XcapeetXs Rückblick

Für alle Chatter, die die Lindenstraße nicht sehen konnten

Folge 696: "Schuldlos?"
(04.04.1999)

1. Szene: Paolo wacht auf, er steht langsam auf und geht in die Küche, wo Urzula bereits
bügelt. Mit Tränen in den Augen erklärt sie, sie hätte nicht schlafen können. Paolo macht
sich Vorwürfe, gerade in jener Nacht nicht zuhause gewesen zu sein - doch Urzula sagt, er
hätte doch diese wichtige Besprechung mit Alfredo gehabt, und wenn jemand Schuld an
Paulas Tod trage, dann wären das Marcella und Giovanna. Urzula bricht in Tränen aus.
Irina kommt in die Küche, in der Hand einen gelben Luftballon, den sie nachher zu Paula
in den Himmel schicken will.

2. Szene: Im Café Bayer. Die Kellnerin [Elvira?] meint, morgens gar nicht mehr in die
Zeitung schauen zu wollen, da alles mit dem "Sterbehilfe-Quatsch" voll wäre. Eva-Maria
täte ihr leid, da sich nun auch andere Hinterbliebene gemeldet haben, die ihr an den
Karren fahren wollen. Gabi: "Die einen wollen sterben, die anderen müssen sterben. Die
kleine Paula hat doch noch das ganze Leben vor sich gehabt." Ihr Blick fällt auf die
Rückseite der Zeitung, wo sich unter der Schlagzeile "Prozeßbeginn im Fall Max Z."
folgendes findet: "Scheinbar teilnahmslos schritt der Angeklagte die Wegstrecke ab, die
er den kleinen Max brutal hinter sich her schleifte (...) auch der Vater des kleinen Max
war gekommen, bleich und mit geballten Fäusten in der Lederjacke verfolgte er die
Tatrekonstruktion aus dem Hintergrund." Ein von hinzutretender Gast erschreckt Gabi
gewaltig, fragt jedoch nur, ob sie die Zeitung noch brauche.

3. Szene: Akropolis - Vasily unterweist Alexía im Umgang mit der Registrierkasse. Er
wirkt wesentlich besser gelaunt und ausgeglichener als in den letzten Wochen und scheint
sich mit Alexía ausgesprochen gut zu verstehen. Der gerade das Lokal betretende
Gyrosdrachen quittiert dies mit einem Honigkuchenpferdlächeln - "jetzt ist Alexía erst
eine Woche bei uns, aber ich kann es mir gar nix mehr ohne sie vorstellen. Geht es dir
nicht auch so, Vasily?"

4. Szene: Oma Rosi liegt im Morgenmantel auf dem Sofa und wird von Gung mit Tee versorgt.
Auch sie macht sich schwere Vorwürfe - "Ausgerechnet an meinem Canastaabend muss so etwas
Schreckliches passieren. Glauben Sie mir, Herr Gung - wenn ich das alles ungeschehen
machen könnte, ich würde ab sofort sämtliche Canastaabende absagen." Gung: "Konfuhse
saht: Auf dem Weg su den gelben Quellen gibt es wede' alt noch jung."

5. Szene: Gabi kommt nach Hause - sie ruft nach Andi, der sich unwillig aus dem
Schlafzimmer meldet, wo er zeitunglesend auf dem Bett sitzt. Gabi berichtet, das ein
Kontoauszug von Maxls Treuhandkonto gekommen sei, wonach zweimal 1000,- DM abgehoben
worden wären. Gabi fragt, ob er ihr denn nicht sagen möchte, wofür er das Geld genommen
hat - was Andy verneint. Ebenso reagiert er auf die Frage, weshalb er zu dem Ortstermin
gegangen ist ohne was zu sagen, obwohl sie eigentlich entschieden hätten, mit der
Verurteilung nichts zu tun haben zu wollen. Andy: "Ach komm. Es interessiert dich doch
überhaupt nicht, was mit Max wirklich passiert ist." Entrüstet fragt Gabi, ob es ihn denn
überhaupt interessiere, wie es den Leuten um ihn ginge, Urzula und Paolo etwa - und ob er
noch der Andy Zenker wäre, den sie kennt. Daraufhin zieht Andy einen Ausweis aus der
Tasche [Führerschein? Perso? Was weiss ich von dt. Ausweisen...] und hält ihn sich vor
die Brust: "Offiziell... bin ich der hier. Alles klar?". Er nimmt seine Lederjacke vom
Haken, Gabi will wissen, wohin er denn gehe. Andy: "Arbeitsamt. Job suchen. Falls dich
das glücklich macht. Alles klar?".

6. Szene: Urzula, Paolo und Irina verlassen gerade die Wohnung. Irina geht vor zu ihrer
Oma. Paolo berichtet, dass Frau Martini [wer?] angerufen habe - Marcella und Giovanna
würden unbedingt zur Beerdigung gehen wollen. Urzula ist entsetzt darüber, dass Paolo es
ihnen erlaubt hat: "sie haben mein Kind umgebracht, Paolo (...) Weisst Du, was Du mir
zumutest?"

7. Szene: Andy Zenker ist allem Anschein nach der Unterschied zwischen Arbeitsamt und
Amtsgericht nicht geläufig... [;-)] Jedenfalls tritt er zielstrebig auf, hält dem Beamten
seinen Ausweis unter die Nase, gibt an in den Saal 306 zu wollen, "Fischer gegen Probst",
durchschreitet den Metalldetektor, lässt sich brav durchsuchen. Nachdem die erledigt geht
er weiter - und verschwindet auf der Herrentoilette eine Etage höher. Dort öffnet er das
Milchglasfenster und schaut durch die Gitterstäbe auf die Strasse.

8. Szene: Auf dem Friedhof, der Sarg wird gerade ins Grab gelassen. Die Anzahl der
Trauernden ist für Lindenstrassenverhältnisse äusserst gering - neben Urzula, Paolo und
Irina sind nur Wanda, Marcella und Giovanna, Gabi, Valle, Carsten und Käthe, Vasily und
Elena, Gung, Isolde sowie Else erschienen. Ein Kinderchor in polnischer Tracht singt.
Irina lässt den Luftballon steigen. Giovanna wirft den Teddybären ins Grab, den sie
letzte Woche entwendet hatte, um ihn den "Crazy Boys" zuzuwerfen. Als sich die Trauernden
vom Grab entfernen, fragt Elena ihren Sohn, was denn Fräulein Pat da drüben wolle. Die
Kamera zeigt Pat, die in der anderen Richtung davongeht. Vasily jedoch erklärt, niemanden
zu sehen, und Else pflichtet ihm bei: "Des woar nia die Pätt, das Flitscherl, das
windige. Die hat doch noch nia a Kirch von innen g'segn und am Friedhof geht die scho
überhaupts goar net."

9. Szene: Andy erkundet unterdessen das Terrain um das Gericht. Er begutachtet das vorhin
von oben besehene Fenster von der Strasse aus und stellt zufrieden fest, dass es durch
eine Plakatwand zwischen Gehsteig und Mauer abgeschirmt ist.

10. Szene: Isolde, Gabi, Carsten und Gung kehren von der Beerdigung zurück. Gabi
bedauert, das man sich anschliessend nicht zusammengesetzt hat, versteht jedoch auch
Urzulas Wunsch, alleine zu sein. Gung stellt fest, dass Urzula zwar ein ganz trauriges
Gesicht gehabt, jedoch nicht geweint hätte. Der Kummer wäre daher noch ganz tief drinnen
und würde erst in den nächsten Wochen hervortreten. Isolde stimmt ihm zu, während sie mal
wieder ihre Alarmanlage entsichert - sie alle müssten ihr jetzt beistehen, und sie selbst
würde sich gleich nachher um den Salon kümmern. 

11. Szene: Im Aufzug - Carsten schildert, wie Käthe und er den Brandgeruch hier zum
ersten Mal bemerkt hätten. Er macht sich Vorwürfe, weil sie nicht schneller waren - doch
Gabi versucht ihm dies auszureden, sie hätten schliesslich wirklich alles versucht. Gung
bittet Gabi, noch mitzukommen, damit Irina nicht mit ihren alten Omas alleine ist.

12. Szene: Urzula sitzt am merkwürdigerweise völlig unversehrten Küchentisch in der
überhaupt erstaunlich wenig mitgenommenen Wohnung. Sie fragt Paolo, wie oft er es den
Mädchen verboten hätte, zu rauchen und herumzuzündeln. Paolo weiss keine Antwort, meint,
er hätte nie gedacht, dass ihnen diese Boygroup so wichtig wäre, und dass sie in einem
Alter wären, in dem man erwachsen wirken und die Liebe kennenlernen wolle. Urzula: "Ist
es erwachsen, wenn man ein kleines Kind alleine lässt? Ist es erwachsen, wenn man
brennende Kerzen auf dem Tisch stehen lässt?". Paolo gibt ihr Recht, ersucht sie jedoch,
nicht alle Schuld der Erde auf die Mädchen zu laden, die doch nur einen Liebesbrief
geschrieben hätten - niemand wäre alleine schuldig, auch er sei es. Die Mädchen würden
genauso leiden, gerade jetzt würden sie Verständnis brauchen, schliesslich wären sie noch
Kinder. Urzula bricht erneut in Tränen aus, Paolo ringt mit sich selbst, weiss nicht, was
er noch sagen soll.

13. Szene: Gabi kommt nach Hause, ruft nach Andy, fragt wie es auf dem Arbeitsamt gewesen
wäre. Eine Antwort bleibt aus. Gabi geht in Maxls Zimmer, wo sie eine Schachtel unter dem
Bett hervorlugen sieht. Unter einem gerahmten Photo findet sie das schwarze
Plastikköfferchen. Sie öffnet es - "Gott, Andy, tu mir des net an."

14. Szene: Carsten betrachtet nachdenklich die nur leicht russgeschwärzte Wohnungtüre.
"Den Tod erlebt jeder alleine."

15. Szene: Urzula sitzt auf Paulas Bett. Paolo: "Ach Urzula. Wenn du wüsstest, wie ich
mich fühle." Urzula, bitter: "Glaubst du etwa, du hast den Schmerz alleine gepachtet?
Glaubst du etwa, ich leide weniger?" Paolo, verzweifelt: "Ja... nein! Ich meine... wenn
du nur wüsstest... es ist so schrecklich!" Urzula, aufgebracht: "Wenn ich nur wüsste? Und
ob ich es weiss. Ich habe Paula in mir getragen. Ich habe sie geboren, Und du? Du hast
nur zugeguckt." Paolo: "Ich habe nur zugeguckt. Ich habe immer nur zugeguckt. Als sie
geboren wurde und hinter der Glasscheibe lag, bei den Spritzen, bei ihrem Tod... ich habe
immer nur zugeguckt... ich bin ein miserabler Vater." Unter Tränen verlässt er die
Wohnung, erklärt, zu Marcella und Giovanna zu gehen, die ihn jetzt brauchen würden, er
hielte es hier nicht mehr aus. Urzula macht keinerlei Anstalten, ihn aufzuhalten.

16. Szene: Alexía versichert Elena in der Küche, dass es eine gute Idee wäre, griechische
Ostern in der Lindenstrasse zu feiern. Elena meint, dass dies mit Mary nicht möglich
gewesen wäre, da sie es nicht verstanden hätte. Alexía gestattet sich die Frage, wie Mary
so sei, und weshalb Elena sie denn nicht möge. Elena: "Ich mag Mary. Sie ist nicht gut
für Vasily. Sie macht was sie will. Eine griechische Frau würde nie zu einem anderen Mann
fahren und den Ehemann eine Woche lang ohne Nachricht lassen. Oder würden Sie das tun?"
Alexía, überrascht: "Ich? Ich weiss nicht...". Elena: "Aber ich weiss es. Sie wären ihm
eine viel bessere Frau. Und Vasily wird das merken." Darüber kann Alexía nur noch den
Kopf schütteln... Vasily kümmert sich unterdessen im Lokal um Paolo, fragt, ob er nicht
doch lieber wieder nach Hause ginge. Ausserdem hätten Marcella und Giovanna angerufen und
ihn gesucht. Pat betritt das Lokal, stellt sich zu Paolo, argwöhnisch beobachtet von
Elena. Pat fragt, warum er sich nicht melden würde, ob er denn böse auf sie sei, sie
würde sich so beschissen fühlen. Paolo weist sie zurück, sagt es wäre nicht gut wenn sie
hier wäre. Paolo geht von der Theke in Richtung Tür - durch die in diesem Moment Urzula
kommt und ihm um den Hals fällt. Sie entschuldigt sich bei ihm und erzählt, dass Wanda
gekommen sei, als er weg war. Sie wäre so unruhig in Sorge um ihre Mutter, weswegen Wanda
und Urzula noch am selben Abend mit dem Nachtbus nach Polen fahren wollen und auch Irina
mitnehmen würden. Urzula verspricht, in ein paar Tagen wieder zurück zu sein. Sie ersucht
ihn, ab und zu nach Oma Rosi zu sehen und sich vor allem keine Vorwürfe zu machen. Paolo
bringt sie zur Tür und meint, die Arbeit würde ihn ablenken. Kaum ist Urzula zur Türe
draussen, versucht es Pat wieder bei ihm, doch Paolo bittet sie erneut zu gehen und gibt
ihr zu verstehen, sie nie wieder sehen wollen.

17. Szene: Urzula verlässt das Akropolis, hält inne... an den Lattenzaun des Gastgartens
gelehnt, sinkt sie in die Knie.

18. Szene: Wiederum im Lokal. Paolo sitzt an einem Tisch und starrt vor sich hin. Vasily
bittet Alexía in die Küche, um ihr etwas zu sagen. Er spricht sie auf die
Verkuppelungsversuche seiner Mutter an, doch sie wischt seine Bedenken weg - "ich weiss,
dass du Mary liebst, und du weisst, dass ich Stavros liebe." Vasily weist darauf hin, wie
gemein sich Elena Mary gegenüber verhält, doch Alexía ist sich sicher, dass sie es nicht
böse meint. Sie sehe eben, dass Vasily leidet und hätte zudem wahnsinniges Heimweh - und
sie glaube eben, dass Vasily mit einer griechischen Ehefrau wieder nach Griechenland
ginge. Alexía sieht jedoch auch, dass Elena sich zu sehr indas Leben ihres Sohnes
einmischt - und sie hätte auch ein Plan, um ihr das verständlich zu machen...

19. Szene: Gung entsteigt dem städtischen Linienbus, verabschiedet sich von zwei
Kollegen, geht am Akropolis vorbei - und entdeckt dort Urzula, die noch immer an den Zaun
gelehnt auf dem Boden sitzt. Er fragt, was denn los sei - "Urzula, ich möchte dir etwas
sagen, einen Trost spenden, aber es fällt mir nicht ein." Urzula: "Es gibt keinen Trost,
Gung. Das ist ja das schlimme." Gemeinsam gehen sie zum Haus Nr.3 zurück.

20. Szene: Vasily und Alexía tollen miteinander durch das Lokal, machen Elena extra auf
sich aufmerksam. Die eilt sofort zum Telephon um Panaiotis zu verständigen, der offenbar
neben dem Hörer auf den Anruf gewartet haben muss, so schnell wie sie ihn in der Leitung
hat. Sie verkündet, dass Vasily und Alexía bald ein Paar wären und dass jetzt alles gut
würde. Die beiden Angesprochenen folgen dem Gespräch durch die Durchreiche aufmerksam und
sind ganz begeistert, da alles nach Plan zu verlaufen scheint.

21. Szene: Andy kommt nach Hause und findet eine dunkle Wohnung vor. Sein erster Weg
führt ihn in Maxls Zimmer, wo er die leere Schatulle auf dem Bett liegen sieht. Er wirft
die Zeitung weg, geht in die Küche, wo er das Licht anmacht - und Gabi am Tisch sitzen
sieht, die Pistole vor sich. Sie fragt nur, ob er sie jetzt alle unglücklich machen
wolle. Andy holt sich die Waffe zurück, Gaby fragt, ob er ihn erschiessen wolle. Andy
bejaht - "und zwar noch vor dem Prozess." Gaby: "Du bist verrückt. (...) Damit holst den
Maxl doch nicht zurück!" Andy: "Nein. Aber der ganzen Kompanie von Sesselfurzern,
Gutachtern, Therapeuten kann ich damit den Auftritt vermasseln. (...) Hört mir jemand zu?
Alles dreht sich doch nur noch um den Täter. Und wer kümmert sich um das Opfer?" Andy
verlässt die Wohnung wieder. Gaby ruft ihm noch nach, doch ohne Erfolg.

22. Szene: Marcella und Giovanna betreten das Akropolis. Paolo fragt, wo sie denn gewesen
wären - schliesslich hätten sie ausgemacht, sich hier zu treffen. Sie fallen ihrem Vater
um den Hals und erzählen unter Tränen, an der Isar gewesen zu sein und sich nicht
hergetraut zu haben da alle denken, sie seinen Schuld, doch niemand würde es aussprechen.
Selbst der Pfarrer bei der Beerdigung hätte sie angesehen, als ob er sicher wäre, dass
sie in die Hölle ["all' inferrrrrno!"] kämen. 

23. Szene: Gabi ist auf dem Sofa eingepennt, wird aber durch Schüsse aus einem
Fernsehkrimi geweckt. Als sie gerade ins Schlafzimmer gehen will, läutet das Telephon.
"Andy? Andy! Wo um Himmels Willen bist denn? {...} Wo bist denn untergekommen? {...} Bis
zum Prozess... {...} Du liebst mich? Andy, aber du zerstörst auch mein Leben, hast du
schon einmal daran gedacht? {...}  Andy, bitte, wenn du mich wirklich liebst, dann komm
heim... oder sag' mir zumindest wo du bist, damit ich zu dir kommen kann {...} Andy,
warte, leg nicht auf... was hast du gesagt? {...} ...lebe wohl??" Zoom auf die
fassungslose Gabi, Schlussmusik, Abspann.


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