingen zugehen und zeigt die Namen der Gewinner in ihrer Rätselzeitung. Als Else meint, daß Papier geduldig sei und die doch an Namen schreiben können was immer ihnen einfiele, entgegnet Frau Birkhahn, daß auch die Anschrift dabei stünde: "Zwej sind aus Minchen, da kennen Sie sich erkundijen: Sebastian Pfundstein in der Lichtenfelser Strasse oder da, Rosalinde Koch, Lindenstraße drej..." Sie hält inne, auch Else verschlägt es beinahe die Sprache. Frau Birkhahn stellt fest, daß es sich um das gemeinsam gelöste Rätsel handeln muß - sie springt jubelnd auf, nimmt dann wieder Platz. Atemlos: "Ich... habe... jewonnen!" 7. Szene: Maja will wissen, weshalb Helga ihre Tochter nicht gleich mitgebracht hat, wo sie ihr doch ganz klar mitgeteilt habe, daß Lea ab sofort... Helga unterbricht sie - erstaunlich ruhig, aber ohne die Mutter ihrer Enkelin anzusehen, meint sie, daß es so einfach nicht ginge, daß Maja nicht plötzlich, "so von heute auf morgen" ihre Meinung ändern könne. Sie geht auf Maja zu: "Ich versteh' das nicht. Es war doch immer alles in Ordnung zwischen uns. Was ist denn plötzlich in Sie gefahren?" Maja erwidert, daß sich einiges geändert hätte - es gäbe eine neue Erzieherin, mit der Lea bestimmt prima klar kommen würde: "Auf jeden Fall besser als mit diesem alten Onkel Franz." Helga meint, dies könne nicht sein - die beiden hätten sich so aneinander gewöhnt und das Kind würde Onkel Franz lieben wie seinen eigenen Opa. "Woher kommt denn plötzlich dieser Sinneswandel?" Maja erklärt, sich nicht rechtfertigen zu müssen und verlangt erneut, daß Helga Lea noch am selben Tag zu ihr bringt. Helga, energisch: "Bisher war alles in Ordnung zwischen uns. Aber wenn Sie mich zwingen - dann werde ich kämpfen. Ich lasse mir das Kind nicht wegnehmen!" 8. Szene: Oma Rosi will die gewonnene Allgäu-Reise telephonisch bestätigen und gibt dabei Urzula Winicki als ihre Begleiterin an - als sie deren Namen gerade buchstabiert, ertönt die Türglocke. Rosi ersucht ihren fernmündlichen Gesprächspartner um etwas Geduld, geht öffnen und sieht sich der freudestrahlenden Frau Birkhahn und deren Rätselheft gegenüber: "Frau Koch, wir haben jewonnen! Wir fahren ins Alljäu!" Rosi entgegnet schroff, daß sie "mit der Urschula fahren werde. Frau Birkhahn, verdutzt: "Wie mejnen Sie das jetzt, Frau Koch?" 9. Szene: Hans fordert Tiger Tom auf, in die Gänge zu kommen, damit er ihn bei "deinem... deinem Freund" abliefern könne. Tom verlautbart aus seinem Zimmer, daß er erst noch seinen Rucksack packen müsse. Hans meint, daß er dazu wirklich lange genug Zeit gehabt hätte - weiters fragt er, ob er ihm dabei nicht irgendwie helfen könne und weshalb er überhaupt seine Zimmertür abgeschlossen habe. Tom erwidert, daß er gar nicht vorbeigebracht zu werden brauche [so habe ich das zumindest verstanden, Toms Stimme ist durch die Türe nicht gerade überdeutlich, zudem setzt der Ton hier etwas aus, was aber eher an meiner Aufnahme gelegen haben dürfte]. Hans: "Also wenn ich dir schon erlaube, mit Backhaus zelten zu gehen, dann mußt du mir wenigstens erlauben, daß ich bei ihm vorbeischaue und mir ansehe, ob da auch alles mit rechten Dingen zugeht... nicht daß ihr beiden mir da heimlich durchbrennt. Also - auf geht's!" Er geht in die Küche, beklagt sich dabei über das Gewicht jener Eisenpfannen, eine welcher er eben während der Unterhaltung mit seinem Sohn polierte. Zu Anna: "Also ich weiß nich'... irgendwie hab' ich kein gutes Gefühl bei der Sache, wir hätten ihm die Wanderung doch nicht erlauben sollen, aber dann wär' das Geschrei natürlich wieder groß gewesen... auch wenn Backhaus ein Bündnis mit Tom vorgeschlagen hat - aber die beiden, allein im Wald, im engen Zelt... will ihm ja nichts unterstellen, aber seit der Sache mit Maxl... macht man sich ja noch mehr Gedanken.... Sag mal Anna, haste gar nichts dazu zu sagen, ist dir das völlig egal mit unserem Sohn?" Anna erwidert, daß es ihr natürlich nicht egal sei, und als Hans wissen will, ob er es Tom vielleicht doch verbieten hätte sollen, gibt sie zur Antwort, daß ein Verbot doch gar nichts nützen würde: "Tom will'n paar Abenteuer erleben - aber halt nicht mit dir. Das ist dein Problem." 10. Szene: Energisch deutet Rosi auf den Brief, den sie vom Rätselveranstalter bekommen hatte und aus dem doch ganz eindeutig hervorginge, daß sie die Reise gewonnen hätte: "Hier, hier steht es doch schwarz auf weiß: 'Liebe Frau Koch, hiermit möchten wir Ihnen herz-lich gratulieren.'!" Frau Birkhahn entgegnet ebenso energisch, daß es so wirklich nicht ginge, denn es sei ja ihr "Retzelheft" und ihr "Retzel" gewesen. Rosi, den Zungenschlag ihrer Kontrahentin nachahmend: "Aber mejne Postkarte und mejne Briefmarke!" Darauf käme es überhaupt nicht an, meint die Birkhahn, sie habe schließlich die meisten Lösungsworte gefunden und das Rätsel sei bereits fast völlig ausjefillt jewejsen. Rosi: "Ja, aber eben nur fast! Ohne mich hätten Sie das doch niemals geschafft. Sie wußten ja noch nicht einmal den Papageienvogel mit den 3 Buchstaben." Frau Birkhahn erklärt, den Ara nur übersehen gehabt zu haben. Rosi: "Ach, aaaber, das Kartenspiel, hier, mit den 7 Buchstaben, das habe nur ich gewußt! Ja und dann, außerdem, Sie mit ihrem un-möglichen Dialekt, Sie können ja nichtmal richtig Hochdeutsch. Nee, ich fahre mit der Urschula, Schluss - aus - fertig - basta!" Mit erhobenem Zeigefinger kündigt Frau Birkhahn daraufhin an, daß es sich ja noch herausstellen werde, ob es sich Rosi leisten könne, sie einfach so hier zurückzulassen. Als Frau Birkhahn sich in Richtung Türe begibt, imitiert Rosi Hühnergegacker - und erntet damit einen ausgestopften Vogelblick von ihrer Reisegefährtin in spe... 11. Szene: Backhaus drückt Hans ein Stück Zeltstange in die Hand, damit der sich selbst von der soliden alten Qualitätsarbeit überzeugen kann. Hans befühlt die schwerwiegenden Tatsachen und meint, daß er die nicht schleppen möchte. Backhaus erklärt, daß er das ja auch nicht müsse: "Das macht alles der olle Walter. [Tom kommt ins Wohnzimmer gelaufen, greift sich die Stange und verschwindet wieder. Backhaus zeigt eine tarnfarbene Zeltplane vor:] Und hier... da schlafe ich schon seit 50 Jahren drunter. Zuerst als Pimpf... [Hans fragt nach - "Pimpf?" - Backhaus reagiert jedoch nicht drauf.] ...und dann... naja, öh, mit den Freundinnen war das auch ganz schön. Naja, man hatte ja damals keine eigene Bude wie heute. Das Zimmer hat man sich mit den Kameraden geteilt. [Hans: "Kameraden?"] ...jo, und da war man dann ganz froh, wenn man mal mit der Braut alleine sein konnte, hm?" Hans erkundigt sich, von welchen Kameraden denn die Rede sei. Backhaus: "Na, bei der Marine... und dann bei der Seefahrt. Ah, ich bin ja in aller Herren Länder rumgereist. Das Ding [klopft auf das Zelt], das war sogar im Dschungel." Hans: "Na, Herr Backhaus, was denn nu'? Pimpf, Seemann oder Dschungelkrieger?" Walter kommt vorerst darum herum, eine weitere Geschichte zu erzählen, da in diesem Moment Tom erneut ins Zimmer gelaufen kommt, mit der Zeltstange ein Gewehr simulierend. Hans wendet sich seinem Sohn zu und macht ihm unmißverständlich klar, daß man nicht auf Menschen zielen dürfe: "Nichtmal mit einem Phantasiegewehr, das is' nich' in Ordnung!" - Backhaus, ruhig: "Tom. Bitte. Manchmal haben auch Väter recht." Tom verläßt das Zimmer wieder, Backhaus nimmt Hans beiseite und meint, es sei alles nur Spiel. "Obwohl... manchmal ist so ein Gewehr ganz nützlich beim Zelten. Ich weiß noch, damals... wir waren auf Borneo, im Urwald..." Hans läßt ihn die Geschichte gar nicht erst weitererzählen - er erklärt, Anna nicht so lange mit dem Baby alleine lassen zu können. "Und, äh... Sie passen dann auf meinen Sohn genauso gut auf wie auf Ihre Dschungelkrieger, nicht wahr?" Backhaus, eindringlich: "Sagen Sie mal... was macht Ihnen eigentlich so viel Sorgen? an mir liegt's doch bestimmt nicht, oder?" Hans murmelt nur ein Wort des Grußes... diesmal ist er es, der die Antwort schuldig bleibt. 12. Szene: Während Urzula an Gungs Haarpracht herumschnippselt erklärt Frau Birkhahn im Friseursalon, "eijentlich" gar nicht "so" zu sein - es sei nur, weil sie zum ersten Mal gewonnen habe, zum allerersten Mal. Urzula versteht so viel wie das InternetTeam von WebDesign und ersucht Frau Birkhahn daher, noch einmal von Anfang an zu erzählen. Sie kommt der Bitte auch umgehend nach: "Sehense, die Frau Koch, die hat de Rejse jewonnen, wejl ihr Absender auf der Karte jestanden hat - aber das Retzel ham wer jemejnsam jelöst, aus mejnem Retzelbuch. Und darum hab' ich eijentlich de Reise jewonnen." Urzula: "Ach so - und jetzt wollen Sie mit Tante Rosi ins Allgäu fahren? (...) Ja wenn das so ist, dann... fahren Sie ganz einfach!" Frau Birkhahn freut sich mächtig, und Gung ergreift die Gelegenheit, um mal wieder Konfuze sprechen zu lassen: "Wenn du gibst nur mit Hand, verlierst du etwas. Wenn du aber gibst mit Herz, gewinnst du." Urzula meint, daß sie dann ja beide etwas gewonnen hätte und Frau Birkhahn ist ganz gerührt ob der guten Menschen, mit denen sie es da zu tun hat. 13. Szene: Tom und Walter machen sich tornisterbewehrt auf den Weg - und treffen auf der Straße Else, die sich ihre Meinung über Backhaus bereits gebildet hat: "Gottseidank daß endlich verschwinden aus unserer Straß', wir san nämlich eine anständige Straß', und Zuchthäusler könn' ma scho glei überhaupts gar net braucha - aber da Bua, der bleibt da!" Backhaus erklärt, daß "der Bua" wiederkäme - und er selbst auch, "da muß ich Sie enttäuschen, gnädige Frau." Tom: "Wir gehen in den Dschungel, gnädige Frau!" Else bezweifelt, daß die Aktion von "der Zieglerin und dem Beimer" abgesegnet sei, doch das Fähnlein Fieselschweif hat sich schon einem anderen Thema zugewendet. Tom will wissen, wie weit sie denn jetzt wandern würden. Backhaus: "Oooch, ganz weit, mindestens so weit wie..." - "Wie der Ballon!": Tom hat einen Heißluftballon am Himmel erspäht und beobachtet durch seine zusammengerollte Isomatte, wie der Ballon weit über dem Astor-Schriftzug dahingleitet: "Ich will auch mit dem Ballon fliegen!". Backhaus: "Naja, komm, jetzt wandern wir erstmal. Und irgendwann, irgendwann sind wir beiden auch da oben, am Himmel..." 14. Szene: Rosi schildert Gabi am Telephon, wie Frau Birkhahn des Rätsels Lösung alleine nie und nimmer zuwege gebracht hätte - sie möge nur an die Fernsehserie mit den 13 Buchstaben denken. Es läutet abermals an der Türe, woraufhin sich das Spiel von vorhin wiederholt. Frau Birkhahn, erneut mit erhobenem Zeigefinger: "DAS hab' ich mir doch jleich jedacht: Ihre Nichte ist eine Person von Anstand und Erziehung!" Entrüstet will Rosi wissen, was die Birkhahn denn mit Urzula zu tun habe: "Das ist mei-ne Nichte!" Birkhahn: "'Frau Birkhahn hat sie jesagt, 'Frau Birkhahn! Selbstverständlich jehen Sie ins Alljäu und sonst [die Tür fällt krachend ins Schloß] niemand!'". Rosi erwidert, daß sie ohne Urzula nicht fahren würde - sie hätte es ihr nämlich versprochen und gedenke dies auch zu halten. "Dann blejbense eben hier, jute Frau - dann fahre ich eben allejne." Davon will Rosi natürlich erst recht nichts wissen, immerhin sei ja ihre Name auf der Karte gestanden usw. Schließlich einigen sich die beiden darauf, die Karten das Urteil fällen zu lassen. 15. Szene: Helga möchte sich mitnichten auf die Karten verlassen und kündigt daher an, sämtliche Rechtsmittel auszuschöpfen, die zur Verfügung stehen. Erich sieht darin wenig Sinn: "Maja ist Leas Mutter, und daran wird kein Gericht der Welt etwas ändern können." Helga erzählt, daß sie sowas bereits schon von der Familienberatungsstelle gehört habe, doch so schnell würde sie sich nicht zufriedengeben. Stattdessen werde sie Hans aufsuchen - vielleicht wisse er ja ein paar Kniffe, wo er doch auf dem Jugendamt arbeitet. Erich: "Helga, ich flehe dich an, versuch' nicht Hans dazu zu bringen, irgendwelche illegalen Dinge zu tun! Willste daß er seinen Arbeitsplatz schon wieder für Dich aufs Spiel setzt?" Helga erinnert ihn daran, daß er beim letzten Mal auch nicht zu knapp davon profitiert habe - schließlich hätten sie die Firma nie ohne Hansens Mithilfe gründen können. Und außerdem wären diese Situationen nicht vergleichbar, diesmal gehe es ausschließlich um das Wohl von Lea. Erich: "Geht es dir wirklich darum? Kannst du nicht einmal in deinem Leben nachgeben? Wenn es dir um das Kind geht, meinst du, Lea tut es gut, ständig hin- und hergeschoben zu werden?" Helga gibt zu, daß ihr dies ganz und gar nicht gut tun könne - und genau aus diesem Grund solle es bleiben wie von Anfang an geplant: "Sie soll hierbleiben. So, und jetzt geh' ich zu Hans. Und wenn du dich auf den Kopf stellst." 16. Szene: Carsten stapft, ein Flugblatt lesend, treppauf, als Helga ihre Wohnung verläßt. Er fragt, ob sie schon gesehen hätte, was im Supermarkt verteilt wurde. Helga: "Daß die jetzt bis 20 Uhr geöffnet haben? Jaja." Carsten: "Wahnsinnig fortschrittlich, unser Supermarkt, was? Wurde echt Zeit. Irgendwie haben die Deutschen das mit dem Ladenschluß noch nicht richtig kapiert. Nirgendwo gibt's so'n Trara um den verkaufsoffenen Sonntag wie bei uns." Helga erklärt, daß Ihr die Sonntagsruhe heilig sei und sie daher hoffe, daß der ruhige Sonntag noch lange erhalten bleibe. "Aber entschuldigen sie, Herr Flöter, ich hab' jetzt wirklich keinen Kopf für sowas." Carsten meint, das sei schon in Ordnung: "Bei uns in der Klinik waren sie heute auch alle etwas durcheinander. Unsere Oberschwester behauptet ja es läge daran, daß wir gestern so kurz am Weltuntergang vorbeigeschrammt seien." Helga, alleine vom Gedanken an das Naturereignis ergriffen: "Ah ja... das war wirklich erschütternd, diese Verdunkelung..." 17. Szene: Rosi scheint nicht so recht zufrieden mit dem, was ihr die Karten sagen: "Die rote Dame muß mit der weißen Dame zum Berg, sonst muß die rote Dame abstürzen." Die Birkhahn nippt zufrieden (und wohl zum wiederholten Male) am Eierlikörglas: "Sehense... sehense..." Rosi sieht zwar, allein ihr fehlt der Glaube: "Ja, aber doch nicht in dieser Kombination! Ach du lieber Gott, und die schwarze Dame bleibt außen vor." Frau Birkhahn fühlt sich jetzt erst recht bestätigt und nippt erneut, Rosi tut es ihr gleich. Frau Birkhahn: "Wann jehts los?" 18. Szene: Erich ist offenbar bereits spät dran, als er in der Beimer-Schiller'schen Küche Unterlagen zusammenrafft. Dem mit einem bunten Ball antrabenden Purzelchen teilt er daher mit, daß er nicht mit ihr spielen könne: "Gott, warum muß Helga unbedingt Hans da mit hineinziehen? Sie soll sich lieber um dich kümmern, wenn sie dich unbedingt behalten will. Onkel Franz... könnte sich viel nützlicher machen als Babysitter - anstatt Masskrüge zu stemmen und Parolen zu schwingen. Oh Mann, was mach' ich nur mit dir?" [Mit Voiceover, wohl um es als Gedanken darzustellen:] "Dann nehm ich dich eben mit!" 19. Szene: Backhaus und Tom haben inzwischen ihr Zelt irgendwo in einem Waldstück nahe an einem Gewässer aufgeschlagen. Tom stapft (mit einer Vogelfeder an der Schirmkappe) durch die Botanik und bringt einen Armvoll trockener Äste, die er vor dem Zelt ablädt, wo Walter gerade damit beschäftigt ist, eine Luftmatratze aufzublasen. Er weist seinen jungen Freund an, das Feuerholz auf die andere Seite des Zeltes zu bringen, damit ihnen der Wind nicht den Rauch ins Gesicht blase. Tom erkundigt sich, weshalb die Luftmatratze nicht wegfliegt, wenn sie mit Luft vollgepumpt wird. Backhaus erklärt, daß man schon Helium oder "ganz heiße Luft" hineinpumpen müsse, um diesen Effekt zu erzielen - wie bei einem Ballon. Tom will daraufhin wissen, ob sein Freund denn schon einmal mit einem Ballon "geflogen" sei - genauso gut hätte er ihn auch fragen können, ob er schon einmal auf einer Kanonenkugel geritten wäre: "Aber klar! Weißt du, das ist eine uralte Familientradition bei uns Backhäusern. Mein Ururgroßvater, der hat in Paris gelebt - und der hat bei den Brüdern Montgolfière gelernt, wie man Ballons baut. Naja, und, äh, das Wissen darum ist bei uns von Generation zu Generation weitergegeben worden, immer von Vater zu Sohn." - Tom, schon fast hysterisch: "Echt? Bringst du mir das auch bei? BITTE? Kannst du mit mir einen Ballon bauen?" Backhaus zögert etwas und meint dann, wenn ihm Tom fleißig hilft, würden sie vielleicht sogar einen Ballon bauen - aber zuerst muß die Luftmatratze fertig aufgepumpt werden... 20. Szene: Hans kann Helga bei einem Glas Wein auch nur das sagen, was sie zuvor schon von Erich zu hören bekam: daß Maja die Mutter ist und das Sorgerecht hat. Helga: "Aber Lea soll eingesperrt werden. Ins Gefängnis! Ach, Mutter hin oder her - Majas Lebenswandel war alles andere als solide, das hast du doch auch gehört. Kann man da denn nicht ansetzen?" Hans fordert sie auf, die Kirche doch im Dorf zu lassen - er habe schon weitaus schlimmere Fälle gesehen. Helga spricht von "Männergeschichten und Drogenexzessen" doch Hans meint, sie habe sich schließlich nur einmal als Drogenkurier anheuern lassen, was Helgas Liebe zudem bislang auch keinen Abbruch getan hätte - im Gegenteil, sie hätte selbst immer wieder betont um was für ein liebes Mädchen es sich bei Maja handle. Helga: "Ja schon, aber warum will sie mir dann Lea wegnehmen?" Hans versucht seiner einstigen Taube klarzumachen, was sie eigentlich zu tun im Begriff ist: "Helga! Überleg' dir, was du tust! Du willst rechtliche Schritte gegen die Mutter von Lea einleiten, sie nochmal vor Gericht bringen - nur um deinen Willen durchzusetzen?!" Helga, nach einer Weile: "Ich tu' das doch nur für unsere Enkelkind." Hans seufzt... dann fragt er Helga, ob sie sich noch an Bennys Schultheateraufführung erinnere, die wohl mehr als 10 Jahre zurückliegen muß: "Wir beide, mit Marion und Klausi... Brecht, der "Kaukasische Kreidekreis", den Richter Azdak hat er gespielt [Helgas Augen beginnen zu glänzen] Wir waren... ziemlich stolz auf unseren Sohn... als dann alle anfingen zu applaudieren wie wild, stolze Eltern, genau wie wir... erinnerst du dich noch an die Szene zwischen Grusche und der Gouverneursfrau, wie die beiden an dem Kind herumzerren um festzustellen, wer die rechtmäßige Mutter ist - und das arme Komparsenkind schließlich zu weinen anfing." Mit einem nostalgisch-verklärten Schmunzeln meint Helga, sie würde sich noch genau erinnern - worauf Hans nachhakt, was sie tun würde: "Würdest du das Kind der Mutter wegnehmen? Willst du Lea wirklich zerreißen, zwischen dir und Maja?" 21. Szene: Während Lea selig auf dem Reisebüroboden schlummert, telephoniert Erich auf Englisch - er teilt seinem Gesprächspartner mit, daß die Bilanzen prima sind und er optimistisch sei. Er müsse jetzt zwar dringend weg [dabei schlüpft er in sein Sakko], aber in 6 Wochen käme er ohnehin mit seiner Frau: "Ja, für immer. So ist es geplant." Er beendet das Gespräch, ballt die Faust kurz zu einer Geste des Sieges - und verschwindet aus dem Büro ohne auch nur einen Gedanken an Lea zu verschwenden. 22. Szene: Backhaus und Tom haben es sich vor dem Lagerfeuer gemütlich gemacht - Tom scheint bereits auf Walters Schoß eingeschlafen zu sein. Der blickt nach oben, sinniert: "Gestern hat er sich noch frech vor die Sonne gedrängt - das war'n Ding. Heute versteckt er sich vor uns." Tom will wissen, von wem Walter spricht. Nachdem er erfahren hat, daß es sich um den Mond dreht: "Und bald fahren wir rauf zu ihm, in unserem Ballon." Backhaus hebt die Hand wie zum Schwur: "Klar, machen wir... großes Indianerehrenwort. [Tom schließt die Augen, als ob er erst jetzt beruhigt einschlafen könne.] ...versprochen!" Der Blick, den Backhaus daraufhin der Kamera schenkt, würde auch in den "Gespenstergeschichten" überzeugend wirken [Seltsam? Aber so steht es geschrieben...] 23. Szene: Onkel Franz sitzt in der Beimer-Schiller'schen Küche und gießt sich einen Klaren ein, als Erich nach hause kommt. Freudig teilt der dem "lieben Goethe" mit, daß große Dinge im Gange seien: "Unsere Partei hat endlich einen Namen - mit mehrheitlichem Beschluß und Brief und Siegel! Hier kommt sie, die neue Kraft: die Eff-De-Pe!" Erich gibt trocken zur Antwort, daß es die FDP bereits gibt - und daß er sich ganz sicher sei, daß sie sich weigern würde, mit Franz und seinen Weggefährten in einem Atemzug genannt zu werden. Onkel Franz: "Halt, stop! Halt! Du hast recht, Goethe... ich meine natürlich die P...F...D! (Kunstpause zur Spannungssteigerung, dann mit gewaltigem Stolz:) Patrioten für Deutschland!" Ungerührt teilt Erich ihm mit, daß es wesentlich nützlicher wäre, wenn sich Franz öfter mal als Babysitter betätigen würde, anstatt sich blödsinnige Namen für sein "Kaffeekränzchen Ewiggestriger" zu überlegen... er hat sich gerade seines Jacketts entledigt und Leas Namen ausgesprochen, als er bemerkt, daß das Kind offensichtlich nicht da ist, wo es sein sollte. 24. Szene: Ein dunkelroter Ford mit Regensburger Kennzeichen hält vor dem Reisebüro - 3 Gestalten steigen aus, die auch im Sommer gerne Jacken mit Pelzkragen und Wollmützen tragen und darüberhinaus eher selten ihre Klamotten zu wechseln scheinen. In einer Gegenschnittfolge sehen wir, wie im Reisebüro Lea aus dem Schlaf hochschreckt, während draußen die Schattenmänner die Scheiben einschlagen. Zeitgleich eilt Erich im Hause Lindenstraße Nummer 3 treppab und kämpft dabei mit seinem Sakko. Die Übeltäter werfen Brandsätze in das Reisebüro - als der erste davon detoniert hat Erich gerade die innere Haustür erreicht und schickt sich an, auf dem Absatz kehrtzumachen, da ihm ein Knopf abgerissen ist. Als er das Haus verläßt, macht sich das Überfallkommando soeben aus dem Staub und just als Erich aufblickt, wird die Straße durch eine weitere Explosion im Reisebüro taghell erleuchtet. Erich sprintet los - gleichzeitig treten Hans und Helga auf die Kastanienstrasse - auch Helga läuft los, Hans kann sie gerade noch vor der nächsten Explosion zurückhalten. Erich schreit nach Lea, drängt sich an Helga vorbei, die bereits näher am Geschehen ist. Hans will auch ihn aufhalten, doch Erich entwindet sich seinem Griff. Zoom auf Erich, der fassungslos auf das flammende Inferno starrt, das vor kurzem noch ein Reisebüro war: "Lea! Lea..." Schlußmusik, Abspann. [Anna und Carsten fehlen im Abspann.] |