Folge 714: "Reiselust" (08.08.1999)
1. Szene: Erich erwacht in geblümter Bettwäsche und beginnt sogleich, Schulter und
Nacken seines neben ihm liegenden Pummelchens mit Küssen zu versehen. Helga rümpft im
Halbschlaf die Nase und weist daraufhin, dass es noch so früh sei - anstelle ihres
Mannes drückt sie nur das Kopfkissen fester an sich. Weiterküssend nuschelt Erich, daß
es zwar früh, aber auch die einzige Zeit sei, die sie beide am Tag hätten. Als Helga
daraufhin auf die Streicheleinheiten anzusprechen und sie zu erwidern beginnt, kommt im
Hintergrund Lea ins grosselterliche Schlafzimmer geflitzt und taucht kurz darauf auf
Erich auf, wo sie munter verkündet, Durst zu haben. Nachdem ihr Oma Beimer dreimal
versichert hat, sich gleich um sie zu kümmern, zieht die Kleine wieder ab. Helga
reagiert auf die Störung mit einem wenig überzeugend bedauerndem "Tja, sie hat Durst!"
woraufhin Erich seinen Kopf resignierend ins Kissen sinken läßt.
2. Szene: Andy reißt Iffi aus dem Schlaf um sie zu fragen, ob sie denn wisse, wo Gabi
ist. Iffi weiß es zwar nicht, sie rät ihrem Vater jedoch, sich keine Sorgen zu machen,
da Gabi bestimmt nur spazieren sei. Andy erwidert, daß er sich seit der Geschichte mit
Valle "um jeden Pups" Gedanken machen würde. "Meinste, ich mach was falsch? Wir müssen
wieder mehr miteinander reden, uns gegenseitig zuhören." Iffi stimmt ihrem Daddy
prinzipiell zu - "aber vielleicht nicht unbedingt um sieben Uhr morgens." Er solle
lieber froh sein, daß Valle nichts passiert ist - "und die Docs da, die kümmern sich
schon um sie." Andy meint, diesmal sei es in der Tat noch gutgegangen: "Aber ich kann
mich nicht darauf verlassen, daß immer ein Nachtwächter oder die Polizei da ist, wenn
einer von meiner Familie vom Parkhaus springen will." Dann zieht er die Tür hinter sich
zu, um es sich gleich noch einmal anders zu überlegen und die Frage in den Raum zu
stellen, wie es denn soweit kommen konnte, ehe er seine Tochter schließlich doch
weiterschlafen läßt.
3. Szene: Am Beimerschiller'schen Frühstückstisch serviert Helga zunächst Lea Kindertee
und hernach dem Erich seinen Kaffee. Der bemängelt, daß sich diese Reihenfolge in den
letzten Monaten sagen-wir-mal-eingebürgert habe. Helga: "Och, isser 'n Brummbär heute,
der Opa Erich?" Erich betont lautstark, der Opa weder dieses noch irgendeines anderen
Kindes zu sein, und als Helga daraufhin meint, daß sich seine Nörgelei ja beinahe so
anhöre als wäre er auf Lea eifersüchtig, konzentriert er sich so auf den Protest, daß
Eifersucht etwas ganz anderes sei, daß er mit der linken Hand seine Kaffeetasse
umschubst. Obwohl sich deren spärlicher Inhalt eindeutig in Richtung Tischmitte ergießt,
sorgt sich Helga um die gute Hose und ruft dem hinauseilenden Erich nach, daß er das
Unheil mit lauwarmem Wasser auswaschen könne. Auf dem Weg ins Badezimmer hat er auch
noch das Pech auf Onkel Franz zu treffen - obwohl Erich verlangt, in Ruhe gelassen zu
werden, hält Franz ihm stolz ein Blatt Papier unter die Nase. "Achtzehn neue
Gründungsmitglieder für unsere Partei, alles reschpektierliche Leute mit Reputation...
[verzückt] Ein Apotheker! Ein Rechtsanwalt! Zwei Soldaten! Willst du dich nicht doch
anmelden?" Erich ist längst im Badezimmer verschwunden, wo er sich auf der Toilette
niedergelassen hat und resümiert, womit er es an dem noch jungen Tag bereits zu tun
hatte: "Enkelkinder! Übermütter! Nazi-Opas! Ich halt das nicht mehr aus..."
4. Szene: Andy macht sich offenbar gerade auf den Weg zu Arbeit - er kündigt an, während
der Schicht noch einmal zu versuchen, bei Valle vorbeizuschauen - "nicht daß sie uns
versauert in dieser trostlosen Klapse." Oma Rosi orakelt, es hätte dies alles nicht
passieren müssen, wenn sie bloß ihre Karten richtig gedeutet hätte. Ehe Andy seine
Meinung hierzu äußern kann, betritt Gabi die Wohnung. Andy meint, er habe auf sie
gewartet woraufhin Gabi erzählt, daß sie nicht schlafen konnte und daher zur Frühmesse
gegangen sei, um eine Kerze für Valerie anzuzünden "damit 's wieder gesund wird." Andy
verabschiedet sich, Gabi wendet sich ihrer Mutter zu. Rosi erklärt, sie könne ihre
Tochter doch in solch einer Situation nicht allein lassen: "Da braucht man doch die
Hilfe der Familie [nach oben deutend] - und die der Sterne." Iffi kommt aus ihrem Zimmer
wo ihr das Gespräch anscheinend nicht entgangen ist: "Mamma mia. Karten, Kerzen, Sterne
- daß ihr an so'n Schund glaubt." Gabi folgt ihr in die Küche - dort erwidert sie, daß
Iffi gar nicht so überheblich zu sein brauche - "nur weil einer einen Glauben hat. Ich
geh' in die Kirche, weil's mir guttut. Und zur Valerie geh' ich, weil's ihr guttut. Und
du? Du machst garnix." Seit einer Woche sei Valerie nun in der Psychiatrie und nicht
einmal hätte Iffi besucht, obwohl es sich immerhin um ihre Schwester handelt. Lisa
dagegen würde ihre Freundin fast täglich besuchen. Iffi: "Och, weißt du, was mich die
Lisa interessiert? Ich geh' nur nicht hin, weil ich nicht mit Nico dahin möchte."
Daraufhin zwingt Gabi ihr das Versprechen auf, Valerie zu besuchen während Nico bei Oma
Rosi bleibt.
5. Szene: Erich glaubt sich in der Diele von seiner fröhlich tirilierenden Gattin
unbeobachtet und greift zum Telephon - als sich Helga nähert, hängt er rasch auf und
verkündet, es sei besetzt. Nachdem Helga ihm einen Kuß auf die Backe gedrückt hat und in
der Küche verschwunden ist, betätigt Erich rasch die Wahlwiederholung und vereinbart mit
der Person am anderen Ende der Leitung einen Besuchstermin bei Frau Starck für 14:00
Uhr. Sein Pummelchen taucht wieder hinter ihm auf und hat offenbar nur die Uhrzeit
mitbekommen - als sie wissen möchte, was für Verabredungen er denn hinter ihrem Rücken
treffen würde, bedankt sich Erich am Telephon bei "Frau Griese" und nachdem er aufgelegt
hat, erklärt er, wegen seines schmerzenden Rückens zu Doktor Dagdelen zu müssen. Helga
erinnert ihn daran, daß er doch von Canan wegen des zu erwartenden Ansturms auf
Türkeiangebote im Reisebüro erwartet werden würde: "Hast wohl doch schon
Alterserscheinungen... mein Opa."
6. Szene: Marcella und Giovanna probieren in ihrem Zimmer bei Musikuntermalung jenseits
der vorgesehenen Zimmerlautstärke Klamotten als plötzlich Paolo zerknittert und im
Schlafanzug in die Stube poltert, die Musik abdreht und sich über den Krach am frühen
Morgen beschwert. Als Giovanna unter Vorweis ihrer Armbanduhr wissen will, wieso er denn
vom "Morgen" spreche, erklärt er, seinen Schlaf zu brauchen, schließlich habe er bis
spät in die Nacht gearbeitet. Marcella: "Gearbeitet? Wie heißt sie denn dieses Mal?"
Paolo antwortet erbost, bis ein Uhr gearbeitet und anschließend noch eine Besprechung
mit Vasily gehabt zu haben. Daraufhin stößt auch Giovanna in das selbe Horn wie ihre
Schwester: "Besprechung? Gearbeitet? Wer war's denn dieses Mal?" Paolo reicht es -
nunmehr auf italienisch fordert er seine Töchter auf, sich lieber um ihre Pflichten zu
kümmern, sie hätten ihm schließlich versprochen aufzuräumen und alles müsse blitzen. Die
Mädels jedoch wollen davon nichts hören und verweisen auf eine Verabredung zu der sie
müssen.
7. Szene: Mit schmerzverzerrtem Gesicht und der rechten Hand hinter dem gebeugten Rücken
kommt Klaus im Blaumann aus dem Café Bayer: "Sieben Stunden Tubenfalzen, ich fass' es
nich'! Ich träum' schon vom Tomatenmark." Slapstickartig gestikulierend kommt ihm Momo
im selben Outfit nachgelaufen und stützt den Kollegen, als er ihn erreicht hat.
Schließlich verläßt auch Iffi das Café und meint, sie könne sich gar nicht vorstellen,
daß die beiden dafür um 4 Uhr morgens aufgestanden seien. Während sie in den Drahtesel
gehen entgegnet Klaus, daß er es sich ebensowenig vorstellen könne, die Kohle aber
letztlich doch irgendwoher kommen müsse. Als Iffi spöttisch fragt, ob er denn nichts
mehr von seiner Mami bekäme, antwortet Klaus, daß sein Pa abgebrannt sei und er
schließlich noch Urlaub machen wolle - um sich von der Arbeitswelt zu erholen. Momo
bezweifelt, ob eine Interrail-Tour tatsächlich eine Erholung darstellen würde:
"Schweissfüsse, Zugparties, überfüllte Campingplätze..." Iffi meint, sie fände Interrail
geil und hätte sowas gerne mal gemacht - zumindest habe sie in Rostock aber einen
finnischen Interrailer kennengelernt: "Der war echt süß, ich hab' sogar 'n bißchen
Finnisch gelernt." [Daraufhin gibt sie was nicht-transkribierbares zum besten, was wohl
"Ich liebe dich" heißen soll und zählt noch von eins bis drei, wobei zumindest das
Zählen allerhöchstens annähernd richtig ist.] Sie greift sich eine von den Malochern
soeben im Bayer erstandenen Nußecken: "Sagt mal, gebt ihr mir was davon ab? Eigentlich
hab' ich ja schon gefrühstückt, aber so 'ne Nußecke..." Klausi nimmt ihr das Teil wieder
ab und fragt, ob sie nicht auf ihre Linie achten wollte - und mit Blick auf das in der
Bauchgegend durchaus spannende Kleid: "Ich mein' du hättest sogar schon zugelegt. Sag'
mal, bist du nicht auf Männerjagd?" Daraufhin betrachtet auch Momo seine Ex-Freundin
eingehend und muß dem Kollegen rechtgeben, doch Iffi protestiert energisch: "Es ist
alles in Ordnung, okay - ihr könnt aufhören mit dem Scheiss. Und ich bin ganz bestimmt
nicht auf Männerjagd. Aber sehr charmant von euch, mich nochmal darauf hinzuweisen." Um
das Thema zu wechseln fragt sie Momo, ob der nochmal für eine Stunde den Laden hüten
könne - und als der leichtfertig zusagt, holt sie sich vom versonnen knabbernden Klaus
die Nußecke zurück und beißt lustvoll ab.
8. Szene: Marcella und Giovanna verpassen sich im Badezimmer den letzten schliff - sehr
zum Leidwesen von Paolo, der einem dringenden Bedürfnis nachkommen müßte, aber leider
vor verschlossener Türe steht. Giovanna meint, Marcellas Achselhaare gehörten noch
entfernt woraufhin die kurzerhand zu Vaters Rasierapparat greift und - mit ihrem
Spiegelbild ansonsten anscheinend rundum zufrieden - verkündet: "Ich glaub', ich werd'
doch Model!" Giovanna erwidert, daß sie dafür doch viel zu käsig sei, was ihre Schwester
wiederum auf eine andere Idee bringt: "Ach Mensch, wenn Papa doch kapieren würde, daß
uns ein Urlaub zusteht." Auf die Überreste von Urzulas Abschiedsüberraschung deutend
fügt sie hinzu, daß der sich aber noch nichtmal einen neuen Spiegel leisten könne. Als
Paolo erneut an der Türe rüttelt und wissen will, ob sie endlich fertig seien,
relativiert Marcella ihre Meinung: mit dem "alten Knacker" wolle sie ohnehin nicht
wegfahren, sondern mit der Clique - die sei nämlich echt in Ordnung. Ihre Schwester
schenkt ihr ein verschwörerisches Grinsen und meint, dann müßten sie sich eben etwa
einfallen lassen....
9. Szene: Im diskutiert eine Gruppe von Türken verschiedenen Alters aufgeregt
untereinander. Der genervte Erich versucht sich Gehör zu verschaffen und in Erfahrung zu
bringen, wieviele Tickets er denn jetzt ausstellen solle. Ein Mann mittleren Alters
erklärt, daß er erst zählen müsse, woraufhin das aufgeregte Durcheinander wieder
losgeht. Erich bittet lautstark um Ruhe und hat keine bessere Idee, als zu fragen, ob
denn jemand Englisch spräche. Als er auf sein "Do you speak english?" nur ein
bedauerndes "Kollege, nix verstehn" erntet, erklärt er, daß es ihm genauso geht und
bittet die am anderen Tisch ein Kundengespräch führende Canan, zu übernehmen - er habe
einen dringenden Arzttermin habe und müsse daher weg. "Und außerdem stelle ich fest, daß
ICH unsere Kunden sowieso nicht verstehen, nicht wahr!" Canan findet es
verständlicherweise weniger humorig, alles alleine machen zu dürfen, zumal die
Geräuschkulisse inzwischen auch noch durch schrilles Telephonläuten bereichert wird,
doch Erich zeigt kein Einsehen sondern rät ihr nur, Helga anzurufen, so sie alleine
nicht klarkomme: "Ich bin jedenfalls weg. Wiedersehen!"
10. Szene: Durch den schwarzweißen Sucher einer Videokamera sehen wir vor dem
Hintergrund einer graffitiverzierten Betonwüste einen männlichen Teenager auf einem
Motorrad, der den Träger der Kamera jedoch unmißverständlich auffordert, sich anderes
Material zu suchen - was dieser sogleich tut und sich stattdessen zwei anderen Kids
zuwendet die anscheinend gerade damit beschäftigt sind, einander ohne Zuhilfenahme der
Hände die Zähne zu putzen. Als sie mitbekommen, welche Aufmerksamkeit ihnen dabei zuteil
wird, reagieren sie mit ähnlicher Begeisterung wie der Kollege auf dem heißen Ofen. Im
Gegensatz zu jenem läßt der männliche Teil des Paares jedoch Taten sprechen. Teilweise
noch immer schwarzweiß, teilweise in Farbe sehen wir, wie der Küsser den Kameramann
[übrigens ebenfalls ein Jugendlicher und kein Bravo-TV-Mensch auf Hinterhofreportage] in
den Schwitzkasten nimmt und die beiden einander dann ein bißchen quer durchs Gelände und
wieder zurück schieben. Ehe die Fäuste tatsächlich zu fliegen beginnen, geht der
Mopedfahrer dazwischen und kurz darauf tauchen Marcella und Giovanna in der Szenerie auf
und wollen wissen, was denn hier abginge. Das Kamerakind, von dem wir erfahren, daß er
Hassan heißt, hat sein Spielzeug unterdessen wieder an sich genommen, wir sehen ein
schwarzweißes Gruppenbild mit Peacezeichen.
11. Szene: Valerie hält sich am Fensterrahmen fest und starrt zum hinaus. Iffi will
wissen, was sie denn jetzt den ganzen Tag machen würde. Valerie: "Therapiekram halt. Die
haben ja jede Menge Beschäftigungszeug hier. Malen. Lesen. Gespräche. Sogar Sport soll
ich machen, körperlich fehlt mir ja nix." Iffi meint, es wäre möglicherweise gar nicht
schlecht, was zu machen - vielleicht könnten sie Valle ja tatsächlich helfen. Ihre
Schwester mag nicht so recht daran glauben - sie bezweifelt sogar, daß sie überhaupt
wüßten, was ihr wirklich fehlt. "Weißt du eigentlich, wie gut du's hast? Auf dich stehen
alle Männer! Mich will ja keiner haben!" Davon will Iffi wiederum nichts hören - Boris
hätte Valle immerhin total geliebt, und Zorro auch: auf seine Weise eben. Valerie,
vorwurfsvoll: "Du hast den Erfolg bei Männern, nicht ich!" Iffi stellt fest, daß sie
Momo mit Erfolg in die Psychiatrie getrieben hätte und Heiko überhaupt nichts mehr von
ihr wissen wolle. Valle erkundigt sich, ob Heiko sich denn überhaupt nicht mehr gemeldet
hätte. Iffi antwortet, daß sie es nicht so genau wisse, da das Telephon zwar ein paarmal
geläutet hat, sie aber nicht drangegangen sei und eben gehofft habe, daß es sich bei dem
Anrufer um Heiko handle. Valle will wissen, ob sie es denn noch einmal bei ihm versucht
hätte. Iffi, schroff: "Wenn er sich nicht bei mir meldet? Wer bin ich denn?" Sie nimmt
ihre kleine, große Schwester in den Arm: "Süße... es sind alles scheiß Typen. Von denen
lassen wir uns nicht unterkriegen, okay? Bitte..."
12. Szene: Erich wird in den Besucherraum des Frauengefängnisses begleitet. Maja steht
beim Fenster und schaut hinaus. Als sie sich umdreht, ist ihr die Überraschung über den
unbekannten Besucher ins Gesicht geschrieben. Mit geradezu erleichtertem Lächeln geht
Erich auf sie zu und stellt sich vor. Maja meint, daß Helga schon viel von ihm erzählt
habe, sie aber nicht so recht wisse, warum er sie nun besucht. Erich antwortet, daß er
etwas ganz Wichtiges mit ihr zu besprechen habe - es ginge dabei um ihre Tochter, um
Lea.
13. Szene: Paolo greift im Akropolis zum Telephon. Nachdem er gewählt hat, schaut er
sich vorsichtig um. Gina meldet sich - in untertiteltem Italienisch teilt er ihr mit,
daß er von zuhause aus nicht anrufen könne und daß das Geld nicht reiche, daß ihm seine
Töchter die Haare vom Kopf fressen und auf der Nase herumtanzen würden. "Gina, bitte nur
ein bißchen. Es macht dir doch nichts aus... Wenigstens für neue Kleider für unsere
Kinder... und für Urlaub." Im Off fragt Elena, ob er wieder mit Italien telephonieren
würde [Ha! Wenn die wüßte... *eg*]. Gina muß ihm geantwortet haben, daß sie Marcella und
Giovanna bereits eingeladen habe: "Wie, du hast sie schon eingeladen? Warum erfahre ich
davon nichts? Nein, es ist kein Brief gekommen." Vasily beginnt, Bier zu zapfen und
fragt, ob Paolo seine Töchter endlich erreicht habe, woraufhin der von Gina [auf
italienisch!] verlangt, daß alles aufgeräumt und sauber sei, wenn er wiederkomme. Er
meint, Vasily solle froh sein, keine Kinder zu haben: "Nichts als Ärger mit diesen
Bambini!" Vasily antwortet, daß er diese Art von Problemen wirklich gerne hätte - und
Mary auch.
14. Szene: Während Maja unruhig im Zimmer auf und ab geht, berichtet Erich, daß Helga
wirklich alles für das Kind tue - aber "alles" sei manchmal eben zuviel. er liebe und
bewundere seine Frau, die das Geschäft führt, sich um ihren alten Onkel kümmert und mit
aller Liebe und Aufopferung ihr Enkelkind betreut - "aber stellen Sie sich diese
Belastung vor!" Maja gibt zu bedenken, daß sich Helga nie beschwert hätte. Schiller:
"Nein, beschwert sicherlich nicht, nein, Helga nicht - sie kämpft, sie lebt, Helga lebt
ein ausgefülltes Leben." Er aber würde sich ein bißchen um seine Frau sorgen, wie lange
sie dieser dreifachen Belastung noch standhalten könne. Und er würde sich auch ein
kleines bißchen um Lea sorgen - ob es Maja nicht auch so ginge? Maja, ehrlich
überrascht: "Nein. Echt nicht! Ich finde, daß Frau Beimer prima mit allem klargekommen
ist. Sie will es ja auch gar nicht anders." Gerade dies sei ja das Problem, erklärt
Erich - man müsse sie eben förmlich vor sich selbst schützen. Maja kann und will
Schillers Bedenken nicht nachvollziehen: "Nee. Nee, die Frau Beimer die hat das voll im
Griff, das spür' ich - auch wie wohl sich Lea bei ihr fühlt. Also, ich finde das läuft
ganz prima im Moment. So eine Oma hätt' ich mir gewünscht, oder am besten so eine
Mutter." Erichs Körpersprache ist eindeutig zu entnehmen, daß er sich die Sache
einfacher vorgestellt hatte. Maja weiter: "Wenn ich irgendwie das Gefühl hätte, Lea
ginge es nicht gut oder sie würde schlecht behandelt, dann wäre das was anderes. Aber
so?" Dieser letzte Satz läßt Erich aufhorchen...
15. Szene: Wiederum bei der Clique von Giovanna und Marcella. Die Mädels sitzen auf
einer recht hohen Mauer, finden das aber nicht mehr besonders spannend und verlangen
daher nach der Hilfe der Jungs, um auf den Boden zurückzukehren. Der Küsser und der
Mopedfahrer stellen den Tisch erstmal von der Mauer weg, tragen ihn aber zurück, nachdem
Hassan den wütenden Protest der Mädchen gefilmt hat. Dann reichen sie ihnen eine
helfende Hand zum Abstieg, ehe Hassan Marcella in den Ausschnitt filmt, wofür er sich
einen Tritt in die Eier einfängt.
16. Szene: Iffi kehrt zurück in den "Drahtesel", wo Momo am Ladentisch eingenickt ist.
Er erkundigt sich, wie es war. Iffi, bedrückt: "Frag nicht... die ist total fertig. Ich
mein', das war sie vorher schon, aber jetzt... Warum bauen Leute aus Liebe die größte
Scheiße?" Momo vermutet den Grund darin, daß das Leben ansonsten zu langweilig sei.
Iffi: "Langweilig? Warum sind nicht einfach alle lieb und nett zueinander?" Momo meint,
sie solle doch einfach damit anfangen. Sie sieht ihn an: "Dich habe ich nicht immer so
gut behandelt.... aber Heiko eigentlich schon... oder?" Momo meint, das müsse sie schon
selbst wissen. [Bemerkenswert in dieser Szene ist die Rahmenhandlung: immer wenn Momo im
Bild ist, solange er am Ladentisch sitzt, ist durch das Schaufenster zu sehen, wie ein
um die Ecke biegender Radfahrer eine die Strasse überquerende Passantin anfährt und ihr
dadurch eine Tüte aus der Hand schlägt, woraufhin die beiden die verstreuten Sachen
gemeinsam einsammeln.]
17. Szene: Helga serviert Lea gerade ihr Abendessen als Erich nach Hause kommt. Helga
erkundigt sich, ob es seinem Rücken besser ginge - er weiß im ersten Augenblick nicht,
wovon sein Pummelchen spricht, erinnert sich aber schnell genug der Ausrede und
beteuert, daß Dr. Dagdelen ein Meister seines Fachs und die Schmerzen wie weggeblasen
seien. Helga fragt, ob er dann gleich wieder ins Büro ginge doch Erich meint, er würde
erst später hinübergehen. Verwundert meint Helga, daß doch gleich Ladenschluß sei, doch
Erich erklärt, noch die ganze Buchhaltung für's Claron Bridge machen zu müssen und da im
Büro derzeit soviel los sei, würde er dort nicht dazu kommen. Alarmiert geht Helga auf
ihn zu: "Erich... Erich, wir müssen uns wieder Zeit für einander nehmen, Wir dürfen uns
nicht im Alltagsstress verlieren. Trotz Büro und Lea. Erich... Zeit, die wir miteinander
verbringen. Nur wir beide." Er drückt sie fest an sich und gibt ihr recht: "und ich bin
sicher, daß wir bald sehr viel Zeit für uns haben werden. Nur für uns."
18. Szene: Iffi kommt nach Hause und stößt mit der Wohnungstüre einen Pappkarton um, was
sie zu der Frage veranlaßt, ob Gabi jetzt für die Kirche sammeln würde. Die kommt
daraufhin aus der Küche, geht aber gar nicht auf die Stichelei ein sondern bittet Iffi
fröhlich, kurz mitzukommen: "Überraschung!" Selbige entpuppt sich natürlich als Heiko
und schon fallen sich die Königskinder in die Arme.
19. Szene: Paolo ist theoretisch damit beschäftigt, im Biergarten zu servieren, wird
jedoch von seinen Töchtern, die nach mehr Taschengeld verlangen, davon abgehalten.
Zunächst lehnt er strikt ab, rückt schließlich aber doch einen Zwanziger heraus,
woraufhin Marcella und Giovanna zwar alles andere als zufrieden aber doch mit ihren
Mopedfahrern abziehen. Paolo bringt daraufhin Hans sein Bier, der mit Harry an einem
Tisch sitzt. Er jammert, daß sich seine Nase schon wie Pizza anfühlt, so sehr würden
seine Töchter darauf herumtanzen. Hans läßt sich allerdings nicht so leicht beeindrucken
- denn sein Sohn Benny ist in diesem Alter immerhin schon nach Portugal durchgebrannt,
wie er nicht ganz ohne Amusement erzählt. Paolo: "Herr Beimer, ich liebe meine Kinder,
aber im Moment wäre es mir wesentlich lieber, sie _wären_ in Portugal - oder, noch
besser, auf dem Mond." Hans kann es ihm gut nachfühlen: "Man liebt sie - aber man wird
einfach nicht mehr fertig mit ihnen. Verbote? Verbote nützen überhaupt nichts. Machen
die Sache nur noch spannender." Von den verbotenen Früchten kann auch Harry ein Lied
singen...
20. Szene: Heiko will erzählen, wie er in Rostock ausgerechnet "Tristan und Isolde"
dramatisch und romantisch ausleuchten sollte, doch es bleibt nicht bei der bloßen
Erzählung. Er greift sich ein Plastikschwert, hält es sich vor die Brust und geht vor
Iffi in die Knie: "So starben wir, um ungetrennt, ewig einig, ohne End', ohn' Erbarmen,
ohne Bangen, namenlos in Lieb' umfangen, ganz uns selbst gegeben, der Liebe nur zu
leben." Tristan rennt sich das Schwert in die Brust, worauf Iffi ihren Einsatz gibt -
zwar nicht so textsicher, aber mit umso mehr Hingabe: "Nein! Mein Geliebter, nicht! Oh
mein Gott! Liebster, geh' nicht! Nein! Stirb nicht! Stirb nicht für diesen Kitsch!"
Diese Blasphemie reißt Tristan aus seinem Todeskampf: "Wieso denn Kitsch? Das ist doch
wunderschön!" Iffi kann sich diesem Urteil nicht anschließen, will aber dennoch wissen,
wie die Geschichte weitergeht: "Ich dachte, sie sterben am Ende?" Heiko: "Ja eben, wie
immer - weil sie nicht zueinander können. Und ich hab' mir gedacht, daß es mir doch
wirklich besser geht als den großen Gestalten der Weltliteratur - ich mein', ich muß nur
nach München fahren um der großen Liebe nur zu leben, warum mach' ich's nicht einfach?"
Iffi will wissen, was die am Theater zu seiner Entscheidung gesagt hätten. "Was sollen
sie schon gesagt haben? Sie haben gesagt.... 'Viel Glück im Westen.'" Iffi erklärt, so
froh zu sein, daß er da ist... die beiden versinken in einen tiefen Kuß, im Zuge dessen
er über ihren Bauch streicht. Iffi fragt, ob er denn was spüren würde. Heiko, zögernd:
"Naja, abgenommen hast du nicht gerade, falls du das meinst. Im Gegenteil..." Iffi steht
auf und stellt klar, daß dies nicht etwa daran liegt, daß sie vor Kummer lauter Torten
in sich hineingestopft hätte. Heiko: "Du bist schwanger." Iffi: "Freuen Sie sich, mein
Holder?"
21. Szene: Schiller sitzt im Reisebüro vor dem Computer - die einzige Lichtquelle (neben
dem einfallenden Licht der Strassenbeleuchtung) scheint der Monitor zu sein [ziemlich
exakt so sieht es übrigens auch aus, wenn ich Rückblicke schreibe, nur daß da eben noch
der Fernseher dazukommt... - d. Verf.]. Er liest sich sein Werk halblaut durch: "Sehr
geehrte Frau Stark. Leider war ich heute Nachmittag nicht in der Lage, Ihnen in vollem
Umfang die ganze Wahrheit zu offenbaren. Zu schmerzlich auch für mich sind die Dinge,
die in unserem Hause vorgehen. Ich muß Sie allerdings bitten, meine Informationen streng
vertraulich und absolut diskret zu behandeln. [Der Drucker wirft eine Seite aus,
Schiller liest nun vom Ausdruck weiter:] Stundenlang muß das Kind alleine mit einem
senilen alten Mann verbringen, der Lea sogar in Lebensgefahr gebracht hat. Wenn er nicht
zur Verfügung steht, muß Ihre Tochter ganze Nachmittage vor dem Fernseher verbringen [in
einem kurzen Zwischenschnitt sehen wir, wie Lea in der Badewanne sitzt und Oma Beimer
mit einem Quietscheentchen mit ihr spielt.] Aufgekratzt wie sie am Abend dann natürlich
ist, kann sie nicht mehr einschlafen und meine Frau beruhigt sie dann mit Bier oder
Eierlikör - nicht das richtige Schlafmittel für ein Kind, wie sie mir sicher zustimmen
werden." Er faltet den Brief zusammen, steckt ihn in ein Kuvert und verklebt dies.
Danach atmet er tief durch, ganz so als wäre ihm ob seiner Dreistigkeit selbst unwohl.
22. Szene: Paolo ruft die letzte Runde für den Biergarten aus. Else kommt am Zaun vorbei
und fragt spöttisch, in welcher Gesellschaft der Herr Beimer denn neuerdings sein Bier
trinken würde: "Wolln's wohl a amoi unter da Bruckn schlafn?" Hans bittet sie, dies doch
seine Sorge sein zu lassen - darauf Harry: "Laß sie doch, sie hat nunmal keinen, mit dem
sie saufen kann." Zeki kommt aus dem Lokal und offeriert seine Rosen. Hans uns Harry
winken ab, doch Harry meint, er solle "der Alten" mal 'ne Rose schenken, vielleicht
würde sie das ja milder stimmen. Else verwehrt sich dagegen - sie würde keine Rosen
brauchen: "Von dem Ausländer net und von eahna scho glei überhaupts goar net. So, Herr
Beima, so hat's beim Herrn Schildknecht a ohgfangt - Gott sei seiner armen Säuferseele
gnädig." In dem Moment brausen Marcella und Giovanna auf Mopeds am Akropolis vorbei, was
sowohl Else als auch Paolo veranlasst, ihnen erzürnt hinterherzubrüllen, wenngleich aus
unterschiedlichen Motiven.
23. Szene: Iffi und Heiko haben's endlich ins Bett geschafft. Sie will wissen, ob er ihr
denn in Rostock auch brav treu geblieben sei. Heiko: "Wieso treu? Wir waren doch gar
nicht mehr zusammen?" Sie fällt erwartungsgemäß über ihn her, was in den nächsten Kuß
mündet. Er kann es immer noch nicht fassen, daß sie ihm fünf Monate lang nichts gesagt
hat und beginnt, sich mit dem Bauch zu unterhalten. Iffi meint, sie sei sich zunächst
selbst nicht sicher gewesen, dann sei sie sich aber mit jedem Tag sicherer geworden, das
Kind behalten zu wollen. "Aber als wir uns dann gestritten haben... man kann niemandem
sagen, daß man schwanger ist, der gehen möchte. Weil dann wärst du vielleicht nur
geblieben weil ich schwanger bin und nicht, weil du mich liebst. Das wollt' ich nicht. "
Er erklärt, sie auch geliebt zu haben, als er gegangen ist, er hätte aber Zeit
gebraucht, um sich über alles klarzuwerden "Aber jetzt kriegen wir ein Kind. Du und ich.
Ich werd' Papa. Ich hab mit allem gerechnet, aber nicht mit dem schönsten Wahnsinn."
24. Szene: Hans, Paolo und Harry trinken im Akropolis weiter. Vasily spült hinter der
Theke Gläser. Hans kündigt seinem Leidensgenossen an, daß ihm das Schlimmste noch
bevorstünde wenn die Mädchen anfangen, über Nacht wegzubleiben, womöglich unangemeldet.
Dann nämlich würden die Haare beginnen grau zu werden - sofern sie nicht überhaupt
ausfallen. Paolo will sich gar nicht vorstellen, daß diese Früchtchen seine Marcella...
Hansemann meint, er kenne das Gefühl gut, was Paolo nicht so recht glauben will: "Nichts
kennen Sie!" Hans: "Doch... meine Marion hat in diesem Alter auch so manches
Techtelmechtel gehabt [Vasily horcht im Hintergrund bereits auf] nich', Vasily? Und mir
so manche schlaflose Nacht bereitet." Vasily meint, daß sie ihm durchaus auch manch
schlaflose Nacht bereitet hat, worauf ihm Hans rät, das mal nicht seine Mary hören zu
lassen. Harry bringt einen Trinkspruch auf "die Frauen, die uns schlaflose Nächte
bereiten" aus, da die immer noch die besten seien. Paolo ist allerdings nur noch zum
Heulen zumute.
25. Szene: Ein bordeauxroter Ford mit Regensburger Kennzeichen fährt vor und hält. Über
die Schulter des Fahrers sehen wir, wie Erich das Reisebüro erhobenen Hauptes verläßt
und in Gedanken noch einmal den Schluß seines Briefs durchgeht: "Sie sehen bei der
Offenbarung aller Details, daß es nur eine sinnvolle Möglichkeit gibt: Lea muß so
schnell wie möglich zurück zu ihrer Mutter, zu ihnen. Bitte verraten Sie mich nicht. Es
fällt mir sehr schwer, meine Frau so zu belasten, aber das Wohl eine unschuldigen Kindes
sollte über solchen Erwägungen stehen." Er wirft den Brief in den Kasten, ballt die
Faust, äußert ein "Irland, ich komme!". Der Beifahrer des ominösen Wagens hat sich
unterdessen eine Wollhaube übers Gesicht gezogen und reicht eine Spraydose in Richtung
Rückbank, eine weitere gibt er dem Fahrer, der seine Tür öffnet und rasch aussteigt.
Während Erich auf das Haus Lindenstrasse Nr. 3 zugeht und dabei noch eine
Freudenpirouette einlegt, ehe er im Hauseingang verschwindet, sprinten die drei
schwarzgewandeten und maskierten Insassen des roten Fords zum Reisebüro. Zwei von ihnen
besprühen die Scheibe, der dritte steht Schmiere, ehe sie so schnell verschwinden wie
sie gekommen sind. Niemand der trotz vorgerückter Stunde noch recht zahlreichen
Passanten scheint dem davonbrausenden Fahrzeug besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Zoom auf die Scheibe [im Werbespruch "Türkei, das Land der Sonne" wurde "Sonne" mit
"Folter" übersprüht, darunter wurde der Satz "Wer der Türkei dient, wird brennen"
angebracht], Schlußmusik, Abspann.
[Die Schlußmusik wird gleich ausgefadet, statt des üblichen Abspanns erscheint nur der
Satz "Wir trauern um George Moorse" weiß auf schwarzem Grund. Nach ca. 6 Sekunden fade
to black, in der linken Hälfte wird ein Photo von George Moorse eingeblendet, daneben
scrollt folgender Text: "Die 'Lindenstraße trauert um ihren Regisseur George Moorse, der
am 30.Juli an den Folgen eines Herzinfarktes verstorben ist. George Moorse hat 186
Folgen 'Lindenstraße' inszeniert und das Profil der Serie entscheidend mitgeprägt. Wir
haben einen wunderbaren Freund und Mitarbeiter verloren. Team und Ensemble der
'Lindenstraße']
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