XcapeetXs Rückblick

Für alle Chatter, die die Lindenstraße nicht sehen konnten


Folge 713: "Liebesgrüße"  (01.08.1999)

1. Szene: Hans fordert Tiger Tom gutgelaunt auf, doch aufzustehen. Als der nur knurrend
in seine Decke eingerollt liegenbleibt, fragt Hans nach dem "Giftblatt" und nimmt
sogleich Toms Schultasche zur Hand um selbst danach zu suchen. Als sich sein Sohn noch
immer nicht rührt, macht Hans Tom darauf aufmerksam, daß er an seinem Geburtstag vor 2
Tagen bei Backhaus gewesen sei, ebenso am Vortag - "gleich nach der Schule. Aber heute
schauen wir zusammen dein Zeugnis an. Das hatten wir so abgemacht."

2. Szene: Urzula will sich an Rosi vorbei aus der Wohnung schleichen, doch der entgeht
nichts. Sanft, aber mit Nachdruck ruft sie nach Urzula [so ähnlich stelle ich mir den
lockenden Ruf der Hexe aus "Hänsel und Gretel" vor...] - daraufhin wagt die sich doch in
die Küche, um zu beteuern, dass Irina wie abgemacht den ganzen Tag bei ihrer Freundin
Jessica sei, sie aber dennoch weg müsse, da der Laden wartet. Tante Rosi meint, sie müsse
sich in allererster Linie einmal hinsetzen und sich ansehen, was die Karten sagen: "Eine
mir nahestehende Person wird eine Nachricht von Herzen bekommen. Eine alte Liebe meldet
sich wieder, neu entflammt." - es könne daher gut sein, dass Paolo Urzula einen
Liebesbrief geschrieben habe, weswegen sie unbedingt im Briefkasten nachsehen müsse.
Urzula will davon jedoch nichts hören - ihretwegen könne Paolo das ganze Treppenhaus mit
seinen verlogenen Liebesschwüren tapezieren und es wäre ihr dennoch egal: "Dieser
singende Kellner ist für mich gestorben. End-gül-tig. Verstehst du das?"

3. Szene: Tom hat sich inzwischen doch bequemt, aufzustehen. Hans hat das Zeugnis
gefunden und liest, rastlos im Zimmer auf und abgehend, daraus vor: "Deutsch 5... Mathe
4... Sachkunde 4... was?! Musik 6?!? Versteh' ich nicht, Du singst doch so gerne." Tom
erwidert, dass es sich bei der Musiklehrerin um eine doofe Kuh handle, die ihn nicht
leiden könne - Hans bezweifelt, dass dies einzig an der Lehrerin liegt. Tom: "Hey! Aber
in Sport hab' ich 'ne 2!" Sein Vater entgegnet, das dies zwar sehr schön sei, er aber
eben auch mit Mathe und Deutsch klarkommen müsse. "Herrgottnochmal, wenn ich 'n bißchen
mehr Zeit hätte, dann könnten wir und abends immer mal 'ne Stunde hinsetzen und 'n
bißchen pauken." Natürlich beginnt in diesem Moment im Hintergrund Martin zu schreien.
Tom meint, er könne doch mit Walter lernen. Hans: "Jaja, Walter, Walter, Walter. Ob der
'n Spezialist für Mathematik ist bezweifle ich." Aus dem Off bittet Sarah Hans mal zu
kommen, da Martin die ganze Zeit weint - er fragt, ob nicht mal Anna nach ihm schauen
könne. Sarah: "Nee, die weint auch schon wieder."   

4. Szene: Hektik im Casarotti. Isolde nimmt den gelieferten Blumenschmuck entgegen und
läßt sich photographieren während Fausto in der Küche bereits zu seiner alten Form
gefunden hat und nur mit Mühe davon abzuhalten ist, dem Lieferanten seinen angeblichen
"Prosciutto di Parma" um die Ohren hauen. Isolde erinnert ihren Küchenchef an die
Reporter, die sich im Lokal befinden und teilt ihm mit, daß sie ihn einen Moment für ein
Photo brauche. Fausto, gereizt: "Ein Photo, Isolde? Wie können Sie jetzt daran denken?
Diese Paparazzi sollen mich gefälligst meine Arbeit tun lassen!" Isolde versucht ihm
klarzumachen, daß diese Leute durchaus Bestandteil seiner Arbeit seien, da sie mit ihren
Artikeln und Photos dafür sorgen, daß das Casarotti wieder zum Prominententreffpunkt
wird. Doch erst ein gewisses Maß an Pathos bringt den stolzen Maestro dazu, der
Journaille doch einen Augenblick seiner kostbaren Zeit zu opfern: "Fausto, bitte! Sie
wissen, was für uns an diesem Abend hängt! Alle werden sie kommen - die Journalisten, der
Verleger, sämtliche VIPs. Wir müssen mitspielen. Heute fällt die Entscheidung: über das
Casarotti - über das Buch - über uns!" 

5. Szene: Beim Frühstück will Hans dem Tiger vermitteln, daß gute Zensuren nicht ganz
unwichtig seien - er wolle schließlich einmal einen tollen Beruf erlernen, und um
beispielsweise Forscher zu werden und Saurierknochen auszubuddeln wären gute Noten
unumgänglich, da es dafür erforderlich sei, zuerst aufs Gymnasium zu gehen und
anschließend zu studieren. Tom verkündet, ohnehin kein Forscher mehr werden zu wollen,
sondern lieber Schiffsjunge, wofür man auch nicht zu studieren brauche. Dazu erklimmt Tom
einen Stuhl und beginnt, sich da oben um die eigene Achse zu drehen. Nachdem Hans ihn auf
den Boden zurückgeholt hat, taucht Sarah in der Küche auf um sich zu verabschieden, sie
ginge jetzt zu Anja. Hans will wissen, wann sie denn zurückzuerwarten sei - Sarah: "Gar
nicht, ich schlaf' doch da, wir zelten im Garten!" Hans hört davon zum ersten Mal, doch
Sarah erklärt, ihre Mutter hätte es erlaubt. Tom schickt sich an, seiner Schwester zu
folgen, doch Hans kann ihn gerade noch zurückpfeifen. Er fragt ihn, wo er denn hinwolle -
Tom, schulterzuckend: "Ich weiß auch nicht, einfach raus halt." Irritiert meint Hans, er
hätte gedacht, dass sie sich in Ruhe unterhalten wollten, "..nur wir beiden Männer." Tom
sieht die Sache etwas anders: "Nö. Kein Bedarf. Und außerdem: dürfen die anderen ja auch
weg." Nicht nur Sarah, sondern auch Söphchen, für die Hans sogar Stullen schmieren würde
und die dann den ganzen Tag mit Tante Helga im Abenteuerpark sein dürfe. Verärgert
fordert Hans ein, dass sich Tom an die Verabredung hält, doch der ist schon zur Türe
draußen...

6. Szene: Else betritt gerade das Café Bayer, wo Valerie bereits als Aushilfe begonnen
hat und gerade Oma Rosi einen Eisbecher serviert, die sich so darüber freut, dass das
"Kindchen" wieder eine Aufgabe hat - woraufhin Valerie prompt demonstriert, wie gut sie
für diese Aufgabe geeignet ist, indem sie Rosis Glas umkippt. Das ist Else natürlich
nicht entgangen: "Wennst a g'lernte warst, dann war des net passiert, aber lernen hast ja
nia megn, du Faulpelz du." Gabi eilt mit einem Lappen herbei um das Malheur zu
beseitigen. Sie schickt Valerie hinter den Tresen - "da stellst vielleicht weniger an."
Rosi fordert sie auf, doch nicht so ein Drama aus der Sache zu machen, schließlich sei es
trotzdem ein Glückstag, wie ihr die Karten verraten hätten. Sie berichtet noch einmal,
dass den Karten zufolge eine ihr nahestehende Person Nachricht von Herzen bekommen, eine
alte Liebe sich neu entflammt melden würde. Dies sei ganz eindeutig zu verstehen gewesen,
doch Rosi kann sich keinen Reim darauf machen, wer damit gemeint sein könnte. Valerie hat
das Orakel jedoch mitbekommen: "Ich weiß, wer damit gemeint ist... [mit leuchtenden
Augen:] Zorro ist damit gemeint!"

7. Szene: Hans serviert seiner blaßlila gewandeten Schönen das Frühstücks ans blaßlila
bezogene Bett und berichtet dabei, daß Tom nun Schiffsjunge werden wolle und schon wieder
zu Backhaus abgerauscht sei. Trotz der schlechten Zensuren hätte ihm Hans nicht gleich am
ersten Ferientag mit Verboten kommen wollen, obgleich ihn die schulische Karriere seines
Sohnes überaus beschäftigt: "Also, mit dem Zeugnis sollte er vielleicht besser doch
erstmal auf die Realschule, nächstes Jahr. Obwohl, mit ein bißchen Nachhilfe wär' das
bestimmt... immer noch zu machen. Der Philipp Sperling könnte das bestimmt ganz gut."
Andererseits sei es vielleicht auch alles falscher Ehrgeiz, schließlich müsse ja nicht
jedes Kind Abitur machen. Als Hans Anna fragt, ob sie ihm überhaupt zuhören würde, zeigt
sich, daß sie diesmal nur scheinbar in ihrer Lethargie versunken war: "Vielleicht geht es
ja gar nicht darum, Hans. Vielleicht geht's ja um was ganz anderes. (...) Bist du
glücklich?" Hans weiß darauf keine rechte Antwort - er druckst herum, da? es sich dabei
um so ein großes Wort handle: "Was heißt das überhaupt, Glück?" Anna meint, er wisse
genau, was Glück bedeutet - sie beide wüßten es, oder haben es zumindest gewußt. Hans muß
seiner Frau recht geben: "Glücklich sind wir wahrscheinlich nicht im Moment." Anna:
"Hans... ich will immer, daß es dir gutgeht und den Kindern. Das mußt Du mir glauben. Ich
bin dir doch nur eine Last..." Hans nimmt ihre Hand.

8. Szene: Isolde steht mit dem Telephon in der Küche und beschwert sich bei Fausto
drüber, dass bei Maurizio, den er ihr als Muster an Zuverlässigkeit und Professionalität
geschildert habe, niemand an den Apparat geht. Fausto kann dies nicht verstehen, denn
normalerweise sei er so pünktlich wie die Sonne am Horizont. Isolde: "Na, dann haben wir
eben 'ne Sonnenfinsternis." Isolde versucht, stattdessen Francesco zu erreichen, doch bei
dem meldet sich nur der Anrufbeantworter wie schon seit einer ganzen Woche, wie Isolde
bemerkt, was Fausto wiederum mit einem angedeuteten Grinsen quittiert. Isolde jedoch
braucht nachwievor einen Kellner für die Eröffnung.

9. Szene: Während die Kamera langsam an einigen an der Schlafzimmerwand hängenden Photos
der Mäuse vorüberzieht, versichert Hansemann seiner Schönen, daß sie es gemeinsam
schaffen würden, wenn sie sich Mühe geben und zusammenhalten - schließlich hätten sie es
noch immer geschafft. Anna nimmt seinen Arm und legt ihn sich um die Schulter: "Ganz
bestimmt, Hans. Ich... ich will einfach wieder an uns glauben. Wenn du wüßtest, wie
wichtig du für mich bist. Wie gut du mir tust. Wie schön es ist, dich zu spüren." Sie
beginnt, ihn zu küssen woraufhin zunächst ein Lächeln über sein Gesicht huscht, doch
rasch verdüstert sich seine Miene, er wehrt ihre Liebkosungen ab. "Entschuldige Anna,
ich... ich kann das jetzt nicht."

10. Szene: In einem Zimmer, das sich wohl in der Backhaus'schen Wohnung befindet und wie
die Werkstatt eines verrückten Erfinders aussieht fragt Walter, ob Tom denn schon einmal
Fallschirm gesprungen sei. Als der verneint und hinzufügt, er glaube, er würde es sich
nicht trauen, reagiert Backhaus als hätte er diese Antwort auf die Frage bekommen, ob Tom
schon einmal im Supermarkt einkaufen gewesen wäre: "Was?! Zehn Jahre und noch nie
Fallschirm gesprungen?!" Tom nimmt einen blauen Miniaturfallschirm zur Hand, den Backhaus
offensichtlich gebastelt hat und beginnt, ihn in der Luft herumzuschwenken. Backhaus
erklärt, daß Fallschirm springen wie fliegen sei: "Du fällst und fällst... und saust
durch die Wolken - und was da unten auf dieser kleinen, schäbigen Erde passiert,
interessiert dich gar nicht mehr." Er hat unterdessen mit Lackstift "TOM" auf eine
Playmobilfigur geschrieben und meint, nun sei Tom der Fallschirmspringer. Der will
wissen, ob denn Walter schon einmal gesprungen sei. "Ja was denkst du denn? Das gehörte
zur Ausbildung, damals, als ich Soldat war." Toms Einwand, er sei doch bei der Marine
gewesen, bringt Backhaus ins Schleudern. Eine direkte Antwort bleibt er schuldig,
stattdessen holt er ein grünglänzendes Etwas von einem der Schränke. Dabei handle es sich
um einen chinesischen Drachen, erzählt Backhaus, den er von einem Freund geschenkt
bekommen habe - "damals, als wir vor Shanghai lagen, mit der 'Goldenen Meerjungfrau'."
Tom will wissen, ob der denn fliegen könne. Backhaus Antwort: "Ooooh, was meinst du wie
der geflogen ist! Naja, bis er kaputt gegangen ist - beim Taifun. Weißt du... die
Chinesen bauen schon seit Jahrtausenden bauen die schon Drachen. Das sind ihre
Glücksgötter [langsam hebt er den Drachen empor] ... die erheben sich in die Luft und
steigen auf in den Himmel. Das können wir auch." 

11. Szene: Valerie rempelt sich durchs Café Bayer, um Gabi stolz die bisherige
Trinkgeldausbeute zu präsentieren, die sich auf 6 Mark beläuft. Gabi meint, es sei ja in
Ordnung, dass sie sich so darüber freue, aber seit wann sie denn so aufs Geld fixiert
wäre? Eine Kundin kommt am Tresen vorbei, drückt Valle einige Münzen in die Hand und
meint, der Rest sei für sie. Valerie: "Schau mal, schon wieder 'ne Mark, ist das nicht
toll? Also wenn das so weitergeht kann ich schon in zwei Monaten nach Neuseeland fliegen,
zu Zorro!" Daraufhin herrscht Gabi sie an, sie solle mit diesem Zorro aufhören - sie
könne da nicht hin, "...und überhaupt: wahrscheinlich hat er eh schon eine Neue." Da
ist's bei Valerie vorbei mit der kindlichen Freude über's Trinkgeld, stattdessen pfaucht
sie ihre Chefin an: "Sag das nie wieder, okay! Und überhaupt: das kannste doch gar nicht
wissen! Ich werde zu Zorro fliegen - und keiner wird mich daran hindern."

12. Szene: Tom und Backhaus stehen auf dem Dach vom Astor und lassen den Playmobil-Tom in
sein Abenteuer starten. "Heureka! Da fliegt er, der Teufelskerl!" Tom sieht dem blauen
Fallschirm hinterher und meint, er würde ja gar nicht richtig fliegen, sondern immer nur
laaaangsam hinunterfallen. Backhaus: "Na klar fliegt der, der schwebt gaaaanz laaaangsam
[der kleine Fallschirmspringer plumpst unsanft auf die Bordsteinkante] ...und landet
sicher auf der Erde." Tom erklärt, lieber wie der Drache, den er nun durch die Luft zu
schwingen beginnt, hoch zum Himmel fliegen zu wollen. Backhaus: "Ja, zum Himmel, das
schafft der leider nicht mehr. Aber du kannst doch fliegen. Jeder kann fliegen, man muß
sich nur trauen, es einfach tun!"

13. Szene: Im Casarotti begrüßt Isolde Paolo stürmisch als ihren Retter in der Not. Er
wiegelt ab und meint, Vasily könne an diesem Abend leicht auf ihn verzichten, wo doch
ohnehin alle Leute hierhin kämen - "...auch wenn du mich ja anscheinend nur noch kennst,
wenn du mich gerade brauchst." Isolde meint rasch, so könne er das wirklich nicht sagen,
sie hätten doch immer.... und überhaupt würde sie sich freuen, wenn er wieder im
Casarotti anfinge. In der Küche schickt derweil Fausto seinen Koch mit dessen angeblichem
Einschnee [womöglich à la Annemarie Wendel?!] zum Teufel. Paolo und Isolde haben die
Verbalinjurien durch die Durchreiche mitbekommen und Paolo meint, da hätte sie gleich
einen Grund, warum er nicht wieder bei ihr anfangen wolle: "Gegenüber dem ist Elena sogar
eine zartfühlende Fee!" Isolde weist diese Aussage zurück und will Paolo versichern, daß
sich Fausto zum völlig anderen Menschen gewandelt hätte - zwar sei er immer noch
impulsiv, aber sein Genie... Paolo jedoch ist nicht so leicht von seiner Überzeugung
abzubringen: "Genie? Wahnsinn vor allem. Du kennst meine Meinung, ein Teufel ist er und
in der Hölle müßte er braten, nicht in der Casarotti-Küche."

14. Szene: Valle verabschiedet sich von Elvira und präsentiert Lisa, die sie abholen
gekommen ist, das gesammelte Trinkgeld: "Guck mal, 30 Mark Trinkgeld heute... also wenn
das so weitergeht kann ich mir schon in... warte mal... 57 Tagen mein Ticket kaufen!"
Lisa regt an, die guten Nachrichten zu feiern, etwa mit einem Kinobesuch, doch davon will
Valerie nichts wissen - schließlich wolle sie ihr Geld ja sparen und nicht ausgeben. Lisa
ist aber anscheinen schon auf Amusement eingestellt und beschließt, ihre Freundin dann
eben ins Kino einzuladen. Und ein Argument zieht sowieso immer: "Zorro würde das bestimmt
auch gut finden, daß du Spaß hast und dein Leben genießt, oder?"

15. Szene: Backhaus und Tom sind von ihrem Testflug zurückgekehrt. Sie sitzen auf dem
Sofa in Walters Wohnung, wo der aus einem Buch vorliest während Tom beinahe die Augen
zufallen. In dem Moment erklingt wieder einmal Beethovens Fünft und nicht nur das
aufmerksame Publikum, sondern auch Backhaus kann sich denken, wer ihm da einen Besuch
abstatten möchte. Er fragt Tom, ob er aufmachen wolle, doch der lehnt ab und läßt sich
lieber an eine Decke geschmiegt aufs Sofa fallen. Backhaus öffnet also und bittet Hans
herein, noch immer das Buch in der Hand. Toms Senior wirft einen Blick darauf - und
bemerkt mit nostalgischer Freude, Jules Vernes "5 Tage im Ballon" als Kind selbst
geradezu verschlungen zu haben. Er folgt Backhaus ins Wohnzimmer und fragt Tom, ob sie
denn noch ein bißchen Mathe gemacht hätten. Walter antwortet an Toms Stelle, daß sie da
"so ein Arbeitsheft" angelegt hätten, das er auch gleich vorzeigt. "Sehr schöne Aufgaben,
so aus dem richtigen Leben gegriffen, wissen Sie? Naja, Mathematik kann man auch sinnlich
vermitteln, das muß kein abstraktes Zahlenwerk sein..." Hans unterbricht ihn amüsiert und
greift nach dem Heft, um sich selbst ein konkretes Bild von den schönen Aufgaben zu
verschaffen. Er schlägt das Heft auf - und sieht darin bunte Bilder von Bauwerken, Tieren
und kurvenreichen Schönheiten anstelle von Formeln und Kurvendiskussionen. Hans: "Tja...
sehr anschaulich... aber wenig mathematisch, würde ich sagen." - Backhaus: "Aber
sinnlich. Das werden sie doch wohl nicht bestreiten, oder?" 

16. Szene: Valerie hat sich inzwischen fürs Kino schick gemacht [oder was sie halt dafür
hält] und Lisa bestätigt ihr , daß sie toll aussehe - bloß mit sich selbst sei sie nicht
so zufrieden, die Jacke störe. Valle meint, Iffi hätte da so eine Glitzerjacke, die sie
ohnehin nicht mehr anziehen würde, seit Heiko weg sei - die würde sie jetzt für die
Freundin holen. Sie bringt das Teil, Lisa schlüpft hinein - und fördert aus der
Innentasche überrascht eine Karte zu Tage. Valerie vermutet den Absender in Heiko, nimmt
Lisa die Karte aus der Hand und beginnt, sie feixend vorzulesen - doch die Schadenfreude
schlägt sehr bald in Bestürzung um, die in einem Heulkrampf endet. Lisa nimmt Valle in
den Arm und versucht, sie zu beruhigen, doch die scheint dies gar nicht wahrzunehmen.

17. Szene: Hans versucht Walter klarzumachen, dass er endlich die Wahrheit von ihm hören
wolle "...und nicht die fünfzehnte Münchhausiade." Dieser Anspruch auf die Wahrheit
amüsiert den seltsamen Alten - er offeriert Hans ein Glas Wein und erinnert ihn daran,
daß die Römer die Wahrheit darin wähnten. "Sie sind doch'n Studierter... ich habe auch
studiert, oh ja... vor allem das Leben." Hans nimmt das Glas, schließt die Küchentür und
erklärt, es wirklich ernstzumeinen - es ging ihm um seinen Sohn. Da hat anscheinend auch
Backhaus genug - anstatt wie üblich ruhig mit einem viel- bzw. nichtssagenden Spruch zu
kontern, erwidert er lautstark, dass es ihm verdammtnochmal auch um Tom ginge und er
gedacht habe, sie wären sich in diesem Punkt einig. Er öffnet die Küchentour wieder und
deutet in Richtung Wohnzimmer, wo Tom auf dem Sofa schläft: "Hier... hier, sehen Sie hin.
Sehen Sie hin, wie friedlich er jetzt schläft! Die halbe Nacht hat er wach gelegen, weil
er Angst hatte, Ihnen sein Zeugnis zu zeigen." Diese Aussage bringt Hans aus dem Konzept
- erbost will er wissen, was Backhaus damit sagen wolle, was das denn wieder für eine
Geschichte sei. Backhaus: "Keine Geschichte, diesmal. Herr Beimer! Und selbst wenn... was
haben sie eigentlich gegen Geschichten, hä? Was braucht ein Kind denn anderes? Wann haben
sie ihm denn das letzte Mal eine Geschichte erzählt, hä? Wann haben sie das letzte Mal
mit ihm am Lagerfeuer gesessen, ein Lied gesungen, ein Baumhaus gebaut, mit ihm getobt...
oder ihn ganz einfach mal in den Arm genommen?" Hans, offensichtlich in die Ecke gedrängt
[und möglicherweise nach[a]synchronisiert... Bossa?] erklärt, er wisse nicht, was
Backhaus das angeht. Der hat inzwischen den - trotz der nicht gerade leisen Diskussion
noch selig schlummernden - Tom vom Sofa aufgehoben und legt ihn seinem Vater in den Arm.
Der fragt, ob er sich etwa rechtfertigen müsse. Backhaus, leise: "Halten Sie ihn fest...
das bringt sie beide sicher viel näher... als noch so schöne Sprüche und Theorien." 

18. Szene: Lisa versucht, die noch immer schniefende und völlig abwesend wirkende Valerie
wieder aufzubauen: "Vielleicht war die Karte gar nicht ernst gemeint. Oder von 'nem ganz
anderen Zorro. Oder Iffi hat sich 'n blöden Scherz erlaubt." Die sei doch nur neidisch
weil Heiko weg ist, und Valle hätte ja selbst gesagt, daß sie sich zuletzt so blöd
benommen hätte. "Valerie... Valerie... wir lassen uns nicht unterkriegen. Wir haben doch
noch uns!" 

19. Szene: Unter großem Applaus der Anwesenden Schönen und Reichen wird das Casarotti
eröffnet. Isolde begrüßt  Barell und seine blonde Begleitung - der Verleger zeigt sich
beeindruckt und meint, wenn das Essen halte, was das Ambiente verspricht... selbstsicher
verkündet Isolde, daß es das werde, während im Hintergrund Fausto erneut jemanden
"fanculo" schickt. Isolde ersucht Barell Platz zu nehmen und dirigiert noch den
Photographen zu ihm, ehe sie selbst in Richtung Küche verschwindet, um dort nach dem
rechten zu sehen. 

20. Szene: Lisa konnte Valerie offenkundig doch irgendwie dazu zu bewegen, mit ins Kino
zu gehen, doch der Film hat bereits angefangen, als die beiden den Kinosaal betreten.
Lisa fordert die Freundin auf, schon mal Plätze zu suchen, während sie selbst noch Cola
und Popcorn holen will, doch Valerie bleibt willenlos mitten vor der Leinwand stehen.
Natürlich dauert es nicht lange, bis sie unangenehm auffällt. Ein junger Mann mit
Baseballkappe fordert die "Traumtänzerin" auf, "'n Abgang" zu machen, woraufhin sich
Valerie wie ferngesteuert in Bewegung versetzt. 

21. Szene: Nicht nur die haute volée darf bei der Neueröffnung des Casarotti dabeisein:
Käthe erkundigt sich bei Urzula, wo denn Tanja eigentlich stecken würde, die doch auch zu
ihnen stoßen wollte. Carsten meint, Käthe möge lieber seine  Stimme senken, so ihm sein
Leben lieb sei - der göttliche Ludwig habe nämlich mal wieder seine Finger im Spiel: als
Tanja angekündigt hatte, mit Carsten ins Casarotti zu wollen, hätte Lou einen seiner
Bannflüche geschleudert, demnach sie sich dort entweder mit ihm selbst blicken lasse oder
gar nicht, weshalb sie sich dafür entschieden habe, daheim zu bleiben. Käthe: "Ups! Da
hat der alte Wüterich mal wieder zugeschlagen!". Wenige Tische weiter präsentiert sich
der selbe alte Wüterich wie gewohnt als Mann von Welt. Ahmet lobt das Essen und wundert
sich nicht nur darüber, dass Isolde so lange gezögert hat, das Casarotti wieder aufleben
zu lassen, sondern bedauert es auch, daß die Frau seines Kollegen dem Ereignis
fernbleiben mußte. Auch Erich findet es "jammerschade, daß sie diese
sagen-wir-mal-Gaumenorgie" verpassen müsse, da sie urplötzlich krank geworden sei. Ludwig
kann ihm nur zustimmen - zumindest was den ersten Teil betrifft: es handle sich
tatsächlich um ein kulinarisches Feuerwerk, ganz wie in alten Zeiten. Helga assistiert
ihm bereitwillig beim Themenwechsel: "Es ist bewundernswert, in ihrem Alter nochmal von
vorne anzufangen." Selbstverständlich läßt Erich die Gelegenheit nicht ungenützt, sein
Pummelchen darauf hinzuweisen, daß sie die selben Chancen auf einen Neuanfang hätte: in
Irland...   

22. Szene: In der Küche schwört der Kapitän Fausto seine Mannschaft auf die Schlacht ein:
"Und denkt daran: Wir verteidigen die Thermophylen des guten Geschmacks gegen das
Barbarentum der Mittelmäßigkeit. Gebt alles! Wir sind nur 3 gegen den Rest der Welt!"
Isolde betritt die Küche mit finsterem Blick und fragt streng nach Fausto. Der fährt
herum und will besorgt wissen, was denn los sei. Ihr Mienenspiel ändert sich grundlegend
- sie teilt ihm mit, daß die Gäste außer sich seinen und es Komplimente über Komplimente
hagle. Spontan setzen die beiden zu ein paar Walzerdrehungen an.    

23. Szene: Paolo serviert am Tisch von Urzula, Käthe und Carsten, was Urzula zu der Frage
veranlaßt, was man gegen sexuelle Belästigung im Restaurant unternehmen könne. Käthe
fragt, von wem sie sich denn belästigt fühle - Urzula: "Seht ihr nicht, wie er mich
ständig anbaggert?" Sie läßt ihre Serviette fallen, woraufhin Paolo sofort zu ihr eilt
und sich bückt, um das Teil aufzuheben: "Urzulina, ich bring' dir eine n...." - sie tritt
ihm auf die Hand und ermahnt ihn, sie nie wieder "Urzulina" zu nennen.  

24. Szene: Valerie geht durch die verregnete Nacht - auf einer alles andere als
ausgestorbenen Strasse folgen ihr zwei betrunkene Männer, von denen sie der eine mehrfach
betatscht und an sich zu drücken versucht. Valerie wehrt sich zwar, doch anstatt
wegzulaufen, läßt sie sich in eine Ecke drängen. Als sie halbherzig zu schreien und um
sich zu schlagen beginnt, fordert der andere Zecher seinen Kumpan auf, von ihr
abzulassen: "Eeej, laß doch das Weibsbild... die ist doch häßlich, was willst'n von
der..." Mit Müh und Not läßt sich der erste von seinem Opfer wegziehen, allerdings nicht,
ohne der verschreckten Valerie noch etwas mit auf den Weg zu geben: "Wir alle brauchen
Liebe... auch du brauchst Liebe." Als die beiden sich entfernen, blickt Valle auf und
sieht ein großes, hellerleuchtetes "P"-Schild. Eilig betritt das "Park- und Garagenhaus
am Hohenzollernring" [es gibt in München zwar einen Hohenzollernplatz und eine -strasse,
jedoch keinen -ring...] und läuft die Rampe hinauf.

25. Szene: Ahmet verabschiedet sich von Isolde und versichert, daß sie einen neuen
Stammgast gewonnen habe. Ludwig kommt angerollt und kann sich seinem Kollegen nur
anschließen - mit dem Unterschied, daß es sich bei ihm um einen "schon älteren Stammgast"
handle. Auch Barell gratuliert der Pavarotti zu ihrem großen Wurf - der Kollege von der
Fachpresse habe so laut mit der Zunge geschnalzt, daß es noch 2 Tische weiter zu hören
gewesen sei - daher könne es nur eine Frage der Zeit sein, ehe auch der Michelin
anklopft. Der Verleger verabschiedet sich mit Handkuß und fordert Isolde schließlich auf,
am nächsten Tag in sein Büro zu kommen, um den Vertrag fertig zu machen. Der Blick, den
seine Begleiterin Isolde zum Abschied zuwirft ist einer von jener Sorte, die durchaus als
"vernichtend" zu kategorisieren sind, was Isoldes Höhenflug allerdings nur noch weiter
voranzutreiben scheint. 

26. Szene: Gabi ist bereits beim Zähneputzen, als es an der Türe läutet. Sie mutmaßt, daß
es sich um Valerie handelt, die ihren Schlüssel vergessen hat - doch zu ihrer
Überraschung steht nicht ihre Stieftochter, sondern die völlig aufgelöste Lisa vor der
Tür, die wissen möchte, ob Valerie da sei. Gabi braucht einen Moment, ehe sie sich aus
Lisas verzweifeltem Gestammel etwas zusammenreimen kann, doch als die Zorros Karte
erwähnt, wird Gabi das drohende Ausmaß der Tragödie schlagartig bewußt.  

27. Szene: Fausto lässt ihm Casarotti die elektrischen Lichter ausgehen, im Schein
zahlreicher Kerzen sitzt Isolde mit glänzenden Augen an einem der Tische. Er fragt, ob
sie bereuen würde, daß sie es noch einmal miteinander versucht haben. Isolde. "Bereuen?
Ich lebe wieder, Fausto. Ich lebe..." Fausto geht auf sie zu und hält ihr die Hand hin.
Isolde steht auf, nimmt seine Hand. "Sie leben... Sie tanzen... Sie strahlen... [sie
beginnen zu tanzen] Die Prinzessin - in ihrem neugewonnenen Reich." Isolde möchte wissen,
was er dieses Mal sei, wenn sie an diesem Abend die Prinzessin sei... Fausto: "Ich bin
dein Prinz."

28. Szene: Valerie hat das oberste Parkdeck erreicht und geht zielstrebig auf die
Brüstung zu. Sie steigt auf das Geländer, richtet sich auf - und wagt den Blick in die
Tiefe. Zoom auf Valerie, Schlussmusik, Abspann. 

[Verleger Barell sowie der 1. und 2. Betrunkene dürfen im Abspann mitmischen; Else Kling,
der Zwischenrufer aus dem Kino und Barells Begleitung bleiben dagegen genauso ungenannt
wie Ahmets Doktortitel.]


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