Folge 711: "Heimat, süße Heimat"
(18.07.1999)
1. Szene: Stürmisches Klingeln holt Andy frühmorgens möglicherweise aus dem Schlaf,
zumindest aber aus dem Schlafzimmer, von wo aus er in einen Bademantel schlüpfend zur
Türe eilt. Erbost droht er an, dem Störenfried etwas zu erzählen, vergisst dieses
Vorhaben jedoch schlagartig als er sieht, dass ausgerechnet Heiko Einlass begehrt. Die
Frage seines Schwiegervaters in spe beantwortet dieser mit der Gegenfrage, wo Iffi sei.
Andy meint verdutzt, das müsse er doch wissen, schliesslich sollte sie bei ihm sein.
Heiko erwidert, dass dem eben nicht so wäre.
2. Szene: Erich (im blau-gelb gestreiften Pyjama) lässt Helga (im traditionellen rosa
Listra-Einheits-Frottee-Morgenmantel für reifere Damen) im Schlafzimmer einige Runden im
Kreis spazieren um ihr lädiertes Bein in Schwung zu bringen. Helga ist davon nicht
übermässig angetan und verschafft sich selbst Abhilfe, indem sie sich auf das Bett fallen
lässt und Erich nachzieht. Als er meint, dass sie das nun von seiner "sagen-wir-mal
Galanterie" hätten, entgegnet sein Pummelchen während sie ihm die Pyjamajacke aufknöpft,
dass er doch nichts dafür könne - vielmehr träfe die Schuld "diesen Hülsch", der es
vorzieht, an allen Ecken und Enden zu sparen und immer nur Miete zu kassieren, anstatt
dass Haus ordentlich in Schuss bringen zu lassen [naja... was DANN passiert, wissen wir
ja jetzt]. Erich pflichtet ihr bei, dass die "Lindenstrasse Nr. 3 mehr als baufällig"
sei, begeht jedoch den Fehler, im selben Atemzug zu erwähnen, dass dies ganz im Gegensatz
zum Claron Bridge stünde, in dem man einmalig wohnen kann - denn nun heisst es "Erich,
jetzt fang nicht wieder damit an" und mit der innigen Küsserei ist es vorbei, ehe sich
daraus ein weiterer Belastungstest für das baufällige Haus entwickeln kann.
3. Szene: Heiko hat am Zenker'schen Küchentisch Platz genommen, Andy serviert Kaffee und
setzt sich zu ihm. Heiko berichtet vom Urlaub mit Iffi: "Bei uns im Seebad kriegen wir
die Berge ja nicht so oft zu sehen... wandern gehen, die Ruhe... abends haben wir einfach
nur dagesessen, uns in den Armen gehalten und das Alpenglühen angeschaut... sogar ein
Edelweiss wollte ich ihr holen, von ganz weit oben... klingt verdammt kitschig, was?"
Andy kommt nicht umhin zu bejahen und möchte anschliessend wissen, was die Idylle dann
gekillt hätte. Heiko: "Iffi. Sie hat alles kaputtgemacht mit ihrer Ansage, dass sie
wieder hierher zurück will. Aus Rostock abhauen und mich sitzen lassen."
4. Szene: Helga hebt im Wohnzimmer Lea von ihren Schultern woraufhin die Kleine prompt
davonwetzt. Oma Beimer humpelt hinterher und stösst in der Küche mit Erich zusammen. Als
Helga darauf wieder über die Schmerzen im Bein klagt, fühlt sich der frühstückende Onkel
Franz bemüssigt, kundzutun, dass sie eben besser auf ihn gehört hätte und zu einem
deutschen Arzt gegangen wäre - "und nicht zu diesem Daddeldoktor!" Erich bezweifelt, dass
ein deutscher Mediziner den Heilungsprozess wesentlich verkürzen könnte. Onkel Franz
bestreitet dies nicht einmal, ortet aber natürlich dennoch in ausländischem Einfluss die
Wurzel allen Übels, schliesslich wäre es erst gar nicht soweit gekommen, hätten diese
"gewissenlosen Fremdarbeiter" den Aufzug ordentlich abgesichert: "Diese undeutschen
Umtriebe, die brechen uns noch das Genick." Erich meint lakonisch, dass Onkel Franz den
Lift ja gar nicht zu benutzen brauche, doch dem erscheint diese Idee ganz und gar nicht
abwegig: "Worauf du wetten kannst, lieber Goethe. Die Teufelsmaschine werd' ich mein
Lebtag nicht mehr betreten. Nein, diesen ausländischen Fallenstellern geh' ich nicht auf
den Leim." Ganz im Gegenteil hätte er bereits Pläne geschmiedet, dem "fremdländischen
Unwesen" ein Ende zu bereiten - "und zwar ein für alle mal!" Diese Ansage veranlasst
Erich dazu, den Blick doch von seiner Zeitung abzuwenden, energisch fragt er nach, was
das bedeuten solle. Stolz erläutert Franz, "alte Kontakte ob der Tauber" gespielt haben
zu lassen und dabei auf Kameraden gestossen zu sein, die "die selben edlen Ziele"
verfolgen wie er selbst. "Du wirst dich noch wundern, lieber Goethe, zu welchen Taten
unsere Generation noch in der Lage ist." In der Tat bleibt Erich bereits jetzt der Mund
offen stehen.
5. Szene: Inzwischen haben sich auch Gabi und Valerie zu Andy und Heiko gesellt. Gabi
will wissen, ob heiko sich denn gar nicht vorstellen könne, mit Iffi nach München zu
gehen. Heiko stellt die Gegenfrage, ob er denn etwa alles aufgeben solle, was er sich in
Rostock aufgebaut hat: "meine Freunde, meinen Beruf..." Zumindest letzteres lässt Andy
schon mal nicht gelten, einen Job würde Heiko sicher auch in München finden, schliesslich
hätte er ja eine Ausbildung absolviert. Heiko: "Ja, aber nur weil wir damals mussten.
Betriebliche Ausbildung war Pflicht, also hab' ich halt Elektriker gelernt." Er wäre
jetzt aber Beleuchter am Theater und hätte daher keine Lust, wieder irgendwelche Kabel zu
verlegen - und "ohne jede Connection" wäre es wohl äusserst schwierig, in München an
einen Beleuchterjob zu kommen. "Ich gehör' nach Rostock!" Gabi fragt, was Iffi denn dazu
sagen würde. Heiko meint, sie sei stocksauer, hätte Nico ins Auto gepackt und sei
abgerauscht. "Meint zu mir, wenn ich nicht nach München kommen würde und sie lieber
alleine lassen würde, dann könnte sie ja gleich abhauen. Erst dachte ich, sie blufft,
aber..." - Andy, ganz der stolze Papa: "Ha, da kennst du unsere Iphigenie aber schlecht."
Dies reisst auch Valle aus ihrer Lethargie: dies sei wieder typisch für Iffi, sie selbst
an ihrer Stelle würde sich ganz anders verhalten: "Ich denk' immer, wenn man sich
wirklich liebt, dann muss man doch zu einander stehen." Gabi dagegen vertritt die
Ansicht, dass man dennoch nicht immer gleicher Meinung sein könne - auch wenn man sich
liebt. Heiko ist indes satt - er steht auf, verkündet, es nicht auszuhalten nur untätig
herumzusitzen und geht. Gabi läuft ihm zwar nach, doch die Wohnungstür ist bereits hinter
Heiko ins Schloss gefallen.
6. Szene: Vasily zählt Bares als Mary fröhlich summend zur Türe hereinkommt. Er fragt, ob
sie das Geld hätte, woraufhin sie mit einem Bündel Hunderter herumwedelt - "2000,- Mark
von Fräulein Erlacher." Vasily rechnet kurz zusammen und erklärt dann, dass Mary damit
insgesamt 9635,- DM gesammelt hat. Sie sagt, sie könne kaum glauben, dass tatsächlich so
viel zusammengekommen sei. Er antwortet streng, dass sie es ruhig glauben dürfe,
schliesslich hätte sie das Fest mit soviel Liebe und Mühe organisiert. Marys Freude wird
jedoch durch die Gedanken an den "Mensch von der Militär" getrübt. Vasily meint, sie
brauche doch keine Angst zu haben: "Was kann er uns anhaben? Hier ist das Geld, das du
für die Ogoni gesammelt hast... fast zehntausend Mark... nein." Er steht auf, holt sein
Portemonnaie, blättert 365,- DM auf den Tisch. "Genau zehntausend Mark. (...) Und das
kann dir keiner mehr wegnehmen."
7. Szene: Heiko tigert an Harry vorbei, der es sich auf dem Treppenabsatz vor dem Haus
Lindenstrasse Nr. 3 bequem gemacht hat. Käthe kommt aus dem Haus, begrüsst Heiko und geht
weiter zu seinem Auto. Heiko erwidert Käthes Gruss mürrisch und setzt sich auf der
anderen Seite neben die Tür, woraufhin Harry ihm eine Schluck aus seiner Pulle anbietet:
"Das hilft auch gegen die Nerven!" Heiko lehnt dankend ab. Als im nächsten Moment ein
blauer Kombi in die Lindenstrasse einbiegt, springt er plötzlich auf und läuft auf den
Wagen zu: "Sag' mal Iffi, Mensch, wo hast du denn gesteckt?" Ein junger Mann steigt aus
und fragt erzürnt, ob er denn total wahnsinnig geworden sei, ihm einfach vor die
Stosstange zu laufen. Heiko winkt entschuldigend ab und zieht sich zurück, wobei er an
Käthes Wagen vorbeikommt: "Hey Heiko, ich weiss ja nicht, ob ihr in Rostock immer so
trampt, aber bei uns hier geht das anders. Daumen raus und hoffen, das jemand anhält!"
Heiko ist darüber mässig amüsiert woraufhin Käthe meint, dass er ihn zwar gerne mitnehmen
würde - "aber meine Klarabella hier hat im Moment überhaupt keine Lust anzuspringen". Es
sei schliesslich auch eine ziemlich alte Dame, die er da erstanden habe [ein roter
Citroën Acadiane übrigens, also eine Art 2CV-Kastenwagen] - ob Heiko nicht einmal danach
schauen könne, wo er doch "ein Elektrofrickler oder sowas" sei? Heiko lässt sich also
tatsächlich dazu hinreissen, einen Blick unter die Motorhaube zu werfen und das sich
bietende Bild scheint kein besonders schönes zu sein. (Heiko, entsetzt: "Ach du
Scheisse!" - Käthe, treuherzig: "Ja.")
8. Szene: Onkel Franz steht im Schuhladen, an den Füssen ein Paar schwarzweisse
Mafiosotreter und erkundigt sich, ob es sich dabei tatsächlich um "echte deutsche
Wertarbeit" handle. Pia scharwenzelt um Franz herum, erzählt ihm, was er gerne hören
möchte ("Sie sehen HERVORRAGEND aus, Herr Wittich, macht 'n GANZ schlanken Fuss,
ehrlich...") und lässt dabei recht tief blicken, so dass er ihr sowieso alles glauben
würde. Beinahe kopfüber in "Fräulein Pias" Dekolleté kippend erklärt Franz hechelnd, dass
er bei seinem nachmittäglichen Treffen in ihrer Begleitung eine noch bessere Figur machen
würde. Sie vertröstet ihn jedoch auf ein nächstes Mal.
9. Szene: Heiko hat es in der Zwischenzeit tatsächlich geschafft, "Klarabella" in Gang zu
setzen, was Käthe zu der freudigen Bemerkung veranlasst, dass er solche Leute wie Heiko
bewundere, da für ihn selbst "so ein Auto" nachwievor ein Mysterium sei, in das der
Druide Tankwart Zaubertrank schütte - "...und los geht's! Bloss nicht, wenn man das
magische Mobil aus Geldmangel bei einem Gebrauchtwagenhändler kaufen muss." Er bemerkt,
dass der Aushilfsmagier seinerseits gar nicht glücklich aus der Wäsche schaut und
erkundigt sich, was denn los sei, ob er ihn nicht aufmuntern oder sich irgendwie
erkenntlich zeigen könne. Heiko meint, dass dies im Augenblick eher nicht der Fall sei,
zumal Käthe doch sicher ohnehin weg müsse. Der aber entgegnet, dass er nur etwas für's
Bühnenbild holen wollte, was aber noch Zeit hätte, weswegen sie nun zu ihm hochgehen
würden um dort richtig zu brunchen - "so mit Croissants, Lachs und Milchkaffee... wetten,
das zaubert wieder ein Lächeln auf deine versteinerten Züge?"
10. Szene: Mary und Rob sitzen an einem der Tische im Akropolis. Sie hat ein Druckwerk
vor sich liegen, in dem sie auf die Abbildung einer Druckpresse deutet. Sie hätte an
diese gedacht, da sie ganz einfach zu bedienen und sehr stabil sei und der Besitzer sie
günstig abgeben würde. Vasily kommt am Tisch vorbei und hat natürlich alles mitgehört,
jedenfalls zeigt er auf ein anderes Bild und fragt, warum sie nicht so eine nähme, die
kaum teurer sei, dafür aber moderner und viel einfacher zu transportieren. Mary gibt zu
bedenken, dass sie aber auch wesentlich komplizierter sei - sollte sie im Benin
kaputtgehen könne sie dort niemand reparieren. Vasily will daraufhin wissen, wie sie "das
grosse Ding" nach Afrika zu schaffen gedenke und Rob stimmt ihm zu - das alles sei viel
zu umständlich, vernünftiger wäre es, einen Kurier mit dem Geld zu schicken [ist ja auch
eine sichere Sache, wie wir zuletzt erfahren haben...] - "Unsere Brüder sollen selber
entscheiden wie sie es verwenden." Mary dagegen kann sich mit dieser Option nicht
anfreunden: "Wir haben dieses Geld mit einem Fest verdient, mit Freude. Die Menschen
haben von ihre Herzen gegeben. Ich will nicht, dass von diesem Geld Waffen gekauft werden
und andere Leute getötet werden." Rob gibt zu bedenken, dass Mary in Deutschland lebt, wo
es ihr gut gehe, während sich die Menschen in Nigeria gegen mächtige Ölkonzerne wehren
müssen - "sonst die zerstören weiter unser Land und unsere Kinder. Und vielleicht braucht
John dazu auch mal eine Waffe, du kannst das nicht entscheiden."
11. Szene: Während Käthe den Brunch brutzelt, erzählt Heiko von den Gründen für seine
blendende Laune. Hätte Iffi ihren Job in Rostock nicht verloren, wäre es wahrscheinlich
gar nicht passiert, dass sie einfach abdampft und ihn sitzenlässt, meint er. Er stellt
die Frage in den Raum, ob sie nicht vielleicht doch in der falschen Branche wären: "Immer
abhängig sein von Subventionen? Du weisst ja, was das da im Osten für ein
Streichorchester ist." Die Kunst käme eben immer noch nach dem Brot meint Käthe frei nach
Lessing, aber im Westen sei das auch nicht anders und Käthe selbst wäre ein gutes
Beispiel dafür. "Ich stand vor dem nichts, quasi (...) ich hab' alles versucht:
Sponsoren, Spendengelder, Stuhlpatenschaften..." Heiko bezweifelt, dass
Stuhlpatenschaften unter den Arbeitslosen in Rostock ein besonderer Renner wären - dies
muss auch Käthe zugeben, aber bei ihm hätte es geklappt, mit Spielzeitbeginn könne er
wieder loslegen. "Mensch, Heiko, komm' doch nach München. Gut, ich hab' schon einen
Techniker, aber bei deinen Fähigkeiten findest du doch bestimmt was." Heiko stellt klar,
dass eine Zukunft als Automechaniker in München bestimmt nicht das sei, was er sich
vorstellt. Seit er seinem Vater als Kind bei dessen Puppenbühne geholfen hat wäre es
immer sein Traum gewesen, zum Theater zu gehen. "Die Atmosphäre, die Menschen, die
Bühne... dass da gelebt wird, Kunst geschaffen..." Beleuchter sei er geworden, da es zu
DDR-Zeiten mit der Schauspielausbildung nicht geklappt hätte [Frage hierzu: wie alt ist
Heiko eigentlich?] - und nach der Wende habe er dann so lange gebohrt, bis er was
bekommen hat. "Ich hab' mir meinen Platz erkämpft! Soll ich das jetzt aufgeben, alles,
wegen 'ner Frau?" Käthe meint, er täte das bestimmt... zwar vielleicht nicht unbedingt
für eine Frau, aber wenn der richtige Mann käme - schliesslich sei hätte es ihn auch
schon der Liebe wegen nach München verschlagen - "und home is where heart is, oder?"
12. Szene: Onkel Franz macht sich gerade schrecklich falsch pfeifend stadtfein, als es an
der Tür läutet. Als er öffnet, begrüsst ihn Hilmar Eggers "Grüss Gott!" ein weiterer
Kamerad [weder Fritjof noch August] mit einem weitaus weniger zackigen "'Tag." Hilmar
will wissen, ob Franz bereit zum Abmarsch sei, ihr nationaler Freundeskreis würde sich
schliesslich in einer Stunde treffen. Franz meldet sich "allzeit bereit" und tut kund,
bereits seit einer halben Stunde zu warten: in seiner Ausgehuniform, schliesslich wolle
er beim ersten Treffen einen guten Eindruck machen - er nimmt Hilmar die Kornflasche aus
der Hand, die der bereits im Beimer'schen Wohnzimmer aufgelesen zu haben scheint, und
fragt nach, wie denn das Motto des Treffens lauten würde. Stolz wie Adolf verkündet
Hilmar es sei das "Treffen nationaler Patrioten" womit er jedoch den dritten
Gesinnungsgenossen irritiert, der davon ausging, dass es sich um die „patrotische Nation"
handle. [jaaaa, die Anspielung auf das "Leben des Brian" haben alle verstanden...] Franz
lässt sich davon nicht beirren und meint, beides würde sich sehr gut anhören und sie
wären dort bestimmt gut aufgehoben. Damit schiebt er seine Kameraden aus der Wohnung - um
draussen ungläubig mit ansehen zu müssen, wie sie den Lift entern. Franzens Bedenken
bezüglich der "Teufelsmaschine" werden jedoch mit der Bemerkung weggewischt, dass sie das
"Wunderwerk der Technik" bereits beim Hochfahren mit Erfolg getestet hätten und die
"deutsche Wertarbeit" dabei anstandlos funktioniert habe. Franz will dem nicht so recht
trauen, doch seine Kameraden dulden keinen Widerspruch, nehmen ihn in die Mitte und
geleiten ihn so in den Lift, er würde schliesslich nicht kneifen wollen. Na, dass will
der wackere Onkel Franz selbstredend wirklich nicht, wie er gleich beteuert und so fügt
er sich also in sein Schicksal.
13. Szene: Mit fröhlichem "hallihallo!", grossem Rucksack und Nico an der Hand betritt
Iffi die Zenker'sche Wohnung, in der sie jedoch nur ihre Schwester antrifft, die
futterend und fernsehend auf dem Sofa in der Küche sitzt. Nach dem Verbleib vom "Rest der
Familiengang" befragt, erklärt Valle: "Na arbeiten, natürlich." [Natürlich. Das sind
schliesslich erwachsene Menschen. Die gehen tagsüber eben arbeiten. Valerie dagegen ist
zwar auch schon fast 24, scheint aber eine Karriere als Couch Potato ins Auge zu fassen,
wenn's schon zur Weltreisenden nicht reicht.] Iffi: "Und wo ist mein Schatz? Angekommen
ist er ja, anscheinend." Valle meint spöttisch, dass sie wohl kaum erwarten könne, von
Heiko mit grossem Bahnhof empfangen zu werden, nachdem sie ihn in Rostock sitzen gelassen
hatte. Iffi: "Hat er schon alles brühwarm erzählt, ja?" Valle, mit Genugtuung:
"Natürlich. Bis ins letzte Detail. Dann ist er in den Zug gestiegen und hierher gefahren.
Wo warst du eigentlich die ganze Zeit?" Iffi antwortet, dass dies Valle im Prinzip nichts
angehen würde, sie aber im Stau gesteckt hätten. Dann will sie wissen, wo "der Typ" sei.
Valle: "Keine Ahnung. Vielleicht im Café Bayer. Oder bei Käthe." - Iffi: "Anstatt hier
auf uns zu warten, dem werden wir was erzählen, was Nico?", Nico stimmt seiner Mutter zu.
14. Szene: Die patriotische Nation nationaler Patrioten steht im Aufzug, den Rücken zur
Kamera gewandt, den Blick nach oben gerichtet. Die Fahrt des Lifts wird mit bewunderndem
"Aaaaaaah!" begleitet und Farnz ist von der geschmeidigen Fahrt so begeistert, dass er
gleich noch einmal nach oben fahren möchte. Er erkundigt sich nach der Bedeutung einer
Anzeige worauf Hilmar meint, dass es sich dabei wohl ume eine Art elektronische Waage
handle, die angibt, ob der Lift überlastet sei. Mit Seitenhieb auf den korpulenten
dritten im Bunde: "Aber unsere durchtrainierten, drahtigen Körper nimmt er ja praktisch
kaum wahr." Franz regt an, sich doch schwer zu machen, und als der Kamerad, der ohnehin
schon schwer genug sein dürfte wissen möchte, wie Franz das anzustellen gedenke, zeigt er
es vor, indem er mit verbissenem Gesichtsausdruck zweimal in die Knie geht. Hilmar meint,
dass man sich so doch nicht schwer machen könne - nein, sie müssten alle gleichzeitig
hochhüpfen: "Und wenn wir wieder aufkommen, dann sind wir schwer (...) wegen der
Schwerkraft eben!". Franz "Ja, aber wenn wir beim runterfahren hochspringen, kommen wir
dann nicht mit dem Kopf an die Decke?" - die Kameraden, unisono: "Was?!? Unsinn!" Sie
seien schliesslich genauso schnell wie der Aufzug, erklärt Hilmar. Franz: "Ja, aber dann
schweben wir doch!" - die Kameraden, unisono: "Was?!? Schweben?!" Ehe Franz weitere
absurde Ideen spinnen kann, schiebt Hilmar die theoretischen Grundlagen beiseite und die
Herren beginnen mit der praktischen Umsetzung, indem sie unbeholfen, aber immerhin
halbwegs synchron auf und ab zu hoppeln beginnen. Als sie zum fünften Mal gehüpft sind,
flackert das Licht kurz bläulich, das Display verabschiedet sich mit einem Blitz, dann
ist das Licht (bis auf die rote Notlampe) aus und Lift steht. Solcherarts eingekesselt
fühlen sich die rechten Recken in ihrem Wunderwerk der Technik anscheinend gar nicht mehr
wohl...
15. Szene: Heiko und Käthe sind inzwischen zum Abwasch übergegangen. Heiko bedauert,
Käthe so vollgejammert zu haben, er käme sich vor "wie die letzte Heulsuse". Käthe meint,
es sei schon okay, Heiko solle sich aber gesagt sein lassen (mit schlagerenglischem
Akzent) "Liebeskummer lohnt sich nicht, my darling" - Iffi käme schon wieder, und dann
müssten sie sich eben irgendwie zusammenraufen. Carsten und er sähen sich wegen dessen
Schichtdienst in der Klinik momentan auch kaum - die Momente, in denen man dann aber
zusammen sei, müsse man eben entsprechend nützen. In diesem Augenblick läutet es an der
Türe, worauf Käthe einen Blick auf die Uhr wirft und heftig mit dem Zaunpfahl winkend
erklärt, eigentlich niemanden zu erwarten. Zögernd geht Heiko hinaus und ebenso zögernd
stehen sich Iffi und er gegenüber, nachdem er die Türe geöffnet hat, bis Heiko sich
umdreht und Käthe ihm aufmunternd zuzwinkert. Iffi und Heiko fallen einander um den Hals
und Käthe seufzt...
16. Szene: Ein älterer Herr mit Hut und kariertem Sakko betritt das Akropolis - Mary
begrüsst ihn und fragt, ob er sich setzen wolle oder sie ihm die Karte bringen dürfe [Was
ist das für eine Auswahl? Ich will mich zuerst setzen und dann die Karte...]. Als er den
Hut abnimmt und meint, deswegen gar nicht "kemma" zu sein, bittet sie ihn an die Theke.
Er folgt ihr und erkundigt sich ausgesprochen freundlich nach einer Sammlung, die in
diesem Lokal veranstaltet worden sein soll. Mary erteilt bereitwilligst Auskunft, dass es
sich dabei um eine Sammlung für Ogonis handln würde und bereits 10.000,- DM gesammelt
worden seinen, mit denen eine Druckerie und ein Radiosender unterstützt werden sollen.
Der Fremde bemerkt, dass sie offensichtlich sehr gut organisiert seien, was Mary noch als
Kompliment auffasst - die nachfolgender Frage nach der bestimmt vorhandenen
Sammelgenehmigung lässt ihr jedoch das Lächeln im Gesicht gefrieren. Der Mann zieht eine
ausweisartige Karte (ohne Lichtbild) aus der Tasche und stellt sich als "Krämer" von der
"Münchner Sammlungsbehörde" vor. Desweiteren teilt er ihr mit, dass er im Falle einer
ohne ordnungsgemässen Genehmigung durchgeführten Sammlung den gesamten eingenommenen
Betrag konfiszieren müsse.
17. Szene: In der Zenker'schen Küche [Valle dürfte sich mit ihrem Essen in ihr Zimmer
zurückgezogen haben...] sind Iffi und Heiko inzwischen zur Krisenbewältigung übergangen.
Heiko fragt, ob sie sich denn nicht vorstellen könne, dass er sich Sorgen gemacht hätte.
Iffi: "Ja, aber wenn du mir so 'ne Abfuhr reindrückst... ich hab' dich ganz normal
gefragt, ob..." Heiko ist allerdings der Ansicht, dass sie keineswegs ganz normal
gefragt, sondern ihn am letzten Tag vor vollendete Tatsachen gestellt und ihm mitgeteilt
habe, nicht mehr mit nach Hause zu kommen - selbst einen Kindergartenplatz für Nico hätte
sie schon gehabt, ohne dass er etwas davon gewusst habe. Iffi: "Hätte ich dich am ersten
Tag gefragt, hätten wir uns den ganzen Urlaub lang gestritten - auch toll!". Es sei
derart schwierig, einen Kindergartenplatz zu bekommen, dass für Iffi allein das schon
Grund genug wäre, nach Mpnchen zurückzugehen. Heiko: "Aber du kannst doch deshalb nicht
erwarten, dass ich innerhalb von... zwei Tagen mein ganzes Leben umkremple.". Das wolle
sie auch überhaupt nicht, "...aber was ist denn wichtiger? Das Theater... oder ich? Wir
bleiben doch zusammen... wenn du mitkommst..." Zusammenbleiben, aber nur nach Iffis
Spielregeln scheint Heikos Zukunftsvorstellungen in etwa so gerecht zu werden wie als
Automechaniker in München zu arbeiten...
18. Szene: Mary und Krämer mit dem kleinkarierten Jackett haben ihr Gespräch
währenddessen in die Küche verlegt, wo Vasily den Beamten fragt, wer ihm denn das Recht
gäbe, das Geld einzuziehen. Krämer: "Der Staat. Das Gesetz. Wenn Sie eine weisse Weste
hätten, Herr Sarikakis, dann könnten mir jetzt gemütlich a Bier miteinand trinken und
dann würd' ich nach Hause gehen." Aber er hätte nunmal die Auflagen missachtet und daher
würde jetzt konfisziert werden. Vasily erklärt vollmundig, noch nie gegen das Gesetz
verstossen zu haben [Herr Rowohlt hätte ihm wohl raten sollen, auch mal die Fernsehserie
mit der griechischen Kneipe zu schauen...], aber Krämer beeindruckt das herzlich wenig:
"Ich find' immer was, wenn ich will. Haben Sie die Veranstaltung überhaupt bei der GEMA
angemeldet? Und die Vergnügungssteuer, haben's die ordnungsgemäss abgeführt?" Empört
verkündet Vasily, seine Steuern immer zu bezahlen, weswegen Krämer nichts bekommen werde.
Der jedoch stellt nur in Aussicht, dass zu den zehntausend Mark gerne auch noch ein
saftiges Bussgeld hinzukommen könne, sollte Vasily Wert darauf legen.
19. Szene: Im Aufzug übt man sich einstweilen in gegenseitigen wie auch nach aussen
abzielenden Schuldzuweisungen (Onkel Franz: "Ich hab' euch ja gleich gesagt, dass wir
diesen polnischen Paternoster nicht benutzen dürfen!") und befürchtet, zu spät zum
patriotischen Treffen zu kommen, als einem der 3 ein deutlich hör- und für die Anwesenden
wohl auch riechbarer Furz entfleucht. Seine beiden Gesinnungsgenossen beschuldigen Franz
der Urheberschaft, wogegen er sich natürlich verwehrt. Ehe es endgültig zur
Kesselschlacht im Aufzugsschacht kommen kann ereignet sich im sogenannten Wunderwerk der
Technik allerdings tatsächlich ein sagen-wir-mal technisches Wunder, indem nämlich
plötzlich das Licht angeht und der Lift seinen Weg fortsetzt als ob nichts geschehen
wäre. Unten angekommen haben es die Kameraden ausgesprochen eilig, an die frische Luft zu
kommen und gehen dabei nicht gerade leise vor. Ahmet kommt gerade des Weges und fordert
Onkel Franz auf, ruhig Blut zu bewahren und an seinen Kreislauf zu denken, doch da gerät
der Doktor gerade an den rechten: "Sie sind schuld an dem Dilemma! Von euch Ausländern
ist dieser idiotische Paternoster eingebaut worden! 'Sabotage' nenn' ich das! Erst mein
Helgalein und jetzt ich, aber..." - weiter kommt er nicht, da seine Gesinnungsgenossen
zum endgültigen Aufbruch drängen. Amüsiert betritt Dagdelen den Fahrstuhl, verlässt ihn
aber blitzartig wieder mit verzerrtem Gesicht und sich mit der Hand Luft zufächelnd.
20. Szene: Krämer ist gerade dabei, die letzten 1000 Mark abzuzählen, das Ergebnis fällt
zu seiner Zufriedenheit aus. "Schauen's, Herr Sarikakis, ich hab' doch gewusst, dass sie
vernünftig sind. Es muss halt alles seine Ordnung haben, net wahr?" Herr Sarikakis will
daraufhin wissen, ob Krämers Vorstellung von Ordnung den darin bestünde, Geld zu stehlen,
das mitleidige Menschen für ein unterdrücktes Volk in Afrika gespendet hätten. Krämer
will das mit dem Stehlen überhört haben - sie seinen eine staatliche Behörde, die nun
einmal allen Hinweisen nachgehen müsse. Dieser letzte Halbsatz lässt Vasily aufhorchen,
er will wissen, von wem denn der Hinweis kam, doch die Antwort bleibt der Beamte
selbstverständlich unter Verweis auf den Informantenschutz schuldig.
21. Szene: Iffi meint, es könne wohl nicht Heikos ernst sein, jetzt nach Rostock
zurückzufahren - ob es denn nicht möglich wäre, jemand anderen zu suchen, damit die
Aufführung am nächsten Tag nicht im dunklen über die Bühne gehen müsse. Dies sei
überhaupt nicht der Punkt, entgegnet Heiko, aber er wolle zum Beispiel einmal klipp und
klar wissen, was seine Freundin will. Iffi: "Ich will hier in München bleiben, ich muss
hier in München bleiben! Ich hab' hier meinen Laden, meine Familie!" - Heiko: "Und meine
Familie? Mein Leben, meine Arbeit? Meine Heimat, das ist eben Rostock!" Aber ihre eben
nicht, erwidert Iffi, und das Theater hätte sie schliesslich ebenfalls hinausgeschmissen.
Heiko sagt, sie könne sich ja eine andere Arbeit suchen, aber sie wolle doch gar nicht
mehr bleiben. Sie bestätigt dies sogar, da sie von ihm und seinen Freunden ohnehin nie
wirklich akzeptiert worden sei - "Ihr habt doch immer nur zusammengegluckt da, ich war
doch die arrogante Wessi!" Von "zusammengegluckt" will heiko nichts hören, aber sie
hätten halt Erfahrungen gemacht, die Iffi nicht kennt - sie spielt den Ball zurück und
meint, dass dies auch so bleiben werde, wenn er auf ewig in Rostock bleibe - sie selbst
wäre immerhin wo anders hingegangen und hätte dort Erfahrungen gemacht. "Ihr wollt es ja
nicht anders, aber ich gehör' nicht dazu, in eure tolle, solidarische Ossi-Welt! Kein
Wunder, dass ich rausgeflogen bin!" Heiko hat seinen Koffer inzwischen fertiggepackt und
nimmt auf dem Bett Platz. Er meint, es wäre hier doch nicht anders, es gebe genau so ein
Geklüngel wie dort, und die guten Jobs würden ebenso unter der Hand laufen. Iffi setzt
sich zu ihm und sagt, nachdem sie es probiert hätte, wäre nun er an der Reihe. Sie wolle
mit Nico in München bleiben - "aber ich will, dass du auch herkommst. Weil ich dich
liebe, über alles. Ich sag' dir, wir können das sch.... DU kannst es schaffen! Aber wenn
du nicht willst..."
22. Szene: Onkel Franz und ein jüngerer Mann in Anzug und mit polierter Platte biegen
beim Astor in die Lindenstrasse ein. Beide scheinen dem Alkohol in gröberem Masse
zugesprochen zu haben - sie drehen eine Runde um die Litfassäule. Der Unbekannte stellt
fest, dass es sich um eine ziemlich miese Gegend handle, während er gedacht habe, dass
Wittich mehr Wert auf ein gepflegtes Umfeld lege - "...aber hier wimmelt's ja nur so von
Kanacken und menschlichem Unrat!" Genau dies hätte er immer zu seinem Helgalein gesagt,
antwortet Franz dem Mann, den er mit "Herr Hartung" anspricht, deshalb sei das nationale
Freundschaftstreffen für ihn auch so... doch davon hat Hartung an diesem Tag bereits
genug gehört. Er bedankt sich für die Einladung und lässt Onkel Franz Haltung annehmen
und abmarschieren, ehe er entdeckt, dass sich auf der anderen Strassenseite Penner Harry
mit einigen alten Zeitungen einem KFZ nähert - offensichtlich sein eigener Wagen, denn er
setzt zum Sprint an, nimmt die Zeitungen vom Dach des Wagens und drückt sie Harry unsanft
wieder in den Arm. Harry: "Hab dich nicht so... ich tu' deinem Baby schon nichts zuleide,
das läuft genauso auf Sprit wie ich." Nachdem Harry verscheucht ist, beginnt Hartungs
Handy zu klingeln - während er ins Auto steigt, berichtet er dem Anrufer vom
Kameradschaftstreffen der nationalen Patrioten: "Ich sage dir, eine Stunde altdeutsches
Gelaber... mit Wirrköpfen abgeben müssen... blödes Gelaber von Werten und deutschen
Tugenden... ja, es geht aber nicht anders - wo soll die Kohle sonst herkommen?"
23. Szene: Onkel Franz betritt das Treppenhaus und verschwendet gar keinen Blick in
Richtung Lift sondern beginnt sogleich, die Stiegen zu erklimmen. Else kommt mit
Putzutensilien bewehrt aus ihrer Wohnung und meint, er solle doch den Aufzug nehmen - die
Treppen würde er doch nicht mehr "derpacken", wo er kaum noch hatschen könne. Franz: "Ich
laufe wie ein Hirsch, Else, lass' dir das gesagt sein! Bis nach Moskau bin ich im Krieg
schon gelaufen... und wieder zurück." Else: "Des is doch scho a paar Jahr her, Herr
Wittich... jetzt gengans nimmer wie a Hirsch, sondern bloss noch wie a oida Ackergaul."
24. Szene: Obwohl sie eigentlich nur ein Thema beschäftigt, reden Vasily und Mary in
ihrer Wohnung beinahe aneinander vorbei. Er ist sich sicher, dass der Mann mit dem
Photoapparat den entscheidenden Hinweis geliefert hat, während sich ihr ganzer Unmut auf
den Deutschen konzentriert, der ihnen das Geld weggenommen hat. Vasily stellt fest, dass
Recht und Gerechtigkeit in diesem Land nicht immer das selbe seien. Er verspricht seiner
Frau, nicht aufzugeben - so wie auch die Ogoni nicht aufgeben.
25. Szene: Onkel Franz hat sich in die Beimer'sche Wohnung hochgekämpft und am
Küchentisch platzgenommen. Helga wundert sich, wie er sich bloss so enge Schuhe
aufschwatzen lassen konnte. Während er seine geschundenen Füsse badet, berichtet er
begeistert von dem Freundschaftstreffen, das ein wahrer Jungbrunnen gewesen sei.
"Gleichgesinnte um mich zu wissen... ach, das habe ich lange vermisst. Aber wir werden
uns organisieren, schon bald. Wir werden eine Partei gründen, zur Pflege nationaler
Ziele." Helga meint, das könne unmöglich sein Ernst sein, doch ihm ist natürlich
unbegreiflich, was daran falsch sein solle, sein Schärflein zur Pflege und Förderung des
Gemeinwohls beizutragen "...wenn alle nur von Euro und Multikulti faseln." Mit dem
Zeigefinger drohend untersagt ihm seine Nichte, dabei mitzumachen. Onkel Franz: "Aber wie
könntest du, Helgalein? Wir leben in einer Demokratie. Da kann jeder sagen was er will.
Und was für die linke Kampfpresse gilt und für die Anarchisten und Kommunisten - das gilt
für mich schon lange." - darauf Helga: "Das mag ja sein, dass in einer Demokratie jeder
sagen kann, was er will. Aber nicht in meiner Wohnung. Deine Naziparolen, die wirst du
dir in Zukunft hier in meinen 4 Wänden verkneifen, hast du das verstanden?"
26. Szene: Else putzt im Treppenhaus, während sich Iffi und Heiko durchselbiges in
Richtung Erdgeschoss bewegen. Iffi will wissen, warum Heiko unbedingt den starken Mann
markieren muss und ob er nicht merke, dass er alles kaputt macht. Else stellt fest, dass
Iffi schon wieder herumplärrt, die jungen Leute heutzutage aber ohnehin nur streiten
würden. Heiko teilt seiner Freundin mit, dass es anscheinend nichts mehr kaputtzumachen
gebe und sie sich daran gewöhnen müsse, dass nicht immer alles nach ihrer Pfeife tanzt.
Else: "Früher, wenn i so drüber nachdenk', hab i a oft gstritt'n mit mein Egon". Iffi und
Heiko kommen an Else vorbei, doch sie schenkt ihnen nicht mehr viel Aufmerksamkeit. "Da
hab i wenigstens jemand zum streiten g'habt, heit bin i alloa."
27. Szene: Iffi folgt Heiko zum Auto und redet dabei auf ihn ein. Er solle doch kapieren,
dass sie nur einmal etwas von ihm sehen wolle, dass er ihre zeigen solle, dass ihm auch
etwas an ihr liegt. Er jedoch befindet, dass ihr anscheinend nur dann etwas an ihm liegt,
wenn er schön klein begibt und kuscht - er sei jedoch nicht ihr Schosshündchen. Iffi
glaubt, dass er das falsch sieht, schliesslich sei sie ihm die ganze Zeit
hinterhergelaufen und nun sei er eben mal dran: "Beweis mir, dass du mich liebst." Heiko
hat inzwischen sein Gepäck im Kofferraum verstaut und nimmt am Fahrersitz Platz. Dabei
bemerkt er, dass diese "Machtspielchen" wohl kaum etwas mit Liebe zu tun hätten. Iffi:
"Was verlange ich denn grossartiges von dir? Du sollst doch keinen Drachen töten - du
sollst bei mir bleiben, wenn du mich liebst, bitte. Heiko, liebst du mich?" Er meint,
dass es darum gar nicht ginge, sondern um das Prinzip. Iffi: "Scheiss Prinzip, es geht
nur um dein Gefühl! Heiko, ich liebe dich! Liebst du mich? Scheiss, fahr' nicht, bitte
Baby, bleib da..." Doch Heiko ist bereits aus der Parklücke draussen und fährt los. Iffi
läuft im noch einige Meter nach, seinen Namen rufend, ehe sie schliesslich mitten auf der
Strasse stehenbleibt und die Hände kurz vors Gesicht schlägt. Dann, leise und unter
Tränen: "Ich bin schwanger." Zoom auf Iffi, Schlussmusik, Abspann.
[Neben den üblichen Verdächtigen enthält der Abspann auch Ottokar (Günter Kasch), der der
dritte Ewiggestrige sein muss; Hilmar (Helmut Ehmig), Hartung (Arved Birnbaum) sowie
Krämer von der Sammlungsbehörde, der jedoch nur als "Beamter" geführt wird (Michael Z.
Hoffmann). Bemerkenswert ist, dass Pia Lorenz als letzte genannt wird, also erst nach dem
"Eintagsfliegen". Ach ja, und Ahmet wird nachwievor der "Dr." verweigert.]
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