XcapeetXs Rückblick

Für alle Chatter, die die Lindenstraße nicht sehen konnten


Folge 712: "Aus alt mach neu" 
(25.07.1999)

1. Szene: Iffi serviert ihrem Sohn am Zenkerschen Frühstückstisch Kakao worauf Nico
fragt, ob er denn nicht seine "Ernie und Bert"-Tasse bekommen könne. Iffi meint, die sei
noch in Rostock und sie müssten sie irgendwann holen. Nico möchte wissen, ob sie dann
nicht auch Heiko holen könnten, doch Iffi erklärt dass sie den nicht holen würden, der
möge von selber kommen. Nady erscheint in der Küche, reichlich Rasierschaum im Gesicht,
drückt Gabi einen Kuss auf die Lippen, greift nach seiner Kaffetasse und will von Iffi
wissen, ob sie Heiko inzwischen endlich angerufen hätte, er glaube nämlich nicht, dass er
von selbst wiederkäme. Als Andy schon wieder dabei ist, die Küche zu verlassen, erklärt
Iffi aufgebracht, dass er sich melden solle, wenn er was von ihr will - sie jedenfalls
würde ihm nicht hinterherlaufen. Nun redet ihr Gabi gut zu, nicht so stur zu sein und den
ersten Schritt zu tun: "Wenn ihr euch liebt..." Iffi stellt die Frage in den Raum, warum
er denn abgehauen sei, wenn er sie lieben würde, und bekommt die Antwort prompt von der
soeben die Küche betretenden Valle: "Abgehauen? Du hast ihn doch allein in Rostock
gelassen und erpresst. Er hatte doch keine andere Wahl. (...) Ja, ist doch wahr! Ich kann
dieses Thema einfach nicht mehr hören! Mensch, wenn ich wüsste, wo Zorro ist, ich würd'
sofort meine Koffer packen und zu ihm fahren. Du liebst ihn doch gar nicht richtig."
Daraufhin verlässt Iffi genervt die Küche [allerdings ohne etwas zu essen mitzunehmen].
Andy kommt zurück, noch immer nicht weiter rasiert als vorhin, und fragt, was hier denn
eigentlich los sei.

2. Szene: Erichs morgendliche Zeitungslektür wirft bei ihm die Frage auf, ob es in
Anbetracht der Situation in der Türkei (Proteste in Istanbul) überhaupt vertretbar sei,
den Kunden Reisen in dieses sagen-wir-mal-Krisengebiet zu verkaufen. Helga teilt seine
Bedenken nicht und fragt, was denn daran falsch sein solle, den türkischen Mitbürgern
Reisen zu ihren Familien in der Türkei zu vermitteln. Sagen-wir-mal-Rechtsaussen Wittich
bringt daraufhin überhaupt den grandiosen Vorschlag ein, dass "die sogenannten Mitbürger"
überhaupt gleich in ihrer Heimat bleiben könnten "...aber da kriegen sie ja keine
Sozialhilfe und auch kein Wohngeld, und da müssten sie ja arbeiten, um ihre Grossfamilien
durchzubringen." Helga fordert ihren Onkel auf, sie mit seinen "verschwurbelten Theorien"
zu verschonen, die Türkei die sie kenne würden nämlich alle fleissig und hart für ihren
Lebensunterhalt arbeiten. Onkel Franz ist davon mitnichten überzeugt: "So? Und warum
können sie das nicht in der Türkei?" Die Antwort darauf gibt er gleich selbst: "Weil das
ganze Land eine einzige Krise ist, wie unser Goethe vorhin richtig bemerkt hat." Auf
diese Art der Zustimmung kann Erisch ganz gut verzichten und er beeilt sich zu erklären,
dies ganz bestimmt nicht so gemeint zu haben. Onkel Franz zeigt sich davon unbeeindruckt
und fügt noch hinzu, dass die ganze Lindenstrasse schon von Fremden übervölkert sei.
Helga erinnert ihn daran, dass er damit unter anderem auch von Canan spricht, die mit
ihren Versicherungsbeiträgen auch seine Rente finanziert und lässt darüberhinaus keinen
Zweifel daran, in ihrem Einflussbereich keine rechtsradikalen Parolen mehr hören zu
wollen. Franz meint, er hätte verstanden, erklärt sich aber frog darüber, dass es noch
(auf)rechte Kameraden gibt, die einem gestandenen Mann mit Lebenserfahrung und gesundem
Menschenverstand Gehör schenken. Erich fragt nach, ob er sich denn ganz sicher sei, was
denn gesunden Menschenverstand betrifft. Darauf Franz: "Du wirst mir auch noch dankbar
sein, wenn wir in diesem Land wieder was zu sagen haben."

3. Szene: Iffi betrachtet ihr Profil im Spiegel, insbesondere jenes ihres Bauches, und
scheint mit dem Anblick durchaus zufrieden. Im Hintergrund ist zu hören, wie sich Gabi
und Valerie in einem der anderen Zimmer der Zenker-Wohnung unterhalten. Iffi nimmt ihren
Schlüssel vom Brett neben der Wohnungstür und folgt dann den Stimmen. Durch die
angelehnte Zimmertür hört sie, wie sich Valle darüber beschwert, dass es "immer nur um
Iffi" gehe. Gabi hält dagegen, dass Iffi es im Moment eben auch nicht leicht hätte,
weswegen es für die ganze Familie erforderlich sei, zusammenzuhalten und sich gegenseitig
zu helfen. Als Valle daraufhin wissen will, wer denn ihr eigentlich hilft, meint Gabi,
dass sie alle ihr helfen würden, auch Iffi - aber sie müsse sich auch helfen lassen,
anstatt sich immer nur zu verschliessen. Iffi hat genug gehört und verlässt die Wohnung -
das geräuschvolle Schliessen der Wohnungstür veranlasst Gabi, dass Gespräch zu
unterbrechen und kurz nachzusehen. Als ihre Frage nach Iffi unbeantwortet bleibt, zieht
sie die Tür wieder hinter sich zu und beantwortet Valles Frage, was sie denn nun ihrer
Meinung nach machen solle: "Na... neu anfangen, nach vorne schauen. Einen Job, eine
Ausbildung, irgendwas (...) schau', ich weiss, wie es ist, ein Kind zu verlieren. Es ist
so schrecklich, dieser Schmerz, aber... es muss auch irgendwann wieder weitergehen."
Darauf Valle, erbost: "Ich versteh' euch nicht, es GEHT doch weiter... wenn Zorro kommt
und mich holt, mein Gott..."

4. Szene: Isolde nimmt ein gerahmtes Photo von Enrico und tänzelt damit durch das
Wohnzimmer. Dabei verspricht sie ihrem Topolino, beinahe mit den Tränen kämpfend, genau
zu wissen, was sie tut und selbiges für ihn zu tun - nämlich dafür zu kämpfen, dass sein,
dass ihr gemeinsamer Traum weiterlebt. Dabei werde sie "ihn" bändigen anstatt es
zuzulassen, dass "er" den Traum noch einmal zerstört.

5. Szene: Anna taucht ihm Cafè Bayer auf, wo sich Gabi über den unerwarteten Besuch
freut. Als sie ihre Cousine jedoch fragt, ob es ihr denn inzwischen besser ginge, meint
Anna nur, dass sie sich ja nicht ewig verkriechen könne. Gabi feuert eine wahre
Freundlichkeitssalve auf Anna ab: sie lädt sie für den Abend ein, meint, sie müsse sich
was Gutes tun, bietet ihr Strudel an - doch Anna wehrt ab und gibt ihr eine
Ansichtskarte, wozu sie bemerkt, dass diese von Zorro gekommen sei und Gabi sie ja
Valerie zeigen könne. Hastig überfliegt Gabi die Nachricht: "Hallo Ihr Lieben! Das Leben
ist einfach wunderschön... Traumfee getroffen... jetzt geht's auf Weltreise... nicht
einmal der Tod kann uns scheiden, wir sind einfach megaverliebt, ich hoffe Ihr auch.
Dicker Kuss, Zorro." Gabi ist hocherfreut über die Botschaft, da sie der Ansicht ist,
dies müsse Valerie einfach wachrütteln. Anna scheint davon ganz und gar nicht überzeugt,
doch ehe sie sich zu diesem Thema äussern kann, beginnt ihr Babyphon, Laut zu geben.
Nervös beginnt sie, auf dem Gerät herumzudrücken und zu -klopfen - Gabi schaltet das Ding
zwar aus und versucht, soweit beruhigend auf Anna einzuwirken, dass sie in der Lage ist,
ruhig zu Martin zu gehen, doch Anna verschwindet Hals über Kopf aus dem Café, was Gabi zu
der Frage veranlasst, warum ihre ganze Familie so überspannt sein müsse.

6. Szene: Langsamen Schrittes verlässt Fausto Rossini die Justizvollzugsanstalt München.
Während sich das Gittertor hinter ihm schliesst hält er einen Moment inne und erblickt
auf der anderen Strassenseite 2 abgebrochene Riesen offenbar mediterraner Herkunft, die
an ein Auto lehnend auf ihn zu warten scheinen. Er richtet seinen Blick nach links, von
wo sich ein Taxi nähert. Er geht auf das langsamer werdende Fahrzeug zu und will bereits
nach der Türschnalle greifen, als sich das hintere Wagenfenster senkt und Isolde ihn
begrüsst. Er ist überrascht, sie zu sehen, sie fordert ihn auf, einzusteigen. Fausto
zögert, wirft noch einen Blick auf die mutmasslichen Mafiosi, geht dann um das Heck des
Taxis und steigt auf der anderen Seite ein. Dies veranlasst auch die beiden anderen
Männer, in ihr Fahrzeug zu steigen und dem abfahrenden Taxi zu folgen.

7. Szene: Im Schuhladen will Pia nicht so recht verstehen, weshalb Onkel Franz seine
neuen Schuhe zurückgeben will, obwohl sie ihm doch sooo gut stünden. Franz meint, er
hätte sie nun seit einer Woche täglich getragen, um sie einzulaufen, sie wären aber noch
immer zu eng. Pia schaut den alten Mann mit grooossen Augen an und lässt ihn dabei wieder
recht tief blicken: "Ja, aber Herr Wittich, wie stellen sie sch das denn vor? Die krieg'
ich ja gar nicht mehr verkauft, so abgelaufen wie die sind." Von Umtausch sei nun mal
nicht die Rede gewesen - aber Olaf könne sie ihm beistimmt weiter machen und er müsse
auch jeden Moment vom Grosshandel zurückkommen. Allerdings wäre es dazu vonnöten, die
Schuhe ein paar Tage im Laden zu lassen. Betrübt erklärt Franz, sie noch am selben Tage
zu brauchen, da er doch bei seinen Kameraden Eindruck machen wolle... bis ihm eine andere
Idee kommt: wenn ihn nämlich das Fräulein Pia zu seinem Treffen begleitete, würde er auch
ohne neue Schuhe Eindruck machen.

8. Szene: Das Taxi hat gehalten, Fausto - inzwischen mit Schirmkappe - ist bereits
ausgestiegen. Er öffnet Isolde die Türe und hält in der anderen Hand einen Regenschirm
unter dem die beiden auf ein Gebäude zugehen [von dem wir, anscheinend im Gegensatz zu
Fausto, durch ein Schild im Bildschirmvordergrund, wissen, dass sich um das Verlagshaus
Barell handelt]. Während sie durch die Drehtür gehen, die Empfangshalle durchqueren und
in den Lift einsteigen erklärt Fausto, zwar natürlich froh darüber zu sein, dass Isolde
gekommen ist, aber auch überrascht: "Ich dachte sie hätten... wie sagt man in deutsch?...
das Tischtuch zerschnitten." Isolde gibt zur Antwort, dass sie zu dem Schluss gekommen
sei, dass Fausto gerne mit dem Feuer spielt, dabei aber jemanden brauche, der achtgibt,
dass er nicht verbrennt - "oder anders ausgedrückt: manche Pflanzen gedeihen besser, wenn
man sie an einen Stock bindet." Sie habe es sich daher erlaubt, seine Geschicke etwas in
die Hand zu nehmen. Isolde: "Sie kennen dieses Haus?" - Fausto: "Nein, wieso sollte ich
denn auch?". Sie erklärt, dass es sich dabei um das Büro seines Verlegers handle mit dem
sie sich bereits einen Termin zu vereinbaren erlaubt habe. Fausto protestiert natürlich
gegen diese Einmischung doch Isolde lässt ihn kaum zu Wort kommen und führt weiter aus,
dass sie beide einen gemeinsamen Traum hätten, nämlich unter seinem
"sagen-wir-ruhig-Genie" und ihrer Führung das Casarotti wiederauferstehen zu lassen. 

9. Szene: Iffi - mit blauer Schürze - bastelt im "Drahtesel" an einem "Fahhrad" als Nico
den Laden betritt. Sie fragt ihren Sohn, weshalb er denn nicht bei Tante Valli sei. Nico:
"Die ift so komisch". Iffi muss zugeben, dass er damit nicht ganz unrecht hat. Langsam
begibt sich auch Valerie in den Laden. Süffisant: "So. Du findest mich also komisch?"

10. Szene: Isolde und Fausto nehmen inzwischen ihren Termin mit dem Verleger dar, der in
den Entwürfen blättert und davon ziemlich angetan scheint.  Als er erklärt, dass er
sofort bereit wäre, das Buch zu veröffentlichen "wenn... und ich sage 'wenn'..." Fausto
wieder ein festes Haus hat, "einen echten Gourmettempel, zu dem die Feinschmecker
pilgern", will der überempfindliche Maestro dem Verleger natürlich sofort wieder Bescheid
stossen, doch Isolde bremst Fausto ein und präsentiert Barell die konkreten Pläne für die
Neueröffnung des Casarotti inklusive Gästeliste und dem neuen Design der Speisekarte -
eine Darbietung, die den Verleger durchaus beeindruckt.

11. Szene: Im "Drahtesel" erklärt Iffi, nicht auf Valle herumhacken zu wollen, aber es
sei einfach unverantwortlich, den Kleinen auf die Strasse rennen zu lassen, schliesslich
hätte ihm ja was passieren können [ist Pat eigentlich noch in der Gegend?] Valerie
antwortet, dass sie auch nichts dafür könne, wenn er nicht bei ihr bleiben wolle. Iffi
meint, dass dies doch früher auch nicht so gewesen sei, sie sich ja im Gegenteil kaum
voneinander trennen konnten. Valle: "Mein Gott! Ich will ein eigenes Kind haben, du hast
ein Kind, Nico! Ich hab' keine Lust, immer nur Leihmutter zu spielen." Ungerührt schlägt
Iffi ihrer Schwester daraufhin vor, sich einen Mann zu holen - "oder willst du vom
Pollenflug schwanger werden?". Valle, gereizt [aber ohne Teller, mit dem sie auf ihr
Zimmer verschwinden könnte]: "Ich hap doch einen Mann!" [*trotzigaufstampf*] Iffi will
wissen, wer denn dieser Mann sein soll und als ihre Schwester antwortet, dass es sich
dabei um Zorro handle: "Zorro ist in Timbuktu oder sonstwo." Valle ist schon fast
verschwunden, kehrt jedoch noch einmal kurz zurück: "Wenn Zorro mich nicht mehr haben
will, dann hat doch mein Leben sowieso keinen Sinn mehr!"

12. Szene: Onkel Franz bitte seine alten Kameraden in die Beimer-Schiller'sche Wohnung
und meldet sturmfreies Quartier. Helga und ihr Nesthäkchen seinen in den Tiergarten
marschiert, weshalb genügend Zeit bliebe, um sich für das Treffen zu präparieren, was
Hilmar und Ottokar erfreut zur Kenntnis nehmen. Das eigentliche Treffen finde ja
andernorts statt. Onkel Franz: "Streng geheim! Man munkelt von ausländischen Störern und
linken Chaoten, die das Treffen sprengen wollen!" Sie würden daher von Hartung abgeholt.
Ottokars Hauptaugenmerk dagegen gilt nicht etwa der Rot- sondern der Brotfront, die er in
Form einer zünftigen Brotzeit in der Küche ausfindig gemacht hat. Desweiteren erkundigt
er sich nach dem Verbleib der "feschen Sympathisantin aus dem Schuladen", von der Franz
soviel erzählt hatte. Während er Ottokar das Brett wieder abnimmt erklärt Franz, dass sie
sich noch zieren würde und wohl noch Überzeugungsarbeit nötig sei - über kurz oder lang
werde es aber gelingen, sie auf ihre Seite zu ziehen. Ottokar meint, dass es doch auf der
Hand liege, an welchem Problem das Land krankt und  bringt gleich ein praktisches
Beispiel in Form der Busfahrt in die Lindenstrasse: "Da will ich doch gerade auf meinem
Stammplatz platznehmen, da sitzt da so 'n Neger und weigert sich, aufzurücken! Und sagt
mir mitten ins Gesicht, dass hier schliesslich noch andere Plätze frei wären." Onkel
Franz echauffiert sich angemessen über diese "Reschpektlosigkeit"  und führt dann selbst
seine Rente als weiteres Beispiel an: "Da wäre auch noch einiges drin, wenn wir nicht
diese Asylanten durchfüttern müssten." Dennoch habe er weder Kosten noch Mühen gescheut,
um an das leibliche Wohl seiner Kameraden zu denken. Damit darf die Brotzeit in Angriff
genommen werden.

13. Szene: Mit Isoldes Worten "Langsam, Fausto, ganz langsam... voilá!" betreten sie und
Fausto das Casarotti und geben sich im blitzsauberen Lokal anscheinend einer Melange aus
Erinnerungen und Erwartungen hin. Opernhaft tanzt Fausto durch die Küche [und wenn ich
nicht so ein Banause wäre, könnte ich Euch bestimmt mitteilen, woher die musikalische
Untermalung stammt, bei der er und Isolde mitsummen...] 

14. Szene: Unsere Rechtsabteilung ist inzwischen wieder bei der Namensdiskussion gelandet
- die "nationalen Patrioten" und die "patriotische Nation" sind anscheinend schon passé
aber es gibt ja noch genügend andere Vorschläge: "Freunde des Vaterlandes" etwa, was
jedoch Hilmar ablehnt, da sie ja eine Partei sein wollen und nicht bloss Freunde. Ottokar
gibt sich flexibel und plädiert nun für die "Partei der Freunde des Vaterlandes - PFV",
was jedoch bei Onkel Franz keine rechte Freude aufkommen lässt, da im Grunde genommen ja
jeder ein Vaterland hat - "auch ein Kosovo-Albaner" - weshalb Deutschland im Namen
unbedingt vorkommen solle. Ottokar gibt sich auch mit der "Partei der Freunde des
deutschen Vaterlandes" zufrieden, doch dies ist Hilmar wiederum zu lang. Die Diskussion
wird durch das Auftreten von Hartung unterbrochen. Hilmar erklärt stolz, dass sie schon
"einiges erarbeitet" hätten, doch Hartung lässt sich nicht für dumm verkaufen und meint,
es sähe ihm eher nach einem gemütlichen Gelage aus: "Meine Herren, ich möchte darauf
hinweisen: wir machen hier keine Stammtischpolitik. Wir wollen nicht diskutieren. Wir
wollen handeln. Ich erwarte Disziplin von Ihnen, meine Herren, Haltung." Daraufhin nehmen
die Veteranen selbige an und folgen sodann Hartungs Kommando zum Abmarsch.

15. Szene: Während Isolde jungmädchenlike mit überschlagenen Beinen auf einem der Tische
sitzt, steht Fausto mit zwei Schneebesen in Händen in der Küche, stösst ein irres Lachen
aus, und tut dann seine Freude kund, wieder bei seinen "Instrumenten" zu sein. "Endlich
wieder komponieren, endlich wieder dirigieren.... Isolde, ich muss kochen!" Isolde möchte
wissen, wie er das anstelle wolle, wo doch fast nichts im Hause sei - doch das kann für
einen wahren Maître kein Problem sein: "Auch eine Pasta kann eine Sinfonie sein - ganz
einfach, und doch eine Ahnung davon vermittelnd, was möglich ist... Transzendenz! La
Cuccina Divina!"

16. Szene: Valerie will gerade Wasser überstellen, als es an der Türe läutet. Genervt
geht sie öffnen, doch als sie sich Lisa gegenübersieht, die sie mit Umarmung begrüsst,
scheint ihr Unmut beinahe zu verfliegen. Lisa überreicht ihr ein in Geschenkspapier
eingeschlagenes Buch, was Valerie zu einer weiteren Umarmung und der Bemerkung  "Ach,
wenn ich dich nicht hätte..." veranlasst. Während Valle in die Küche zurückgeht, begibt
sich Lisa in ihr Zimmer und meint dabei, Valerie hätte doch ihre ganze Familie, während
sie selbst wirklich niemanden hat. Ihr Blick fällt auf den Zorro-Altar Valle meint, dass
ihre Familie ohnehin nur an ihr herummotzen würde. Lisa: "Vielleicht waren die noch nie
richtig verliebt. (...) Ach... ich war auch einmal sehr verliebt. In Johannes. Aber er
wollte mich nicht." Valle ist inzwischen zur ihr ins Zimmer gekommen. Die beiden setzen
sich auf das Sofa, Valerie packt das Buch aus und freut sich darüber, ehe sie fragt, was
Lisa dann gemacht hätte. "Erst wollte ich mich rächen... weil er mir so weh getan hat...
aber... dann konnte ich doch nicht." Sie sei damals nicht richtig damit umgegangen. "Ich
könnte mir immer noch vorstellen, dass er mich will. Nur sehen dürfte er mich nicht,
glaub' ich." Valle: "Also wenn ich mir vorstelle, dass Zorro mich nicht mehr haben
wollte, ich wüsste gar nicht, wie ich damit umgehen würde." Lisa wischt die anklingenden
Zweifel ihrer Freundin weg und meint zuversichtlich, Zorro würde sie doch wollen, sie
müsse ihn bloss noch finden - sie hätte aber sogar eine Idee, wie das anzustellen sei.

17. Szene: Fausto serviert seine kleinen Meisterwerke und fordert Isolde auf, zu
schmecken und zu staunen. "In einer Woche wird hier jeder Platz besetzt sein und 40 Gäste
werden verwöhnt werden... von Fausto Rossini." Das Servieren jedoch bliebe besser dem
Fachpersonal überlassen, meint Isolde, und bedauert, dass es ihr nicht gelungen sei,
Franceso wiederzugewinnen. Diese Äusserung führt zu einem raschen Stimmungsumschwung bei
Fausto: "Francesco? Was wollen Sie mit Francesco, dieser Null?" Isolde möchte wissen, was
Fausto denn auf einmal gegen ihn habe. Fausto: "Iiiiich? Nichts habe ich gegen
Francesco..... aber ich verachte ihn! In jeder sizilianischen Hafenpinte finden Sie zehn
begabtere Kellner als Francesco!" Sanft aber bestimmt erklärt Isolde, dass dies zu
beurteilen nur ihr zustünde. Fausto kuscht erstaunlicherweise sogleich, was Isolde
erfreut bemerken lässt, dass er dazugelernt habe. 

18. Szene: Lisa liest Valerie dubiose Stellenanzeigen aus der Zeitung vor, doch ihre
Freundin zeigt sich zunächst eher skeptisch. Gabi kommt nach Hause, mit Zorros Postkarte
in der Hand, und hört Lisas Stimme aus Valeries Zimmer. Dort konnte Lisa Valeries
Interesse inzwischen mit der Bemerkung wecken, dass sie mit ausreichend Geld überall hin
könne, egal wo sich Zorro aufhält. Valle: "Also... wenn noch was übrig bleibt... dann
können wir uns ja 'n Haus kaufen. Mit Meerblick, eine grosse Villa. Und wir werden Kinder
haben, ganz viele. (auf das Kissen, das umklammert hält, deutend:) 'n Junge wird's." Und
Lisa steigt darauf ein, auf das Kissen deutend, das sie selbst in Händen hält: "Und dass
'n Mädchen... gutschi-gutschi". Da platzt Gabi ins Zimmer und fragt, ob Valerie einen
Augenblick Zeit hätte, sie wolle ihr gerne etwas zeigen. Valerie meint, es sei ihm Moment
ganz schlecht, da sie Besuch habe und schiebt Gabi wieder zur Türe hinaus. Gleichzeitig
kommt auch Andy nach Hause - woraufhin ihm seine Frau gleich die Karte in die Hand
drückt: "Schau mal was die Anna mir heute gebracht hat." Andy liest - und zeigt sich ob
des "starken Tobaks" durchaus beeindruckt.

19. Szene: Hartung und sein Gefolge fahren in einem alten Jetta in der Lindenstrasse vor.
Eine Fehlzündung und die dadurch entstehende Rauchentwicklung veranlassen die soeben aus
dem Supermarkt kommende Else zu wütendem Protestgeschrei. Die vier Männer steigen aus dem
KFZ. Hartung erinnert seine Truppe daran, Haltung zu bewahren. "Ohne Moos keine Partei.
Haben wir uns verstanden?" Die Partei in spe bejaht und tritt ab, Hartung steigt wieder
ein und fährt davon. Else kommt ihres Weges: "Die Dreckschleider, die dreckige, verpestet
die ganze Strass'! Sie, Herr Wittich! Mit was für an G'sindel treiben's ihna denn jetzt
do umeinanda, hä?" Sie beginnt an seinem ausgestreckten rechten Arm zu ruckeln, mit dem
er Hartung nachwinkt. Es sei weder Gesindel noch eine Dreckschleuder, meint Onkel Franz,
es handle sich nämlich vielmehr um ein Zeichen der neuen Zeit. Else: "Ha! Wenn des die
neue Zeit is, dann is mir des rot-grüne Chaos noch vui liaber." Franz meint, noch immer
mit dem rechten Arm in der Luft herumfuchtelnd, dass sich Else noch darüber wundern
werde, was sie alles zu bewegen in der Lage seien. Else: "Haha, ihr bewegts gar nix, es
is ja a Wunder, dass der oide Karrn sich noch bewegt." Die Veteranen beschliessen, sich
"von diesem alten Waschweib" [Frage: kennt Ottokar Elses Vergangenheit - oder war das nur
ein Schuss ins Braune?] nicht die Siegerlaune verderben zu lassen und gehen in Richtung
Akropolis. Hilmar muss Else aber insofern rechtgeben, als das Parteimobil nicht wirklich
repräsentativ sei. Ottokar: "Wer hätte aber auch gedacht, dass derartige finanzielle
Mittel nötig sind, um eine Partei zu gründen?" Hilmar meint, sie müssten eben
Parteispenden sammeln und wäre offenbar sogar bereit, sich dafür mit Sammelbüchse auf die
Strasse zu stellen: "Wieso nicht, ist doch keine Schande. Als kleiner Steppke habe ich
auch eifrig gesammelt, für's Winterhilfswerk." Heute würde man aber nur noch für
"irgendwelche Negerstämme" sammeln, erklärt Franz, oder (auf die Akropolis-Tür deutend)
"für solche hier". Dies bringt Ottokar aber auf eine andere Idee: eine Feier wäre doch
was - auch Hilmar ist davon angetan: "Ja! Gleich hier, im Akropolis!"

20. Szene: Im Casarotti haben Isolde und Fausto inzwischen ihr Mahl beendet. Fausto:
"Lassen Sie uns feiern, Isolde! Lassen Sie uns diesen Tag feiern, an dem wir wieder
zueinandergefunden haben!" Sie tanzen durch das weichgezeichnete, kerzenbeleuchtete
Lokal. Fausto: "Gestern noch in Ketten... heute mit eigenem Buch... und einer wunder-,
wunderschönen Frau in meinen Armen. Gestern noch im Gefängnis.... und heute... in meinem
eigenen Restaurant. La Dolce Vita!" Dies lässt Isolde aufhorchen: "In ihrem Restaurant?
In meinem, immer noch!" Sie wirft ihre Sektflöte über die Schulter, er tut es ihr gleich.
Isolde: "...aber die schöne Frau, die lass' ich mir natürlich gern gefallen." Fausto:
"Ach, Isolde... wenn Fellini heute 'La Dolce Vita' drehen würde... dann würden Sie die
Venus im Brunnen spielen, und nicht die Ekberg." Sie fragt, ob er dann an Marcello
Mastroianis Stelle treten würde. Fausto: "Wer weiss... vielleicht auch viel mehr."

21. Szene: Zorros Karte hat ihren Weg inzwischen zu Iffi gefunden. "Das könnt ihr nicht
bringen. Die flippt völlig aus, wer weiss was die anstellt, in ihrem Irrsinn." Gabi
meint, es sei aber nötig, sei aus ihrer Phantasiewelt zu holen, schliesslich käme man
kaum noch an Valerie ran. Iffi: "Kaum noch? Weisste, was die mir heute erzählt hat? Die
hat 'ne völlige Meise. (...) Mein Gott, ist doch wahr. Mir ist auch der Kerl weggelaufen,
mach' ich deswegen so ein Gedöns?" Andy befindet, dass es auf jeden Fall nötig sei, sie
auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen, doch Iffi bezweifelt, dass die Karte dafür
das richtige Mittel sei: "Damit hier produzierst du 'n völligen Absturz und keine weiche
Landung. Die ist in einem Wahn, die ist besessen!" Natürlich betritt in diesem Augenblick
Valerie die Küche - Iffi kann die Karte gerade noch in ihrer Jacke verschwinden lassen
und Gabi fällt es noch rechtzeitig ein, Valerie zu fragen, ob sie mit ihnen essen wolle
[oder vielleicht lieber was mitnehmen? Har Har...] Valerie scheint das seltsame Verhalten
ihrer Familie nicht weiter aufzufallen - jedenfalls erklärt sie, ihnen nur mitteilen zu
wollen, dass sie sich wieder einen Job zu suchen gedenke und ob es im Café Bayer
vielleicht Arbeit für sie gebe? Gabi meint rasch, dass man eine tüchtige Aushilfe
schliesslich immer brauchen könne und Andy will seine Tochter erfreut in dem Arm nehmen,
doch die verlässt die Küche sofort wieder.

22. Szene: Im Akropolis wird inzwischen bereits das Fest geplant - ein würdiger Abend
müsse es werden, an dem die "gesamte Grösse und Weite der deutschen Seele" zum Tragen
kommt. Onkel Franz macht sich erbötig, selbst ein paar Passagen aus den Nibelungen zu
rezitieren - "grosse Volksdichtung". Doch noch ist die Frage des Veranstaltungsortes
nicht geklärt. Franz begibt sich zu Vasily an die Theke. Vasily: "Was darf's denn sein,
Herr Wittich? Noch etwas zu trinken?" Onkel Franz: "Ja, das sowieso. Aber... wenn wir
hier ein Fest machen würden, ein deutsches Volksfest, so wie Sie es für bei diesen
Bonitos gemacht haben, könnten wir dann vielleicht Ihr Lokal mieten? Oder würden Sie uns
den Saal umsonst zur Verfügung stellen? Sie würden dabei ein grosses Geschäft machen."
Vasily: "Herr Wittich, ich habe hier ein Fest gemacht für die Ogonis, das Volk meiner
Frau, das verfolgt und unterdrückt wird in Nigeria. Wenn Sie hier feiern wollen mit ihren
Freunden, ich kann mir lebhaft vorstellen, wie das aussieht." Mit spitzbübischer Freude:
"Mit Blasmusik?" - die Rechtsabteilung, erfreut: "Auf jeden Fall!";  Vasily: "Und
Fahnen?" - die Rechtsabteilung, stolz: "Genau!"; Vasily: "Und Uniformen?" - die
Rechtsabteilung, strahlend: "Ja!". Hilmar: "Wir verstehen uns!" Vasily, über's ganze
Gesicht grinsend: "Sehen Sie, und weil wir uns so gut verstehen, sage ich Ihnen: nein!"
Dem Volkssturm gefriert das Lächeln im Gesicht.

23. Szene: Ein Taxi fährt nachts in der Lindenstrasse vor. Fausto und Isolde steigen aus.
Fausto bedankt sich mit Handkuss dafür, dass Isolde ihm eine Tür in eine neue Zukunft
geöffnet hat. Sie meint, er wisse, wie er ihr am besten danke könne und will ins Haus
gehen. Er verspricht, sie nicht wieder zu enttäuschen. 

24. Szene: Im Hausflur wird Isolde bereits von Francesco erwartet der erklärt, die
unbedingt sprechen zu müssen.

25. Szene: Vor dem Haus kommt gerade Zeki des Weges, Fausto eilt auf ihn zu.

26. Szene: Isolde meint, sie würde nicht verstehen, wie Francesco denn überhaupt dazu
käme. Francesco: "Ich kann es dir jetzt nicht sagen, Isolde. Er würde mich töten, ganz
bestimmt!"

27. Szene: Fausto hat Zeki seinen gesamten Rosenvorrat abgekauft und teilt dem noch
wartenden Taxichauffeur mit, dass er gleich zurück sein werde.

28. Szene: Francesco: "Er ist ein Krimineller, ach, was sag' ich, ein Teufel! Er wird
dich ins Verderben reissen!" Isolde verlangt Beweise anstelle von Schauermärchen und will
in ihre Wohnung. Francesco meint, er könne Isolde nur warnen - er wisse Dinge über
Fausto, die dieser nicht einmal seiner Mamma anvertrauen würde. Fausto will das
Treppenhaus betreten, macht jedoch einen Schritt zurück, als er Francesco sieht und hört.
Francesco: "Ich kann dir jetzt nicht mehr sagen, auch mein Leben ist in Gefahr. Ich flehe
dich an, wende dich ab von diese Teufel, er wird dich zerstören!" Zoom auf das
nachdenkliche Gesicht Faustos zwischen innerer und äusserer Haustür, Schlussmusik,
Abspann.

[Elena war in der Akropolis-Szene kurz zu sehen, kommt im Abspann jedoch nicht vor.]


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