Folge 704: "Falsches Zeugnis"
(30.05.1999)
1. Szene: Paolo betritt die Lindenstrasse Nummer 3. Zwei Leuten, die ungeduldig das
Liftknöpfchen malträtieren, teilt er mit, dass sie wohl noch länger warten müssten, da
der Lift vermutlich mal wieder hinüber sei. So wie er seinen Weg treppauf macht, gerät er
in einen Pulk unruhig wartender Menschen, der an Zorros erstes Auftauchen in der Serie
erinnert: die lindenstrassentypische Art uns zu sagen, dass hier eine Wohnung neu
vergeben werden soll. Die Bewerber jedenfalls beschweren sich zunächst lautstark über
Paolos vermeintliches Vordrängeln, meinen dann aber, in ihm Hausverwalter Hülsch zu
erkennen, auf den sie bereits seit einer halben Stunde warten, woraufhin sie ihn mit
Fragen bestürmen. Paolo fällt aus allen Wolken, als er solcherarts erfahren muss, dass
seine bzw. Urzulas Wohnung neu vermietet werden soll.
2. Szene: Urzula gibt Carsten am Telephon einen Korb - auch wenn es in seinem Krankenhaus
"hunderttausend wunderhübsche Facharztkollegen" gäbe, käme sie nicht zur Party, das sie
die Nase von Männern gestrichen voll habe. Paolo betritt den Salon mit einem Strauss
Rosen und fragt, ob es denn stimmen würde, dass Urzula auszieht. Sie erklärt, nicht mit
ihm reden und sich schon gar nicht aufregen, sondern lieber in Ruhe arbeiten zu wollen
(von Kundschaft ist im Salon nichts zu sehen). Überdies hätte sich in der Wohnung ohnehin
nie etwas von Paolo befunden ("außer deiner Zahnburste, vielleicht."), Urzulas Sachen
wären bereits in Rosis Wohnung und der Rest käme in Möbellager. Urzula fordert Paolo auf,
in Zukunft weder Blumen noch seine Kinder zu schicken, und schiebt ihn mit diesen Worten
aus dem Salon.
3. Szene: Momo und Flip spülen gemeinsam ab, wobei Momo seinen Bruder fragt, ob er auch
glauben würde, dass Kurt Eva wieder herumkriege. Flip: "Sie ist in 'ner saubeschissenen
Lage. Und sie ist ja auch noch 'ne Frau, oder?". Momo sagt, er könne es einfach nicht
verstehen, dass seine Mutter jenen Mann wieder anfasst, der sie "über Monate beschissen,
beschissen und nochmals beschissen" hatte. Flip meint, er würde seinem Vater zwar auch
kein Wort mehr glauben, aber noch wäre schliesslich nichts passiert. Sein Bruder erklärt,
ihn würde nur interessieren, ob er denn Eva auch abschreiben müsse. Flip bittet ihn, auf
dem Teppich und vor allem auch mit Eva in Kontakt zu bleiben, selbst wenn sie
vorübergehend wieder bei Kurt sein wolle.
4. Szene: Hülsch flüchtet vor der nachdrängenden Masse in Urzulas Wohnung, wo er kurz
verschnauft und dann den ersten einlässt. Paolo schafft es diesmal tatsächlich, sich
vorzudrängen, woraufhin er mit seinem Blumenstrauss vor Hülsch steht. Hülsch meint, dass
er mit Blumen höchstens in die Flucht zu schlagen sei. Paolo beeilt sich zu erklären,
dass die Rosen natürlich nicht für ihn wären und will dann wissen, weshalb ihm Hülsch
denn nicht gesagt hätte, dass die Wohnung zu vermieten sei.
5. Szene: Tanja geht gerade singend der Morgentoilette nach, als Lou anrollt um sie zum
selbstgebrutzelten Krabbenfrühstück zu holen. Bei Tisch schenkt sie Ludwigs Begeisterung
über die Taucherei wenig Aufmerksamkeit sondern eröffnet ihm stattdessen, dass sie ganz
neue Kraft geschöpft hätte, aus der sich folgende Konsequenzen ergeben: 1. Tanja will mit
der neuen Kraft ein neues Leben anfangen. 2. Sie will dies in einer neuen Umgebung und 3.
mit neuen Freunden tun. 4. Sie will sich ausbilden lassen und eine Therapie anmachen. 5.
Sie muss Ludwig allerdings bitten, sie noch eine Weile finanziell zu unterstützen. 6.
Tanja will sich scheiden lassen.
6. Szene: Hülsch legt Paolo den Mitvertrag zum unterschreiben vor - bei ihm wisse er
zumindest, wo er hingehen müsse, falls er mit der Bezahlung der Miete einmal nicht
nachkäme. Paolo, feixend: "Aber nicht zu Urzula, sie würde ihnen die Augen auskratzen."
Hülsch: "...und sie ihnen zum polnischen Frühstück braten!" Paolo, ernst: "Moment, Herr
Hülsch. Nichts gegen Polen und nichts gegen Urzula." Hülsch gibt ihm einen Schlüssel -
dies wäre der einzige, den er habe. Sollte Paolo mehr Schlüssel brauchen, möge er zu Frau
Winicki gehen oder aber das Schloss auswechseln.
7. Szene: Eva erzaehlt Flip, der ganz und gar nicht darüber erbaut ist, nach dem Gespräch
mit Momo schon wieder über seinen Vater reden zu müssen, dass Kurt sehr aufmerksam wäre
und alles täte um Eva zu beweisen, dass er sie vermisst hätte. Sie fragt Flip, ob er ihm
wieder vertrauen würde - schliesslich könne man einen Menschen nicht auf alle Ewigkeit
verdammen. Flip lehnt dies strikt ab, woraufhin ihn seine Mutter darauf aufmerksam macht,
dass sie schliesslich 2 Kinder von Kurt hat, die sie - alles in allem - ganz anständig
grossgezogen hätte, wozu auch Kurt eine Menge beigetragen habe. Ihr Sohn ruft ihr jedoch
in Erinnerung, dass er vor allem auch eine Menge dazu beigetragen hat, dass es nie wieder
richtig schön werden könne. "Punkt, amen, aus und Ende!".
8. Szene: Kurt fährt mit dem Taxi auf Ades Landsitz vor. Er sagt dem Taxifahrer, es
wuerde nicht lange dauern. Die Haushälterin führt ihn in das Arbeitszimmer von Ade Sr. in
dem auf Anweisung des Sohnes seit dem Ableben des alten Herren nichts verändert wurde.
Die Haushälterin lässt Kurt alleine im Arbeitszimmer, um Ade Jr. von seiner Ankunft in
Kenntnis zu setzen. Kurt beginnt, den Raum zu inspizieren. Der Inschrift auf einem
Gemälde entnehmen wir, dass Johann Christian Ade 1923 geboren wurde.
9. Szene: Ludwig hat über Tanjas "Vorhaben", wie er es zu formulieren vorzieht,
nachgedacht und kann sie "durchaus positiv sehen." Er könne sich sogar vorstellen, dass
Punkt 6 - die Scheidung - "eines Tages Sinn macht." Wenig Sinn hätte es dagegen, viel
Geld für ein teures Appartement auszugeben, wenn sie im Gästezimmer "vorübergehend prima
wohnen" könne, um zunächst die Punkte 1 bis 5 in Ruhe auszuprobieren - "getrennt von
Tisch, Bett und Fernseher." Tanja fragt nach dem Geld und fügt hinzu, dass sie ohnehin
nur wenig brauchen würde und das auch nur ab und zu woraufhin der Doc meint, dass sie das
dann eben auch ab und zu regeln würden. Am meisten freue es ihn, dass sie sich
entschlossen hätte, eine Therapie zu machen. Er kenne da auch... doch Tanja lässt ihn
nicht ausreden und stellt klar, dass sie sich ihren Therapeuten selbst aussuchen und es
sich dabei um alle Fälle um eine Frau handeln werde.
10. Szene: Kurt ist nachwievor alleine in Ades Arbeitszimmer, inzwischen hat er ein
Kännchen Tee vor sich stehen. Er steht auf und sieht sich erneut im Zimmer um und geht
dann dazu über, den Schreibtisch zu durchsuchen. In einer Gegenschnittfolge sehen wir nun
einerseits die Haushälterin, die sich langsam dem Arbeitszimmer nähert und andererseits
Kurt, der ein Papier mit Ades Unterschrift an sich bringen kann und es schliesslich
gerade noch schafft zu seiner Teetasse zurückzukehren, bevor die Haushälterin eintritt
und ihm mitteilt, dass sich Ade nun doch entschieden habe, ihn nicht zu empfangen, da er
nicht die Kraft dazu habe.
11. Szene: Trotz Urzulas begeisterter Reaktion vorhin hat sich Paolo erneut in den Salon
gewagt, wo ihm "diese Ute" (die trotz Isoldes dringender Empfehlung offenbar - noch? -
nicht entlassen wurde) klarmacht, dass Urzula ihr gesagt hätte, sie solle die Blumen
gleich wegschmeissen, falls Paolo noch einmal mit welchen ankäme. Der hat allerdings
mittlerweile anderes im Sinn, will er doch Urzulas Möbel kaufen. Sie hört dies und kommt
angestürmt, Paolo teilt ihr mit, dass er die Wohnung soeben gemietet hätte und dass er
eben ihre Möbel übernehmen und "wahnsinnig gerne ein bisschen länger mit dir reden"
wolle. Urzula: "Ich verbiete [sic!] mir die Störung! Das ist hier ein Friseursalon und
keine... keine Versöhnungskapelle für verlogene Italiener." Mit diesen Worten befördert
sie ihn erneut zur Türe raus. Ute klatscht Beifall, wirkt dabei aber eher schadenfroh
denn sonstwas.
12. Szene: Kurt übt im Hotel Unterschriftenfälschen.
13. Szene: Käthe steigt die Treppen hoch und hört seltsame Geräusche aus Urzulas
(ehemaliger) Wohnung. Er stellt seine Einkaufstaschen vor der eigenen Tür ab und läutet
dann bei der Nachbarswohnung. Als Urzula öffnet erkundigt er sich vorsichtig, ob sie okay
sei. Urzula, schwer atmend: "Ja, ich bin okay... sehr okay sogar... ich bin so okay...
wie schon lange nicht mehr." Damit schlägt sie ihm die Tür vor der Nase zu, greift sich
eine rostige Axt, zerschlägt damit den Spiegel im Badezimmer und geht weiter in die
bereits ziemlich verwüstete Küche, wo sie zunächst einen Stuhl quer durch den Raum wirft,
dann den Tisch umschmeisst und schliesslich erschöpft auf einem anderen Sessel
platznimmt.
14. Szene: Kurt unterzeichnet gerade einen Brief mit einer Unterschrift, die nicht die
seine ist (aber auch der von Herrn Ade nicht wirklich ähnlich sieht...), als es an der
Türe klopft. Rasch räumt er etliche Blätter mit Unterschriftenversuchen und seinen Laptop
weg ehe er öffnet. Vor der Tür steht Eva, mit der er anscheinend verabredet war. Er
kündigt ihr eine Überraschung an und holt den Brief hervor: "Ein Dokument... von Herrn
Ade persönlich." Eva liest den Text halblaut vor: "Liebe Frau Doktor Sperling. Es war
immer meine Überzeugung, dass der Tod zum Leben gehört und dass wir Menschen deshalb auch
über unseren Tod bestimmen können müssen. Ich habe zu lange gezögert, das Leben zu leben
aber noch habe ich Zeit, meine Würde zu bewahren, wenn sie die Güte haben mir zu helfen.
Ich flehe Sie an, auch der unerträglichen Schmerzen wegen, helfen Sie mir zu sterben. In
Dankbarkeit." Evas Miene versteinert. Kurt meint, sie könnte dem Anwalt sagen, dass sie
immer von der Existenz des Schreibens gewusst, es aber erst jetzt wieder gefunden hätte.
Eva: "Mein Anwalt würde mir kein Wort glauben." - Kurt: "Aber der Richter!"
15. Szene: Paolo liefert seine Töchter an der Wohnungstür ab und verschwindet sofort zur
Arbeit. Er wirft dabei keinen Blick in das Wohnungsinnere. Giovanna fragt ihre Schwester,
ob sie froh wäre, wieder hier zu sein. Marcella: "Besser als das Hotel ist es auf jeden
Fall." Die beiden gehen in die abgedunkelte Küche, wo sie zunächst die Spuren der
Zerstörung, dann ihre Verursacherin erblicken. Urzula nimmt das Hackebeilchen vom Herd
und verlässt dann die Wohnung, nicht ohne den Mädchen im Hinausgehen ein trockenes
"Herzlich Willkommen" zuzuwerfen. Da in dem Moment ein Wecker zu läuten beginnt, eilt
Giovanna in ihr Zimmer um mit Entsetzen festzustellen, dass auch dort kein Teil auf dem
anderen geblieben ist. Von draussen sind laute Stimmen zu hören, woraufhin Marcella ihre
Schwester zur Türe ruft. Es läutet und nach einem Blick durch den Spion meint Giovanna,
dass dies doch "diese Blondine... von Weihnachten, die." wäre. Sie lassen Pat rein, die
sich erkundigt, ob Paolo da wäre - Giovanna teilt ihr mit, dass der gerade ins Akropolis
gegangen wäre. Pat: "Dann habe ich falsche gemackt. Ich war in Café Bayer für ein Kaffee
weil Kaffee ins Akropolis ist wie schwarze Pulver. Und jetzt habe ich gedacht ich helfe
ein bisschen mit deinen Umzug." Dabei ist sie in der Küche angelangt, erblickt ebenfalls
den gegenwärtigen Status des Mobiliars und erkundigt sich, warum sie denn gemacht hätten
alles kaputt...
16. Szene: Eva versucht Kurt klarzumachen, dass die Ade nicht nur beim Sterben geholfen
hätte um seine Würde zu bewahren, sondern auch, weil medizinisch keinerlei Aussicht auf
Besserung oder gar Heilung bestand. Zwar würden immer mehr Ärzte in so einem Fall laut
und öffentlich aktive Sterbehilfe fordern, doch sie hätte kein Interesse daran, ihren
Fall durch Urkundenfälschung kriminalisieren zu lassen. "Ich setze mich doch nicht ins
Unrecht wenn ich mich nach meiner Auffassung und nach meinem Gewissen hundert Prozent im
Recht fühle. Nein, Kurt, nein, niemals." Kurt entschuldigt sich, er haette es nur gut
gemeint. Eva sagt, es haette sie aber auch gefreut, dass er das fuer sie getan habe.
17. Szene: Bei Carsten steigt inzwischen die Fete. Der Neo-Doc ist gerade am Auspacken
der Geschenke. Tanja betrachtet eines davon eingehend und meint, darin einen
Autoscheinwerfer zu erkennen. Carsten bestätigt, dass dem durchaus so sei - er hätte ihn
von einem Patienten bekommen, einem Möchtegern-Rallyefahrer ("...die haben wir besonders
gern, weil sie immer die kompliziertesten Brüche haben."). Wir sehen Ahmet Dagdelen mit
einem Weinglas in der einen, einer Weinflasche in der anderen Hand. Neben ihm Käthe, der
gerade zu seiner Rede ansetzt: "Jaaa, Notaufnahme ist der wahre Knochenjob. Aaaaber unser
Carsten... pardon, ab heute: Dr. med. Carsten Flöter... nagelt ab jetzt mit Brief und
Siegel. Knochen hin, Knochen her: ich persönlich bevorzuge an unserem Doktore hier ja
allemal die Weichteile." - und kneift ihn in den Hintern, woran Carsten seinem Blick
zufolge nicht soooo viel Spass hat.
18. Szene: Pat versucht sich gerade für "Tool Time" zu qualifizieren indem sie am von
Urzula kaputteten Küchentisch herumnagelt. "Ich find das gar nicht lieb von Paolo dass er
ewig nicht erzählt von mir (...) gewissermassen kleine Pat hat Polin aus Bett von Paolo
getrieben - und das ist immer noch so." Marcella fragt nach, seit wann Pat ihren Vater
denn schon kennen würde. Pat: "Ich muss rechnen... hat er doch auch nicht erzählt, dass
er bei mir war in die schlimme Nacht wo arme kleine Paula erstickt ist im Rauch? Hat das
auch nicht gesagt? Das war doch so schlimm für mich... und auch für ihn. Wär er zuhause
geblieben, nichts wär geschehen. Weil er hatte frei an diese Abend und ihr seid heimlich
gewesen in Konzert, hat er gesagt."
19. Szene: Eva liegt in Kurts Hotelbett. Er kommt mit einer Flasche Sekt zurück und legt
sich wieder zu ihr. Sie fragt, was eigentlich gerade gesehen sei und Kurt sagt, er traue
sich wieder zu zu sagen, dass er sie liebe. Eva erwidert die Begeisterung nicht. Nach
einer Weile steht sie auf, verlaesst das Bett und fragt sich, ob sie denn wahnsinnig sei.
"(halblaut:) Ich schlafe mit dem Mann, der meine Familie zerstoert hat. Du bist völlig
verrückt geworden, Eva-Maria Sperling, völlig verrückt. Du bist wahnsinnig. Durchgedreht.
(laut:) Kurt, warum legst Du es immer wieder darauf an, mich zu überfordern?" Dazu wirft
sie ihr Sektglas an die Wand.
20. Szene: Pat nervt Paolo im Akropolis. "Ich kann mit deinen Nerven sehr gut spielen und
sie beruhigen und das weisst du. Aber ich bin sehr böse du hast deinen Kindern nicht zu
Auntie Pat erzählt. Sie sind sehr interessante Kindern, ubrigens." Paolo meint, sie würde
seine Töchter doch gar nicht kennen, aber Pat belehrt ihn eines besseren: "Wir haben uns
gerade kennengelernt und sie waren sehr erstaunt, dass es mich gibt. Das ist nicht sehr
höflich gewesen, mich ganz wegschweigen." Sie hätte ihnen doch aber nicht erzählt, dass
er in der Nacht, in der Paula...? "Doch, hab ich... und sie waren sehr erstaunt, genau
wie ich. Aber so etwas bespricht man doch mit seinen Kindern!"
21. Szene: Tanja räumt die Bilder ihres Vaters in das ihr angebotene Zimmer. Auf dem Flur
fällt ihr Blick auf eine Büste. Sie nimmt einen Hut von der Garderobe und sagt: "Wenn ich
dich treffe, gehörst du für immer mir." Zielsicher landet der Hut auf der Büste.
22. Szene: Paolo stürmt in die Lindenstrasse Nr. 3 und eilt die Treppen hoch. Else kommt
aus ihrer Wohnung und ruft ihm nach, dass er "vor dem kanadischn Flitscherl net
davonrennen" müsse, da sie ohnehin schon einen anderen hätte - gerade eben habe sie
selbst gesehen, wie Pat draussen auf Teufel komm raus mit dem Bettler poussiert hätte.
Paolo ist inzwischen schon oben angelangt, wo er mal wieder vor einer verschlossenen Türe
steht [eine Situation, an die er sich mittlerweile fast schon gewöhnt haben könnte.].
Durch die Tür stellen ihn seine weinenden Töchter wegen der verhängnisvollen Nacht zur
Rede. Zunächst gibt er sich uneinsichtig: "Ob ich jetzt bei einer Freundin oder bei einem
Freund war - auf das Kind hättet ihr so oder so aufpassen müssen". Marcella: "Du hast uns
allein die ganze Schuld gegeben, uns allein - aber dabei bist du sogar noch viel mehr
schuld als wir." Giovanna: "Wir haben so viel geweint und du hast geschwiegen."
Bemerkenswert: erstmals seit Monaten rufen die Mädchen nach ihrer Mutter. Marcella: "Wo
ist Mamma? Wir möchten zu..." - der Rest ist unverständlich, da Paolo seine Töchter
lautstark auffordert, ihn einzulassen. Er sieht sich im Treppenhaus um, geht dann zur
Türe zurück und ändert die Strategie: "Bitte, lasst mich doch rein. Ich hab euch doch
lieb. Ihr habt recht, es war falsch von mir, euch zu belügen, sehr falsch, Bitte verzeiht
mir und lasst mich doch rein... bitte, lasst mich doch rein... ich sehe ein, dass ich
feige war (er bricht ebenfalls in Tränen aus und geht vor der Tür in die Knie)... ich
möchte euch nur umarmen... und festhalten." Else, die Paolo nachgeschlichen ist, hält am
Treppenabsatz inne. Während in der linken Bildhälfte im Hintergrund Paolo zu sehen ist,
der noch immer schluchzend vor der Türe kniet, schiebt sich Elses Profil von rechts ins
Bild. Den Blick geradeaus gerichtet, spricht sie die folgenden ominösen Worte: "Des woass
ma doch... a jeder wui wem umarmen... a Ruah muass sei! Seid's stad."
23. Szene: Wiederum bei Carstens Party. Der Gastgeber tanzt eng mit Tanja. Käthe schnorrt
Dagdelen zunächst an ("Das Theater hat 150 Stühle. Sie adoptieren einen davon. Für 200,-
Mark. Damit bekommen sie das Recht, jederzeit auf ihrem Stuhl im Theater sitzen zu
können. Falls nicht schon ein Kind darauf sitzt."), ehe er ihm die Arme und den Hals
legt: "Da läuft mein Lieblingsblues... wollen wir? Ahmet... ich spür da doch was. Ein
klein bisschen schwul bist du doch auch! Ist doch nicht schlimm... das ist doch jeder!"
Ahmet sieht das dann doch ein bisschen anderes, entwindet sich der Umarmung greift sich
seinen Mantel und geht.
24. Szene: Im Treppenhaus kämpft sich Dagdelen umständlich in seinen Mantel [für den
weiten Weg in die eigene Wohnung] und entdeckt dabei Paolo, der inzwischen vor der
Wohnungstür eingeschlafen ist. Er tritt zu ihm, horcht, weckt ihn jedoch nicht. Als
Dagdelen bereits kehrt gemacht hat, öffnet sich die Türe und Marcella weckt ihren Vater
mit ununtertiteltem Italienisch. Er betritt die Wohnung und bemerkt trotz Dunkelheit
sofort, dass da irgendjemand gewütet hat. Er nimmt seine Tochter an der Hand und fragt,
ob sie ihm denn jemals verzeihen könnten...
25. Szene: Carsten und Tanja erscheinen ebenso alkoholisiert wie überdreht bei Dressler,
der sich über den abendlichen Besuch nichr recht zu freuen scheint. Carsten identifiziert
die im Hintergrund laufende Musik als "Verdi: Rigoletto!", was seines Stiefvaters
Begeisterung auch nicht zu heben vermag: "Du solltest den Mund halten, wenn Du Weber und
Verdi nicht auseinanderhalten kannst!". Carsten beugt sich über Ludwig. Der: "Darf ich um
etwas Abstand bitten! Sie dünsten erhebliche Mengen billigen Alkohols aus!" Tanja
schmiegt sich an Carsten, der erklärt, dass sie ein bisschen gefeiert hätten und er dabei
beschlossen hätte, spontan bei Dressler vorbeizuschauen um mit ihm zu reden oder selbiges
zumindest zu versuchen. Dressler: "Mhm. Hauptsache, du bekommst was du willst, nicht
wahr? Du und deine Generation... mit eurem grenzenlosen Egoismus nehmt ihr euch, was euch
gerade gefällt. Leistung, die unter Verzicht geboren wird, die lehnt ihr ab. Bei euch
muss immer alles fertig verpackt und ganz easy sein. Aber, mein lieber Carsten, ich bin
nicht easy! Frag' Tanja, die macht sich eben auch ganz easy aus dem Hause." Während
dieser Tirade rollt der Doc ins Wohnzimmer, Tanja und Carsten folgen ihm und lassen dabei
keinen Zweifel daran, dass sie ihn nicht ernstnehmen. Carsten nimmt auf dem Fauteuil
Platz, Tanja setzt sich auf die Armlehne. Dressler: "Eure besoffene Fröhlichkeit macht
mich krank." Carsten möchte wissen, was er denn hätte tun sollen. "Das fragst Du?!
Zurückgeben! Diesen erschlichenen Doktortitel zurückgeben! Das wäre eine Feier wert
gewesen! Auf dieser Feier wär sogar ich erschienen!" Dies genügt, um Tanja in schallendes
Gelächter ausbrechen zu lassen, woraufhin auch Carsten nicht mehr ernst bleiben kann.
Ludwig: "Ihr findet das komisch, was? Also gut. Wenn ihr glaubt, dass meine Prinzipien
nur noch lächerlich sind, dann lassen wir es doch mal drauf ankommen." Er rollt zu den
beiden, greift Carsten am Kragen und zieht ihn zu sich hinüber: "Ich persönlich werde
dafür sorgen, mein lieber Ziehsohn, dass du niemals und nirgendwo in diesem Lande
praktizieren wirst, HERR DOKTOR!" Zoom auf den verdutzten Carsten, Schlussmusik, Abspann.
[Carsten erscheint im Abspann erstmals als "Dr. Carsten Flöter" - bemerkenswert ist, dass
bei Ludwig, Eva-Maria und nun eben auch Carsten der Titel dabeisteht, bei Ahmet jedoch
nicht. Neben Ute Weigel, Herrn Hülsch und der Haushälterin ist auch ein Möbelpacker im
Abspann angeführt, der jedoch in der Folge nicht zu sehen war.]
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