XcapeetXs Rückblick

Für alle Chatter, die die Lindenstraße nicht sehen konnten

Folge 695: "Rufmord"
(28.03.1999)

1. Szene: Pat (im Morgenmantel) und Paolo (im Trenchcoat) treten Arm in Arm aus einem
Hotel auf die Strasse - sie schlägt ihm vor, Ostern gemeinsam in Rom zu verbringen und
Urzula zu erzählen, er würde den Papst besuchen. Paolo votiert für ein weiteres Treffen
am Abend, ehe er sich ins Taxi setzt.

2. Szene: Vasily liegt wach im Bett. Aus dem Radio schallen die Nachrichten über die
zweite Angriffswelle der NATO, während er zum Fenster tritt und ein Flugzeug über die
Lindenstrasse ziehen sieht. Vasily geht zurück zum Kleiderschrank, nimmt Marys Brautkleid
heraus und betrachtet es eingehend. "Matiamou [oder wie man das halt schreibt...] -
vergiß mich nicht in deinem Afrika..."

3. Szene: Im Café Bayer. Während Gabi Flip eine Tüte mit Semmeln [Brötchen] überreicht,
quittiert Scholz den eben getätigten Blick in die Zeitung mit dem Kommentar "Was für ein
Müll. Armes Deutschland!", ohne dies aber näher zu erläutern. Er legt die Zeitung auf die
Theke, woraufhin Gabi Flip fragt, ob der das Bild seiner Mutter schon gesehen hätte. Flip
greift nach dem Blatt - und kann kaum glauben, was er sieht. Mit der Zeitung in der Hand
verlässt er den Laden, Semmeln und Portemonnaie bleiben liegen.

4. Szene: Weiterhin in die Lektüre der MZ vertieft geht Flip (dicht gefolgt von Hajo)
eine Tür weiter, wo er seinem Bruder schliesslich die Zeitung unter die Nase hält. Unter
der schicken Schlagzeile "Ärztin tötet Brauereibesitzer" heisst es da: "Schon beim
Bockbieranstich war der Volldampfsenior leidend. 6 Monate hat er den Kampf gegen die
Krankheit aufgenommen - einen stillen Kampf, dem jetzt von fremder Hand ein jähes Ende
bereitet wurde." Momo zeigt keine grossen Emotionen. Scholz tritt ein und überreicht
Semmeln und Wechselgeld, Flip nimmt jedoch keinerlei Notiz von ihm. Hajo greift noch
einmal zur Zeitung und sieht wohl jetzt erst, warum Evas Photo eigentlich die Titelseite
ziert.

5. Szene: Elena läutet bei Vasily. Da er ihr nicht aufmacht, sperrt sie die Türe eben
selbst auf. Sie tritt ein - und findet ihren Sohn in Unterhosen am Bettrand sitzen. [Zeit
für Untertitel!] Sie fragt, warum er denn sein Schicksal herausfordern würde, fordert ihn
wieder einmal auf, ein Machtwort zu sprechen. Vasily darauf, leise: "Liebe ist eine Welt.
Macht ist eine andere." Elena weist daraufhin, daß das Flugzeug gerade in Afrika landen
und Mary in die Arme eines anderen fallen würde, es also ohnehin zu spät für ein
Machtwort wäre. Sie nimmt das Brautkleid und wirft es verächtlich aufs Bett.

6. Szene: Paolos stets gut gelaunte Töchter beim Frühstück, als ihr Vater gerade nach
Hause kommt. Er schickt will sie in die Schule schicken, auf die Frage nach seinem
nächtlichen Verbleib erklärt er, bei Alfredo gewesen zu sein, mit dem er überlegen würde,
ein Lokal zu eröffnen. Im Zuge dieser Überlegungen sei er auf der Couch eingepennt.
Marcella und Giovanna verkünden, am Abend in ein Konzert zu wollen, Paolo will dies nach
der Schule noch ausdiskutieren.

7. Szene: Isolde geht am Garten des Akropololis vorbei, sieht Elena, fragt nach ihrem
Befinden. Die klagt ihr natürlich sofort ihr Leid: Mary ist in Afrika bei einem anderen
Mann, würde nicht zurückkommen und hätte die Lindenstrasse schon längst wieder vergessen
- da ist sich Elena ganz sicher. Sie fühlt sie sich mit der ganzen Arbeit alleingelassen,
zumal Vasily den ganz Tag nur träumt. Isolde meint, die Arbeit wäre doch das geringste
Problem, Elena möge einfach eine Aushilfe einstellen - womit sie sie auf ein
(folgenschwere?) Idee bringt...

8. Szene: Im Treppenhaus. Käthe bekräftigt Carsten, auf alle Fälle zu einem
Bewerbungsgespräch im Schwabinger Krankenhaus zu gehen - der jedoch zeigt sich wenig
überzeugt, da "ohne Vitamin B" ohnehin nichts laufen würde. Gung stellt fest, dass Rosi
im Alter immer egoistischer wird - aufgrund des 75. Geburtstages einer Canastadame kann
sie nicht auf Paula aufpassen. Er selbst wäre zwar bereit, seinen Dienst zu verschieben,
was jedoch aufgrund einer Krankheitswelle bei den Maltesern nicht möglich ist. Paolo (mit
Irinia [neu Darstellerin] an der Hand) bemängelt, daß Oma Rosi Sachen verspricht, die sie
dann nicht einhält. "Mal sehen, ob der Tag noch mehr unheilvolle Überraschungen bringt."
Gung: "Sprichwort saht: ein Unheil kommt selte allein."

9. Szene: Krisensitzung in der WG. Klausi erkundigt sich, ob Ade Jr. hinter der Artikel
stünde, woraufhin Eva von ihrem Treffen in der vergangenen Woche berichtet - den
Mordvorwürfen, usw. Inzwischen läutet das Telephon - Flip geht dran, während Momo
kritisiert, daß sich Eva von Ade Sr. keine schriftliche Einverständniserklärung geben
liess. Bei dem Anrufer handelt es sich um einen Fernsehmenschen, der Eva interviewen
möchte. Flip will ihn abwimmeln, was Eva zunächst mit einer zustimmenden Handbewegung
quittiert. Sie überlegt es sich jedoch innerhalb weniger Sekunden anders, da sie eine
Chance wittert, ihre Seite der Geschichte darzulegen. Flip will sie davon abhalten und
gibt zu Bedenken, dass vermutlich bereits eine Anzeige läuft.

10. Szene: Im Akropolis. Elena telephoniert mit dem Arbeitsamt - wo sie zunächst daran
scheitert, daß die Arbeitsuchenden nicht nach Nationalität geordnet sind. Schliesslich
ist man doch in der Lage, ihr 3 weibliche griechische Aushilfen zu vermitteln. Sie teilt
dies Vasily mit, der die Notwendigkeit einer Aushilfe zwar nicht ganz sieht, dann aber um
der lieben Ruhe Willen ("Soll sich deine Mutter zu Tode arbeiten?") doch zustimmt.

11. Szene: Das Filmteam ist in der unaufgeräumten WG-Küche bereits am Werken. Auf die
klare Frage, ob Eva in Praxis schon öfter "so" gehandelt hätte, antwortet sie
ausschweifend: "Jedes menschliche Leben kommt an den Punkt, wo es keine Genesung mehr
gibt. Wenn wir wissen, daß Lebensverlängerung nur noch unerträgliche Qualen bereitet,
dann sollte sich jeder Arzt die Frage stellen, ob er diese Qualen auch noch verlängern
soll (...) insofern ist jeder Arzt, der mit unheilbar Kranken arbeitet, eine Art...
Sterbehelfer... egal, ob man das jetzt aktiv oder passiv nennt." Der Interviewer fragt
noch einmal nach, ob sie schon einmal so gehandelt habe. Eva: "So, wie ich es jetzt
geschildert habe, sicherlich, ja. Man muss aber jeden Einzelfall neu betrachten." Auf die
Frage, was gewesen wäre, wenn sich Herr Ade eine Woche danach anders entschieden hätte,
gibt Eva zur Antwort, dass er unmöglich eine weitere Woche überlebt hätte geschweige denn
gesund geworden wäre. Eva: "Und der Patient wollte sterben." Der Interviewer meint nun,
Eva hätte doch bestimmt gewusst, daß Ade sehr vermögend war. Momo, Flip und Klausi stehen
in der Tür und können das Trauerspiel in Voraussicht der Dinge kaum noch mitanhören. Eva:
"Nein, nein... das... habe ich erst jetzt erfahren. Es... hätte auch an meiner
Handlungsweise nichts geändert.". Die nächste Frage lautet, ob er ihr denn etwas vermacht
hätte? Eva, zögernd: "Ich verstehe den Sinn ihrer Frage nicht." Sie bittet um einen
Augenblick Pause, greift zur Zigarette, der Regisseur weist den Kameramann an, die Kamera
laufen zu lassen und auf den Aschenbecher zu halten. Klausi fragt, ob es nicht besser
wäre, das Ganze zu unterbrechen, bevor Eva zur Erbschleicherin gemacht wird - sie greifen
jedoch nicht ein. Die letzte Frage wird wiederholt, Eva wendet ihren Blick ab.

12. Szene: Im Akropolis. Paolo erklärt seinen Töchtern, daß sie sich das Konzert am Abend
aus dem Kopf schlagen müssen. Die Geschäfte gingen vor, und schliesslich würde Alfredo
ein Lokal übernehmen und Paolo daran beteiligen wollen. Das Geld wäre also wichtiger als
das Vergnügen, und wenn die nächste Band dieser Art käme, sollen die Mädchen halt dort
hingehen. Zähnenirschen, "die Crazy Boys sind aber nur heute da, kapierst Du das denn
nicht?", wütender Abgang. Paolo: "Mamma mia, wie lange dauert so eine Pubertät?" Danach
bittet er Vasily, am Abend früher gehen zu dürfen. Der jedoch lehnt ab, da Paolo in
letzter Zeit oft früher gehen musste. Paolo sagt, es würde um eine Überraschung für
Urzula gehen, wenn sie aus Polen zurückkommt.

13. Szene: In der Praxis. Eva berichtet Dagdelen, daß sie die Praxis seines Freundes
schliessen musste. Ahmet fragt, was er für sie tun könne, woraufhin sie ihm von der
drohenden Anzeige erzählt und fragt, ob es nicht möglich wäre, daß er als zweiter Arzt
dem "jungen" Ade bestätigt, daß es im Endstadium von Krebs durchaus üblich ist, hohe
Morphindosen zu verabreichen. Dagdelen meint, daß er den Fall besser kennen müßte, und
weist daraufhin, daß sich die Staatsanwaltschaft einzig für die Höhe der Morphindosis
interessiert und ob die zu einer tödlichen Atemdepression geführt hätte. Eva,
resignierend: "Ach, dann sollen sie mich doch verhaften." Dagdelen erkundigt sich, ob Eva
denn schon einen Anwalt hätte - "Nein. Wieso? Ich stehe zu meiner Entscheidung." Ahmet
bietet an, ein paar Stunden in der Woche Praxisvertretung zu machen und rät ihr, sich
dringend einen Anwalt zu suchen. Im Flur trifft Eva auf Else: "Da schau her, die
Mörrrrrderin! Mit ihrer Bagage miass ma in oan Haus wohna. Daß sa si überhaupts no raus
traut. Ei'gsperrt g'hörts, ei'gsperrt!"

14. Szene: Elena unterhält sich im Café Bayer mit einer potentiellen Aushilfe - und ist
vollauf zufrieden, da die Moussaka-Rezepte übereinstimmen ("gewürfelt, nicht
geschnitten!") - "und das mit ihrem Griechisss kriegen wir auch noch 'in. Ich bringe
Ihnen bei." Die junge Frau ist erfreut, da sie ihn Deutschland aufgewachsen ist, und es
bedauert, daß sie und viele ihrer griechischen Freunde hier ihre Muttersprache nur sehr
schlecht sprechen. Eine weitere Frau tritt an den Tisch und fragt nach Frau Sarikakis.
Die erklärt jedoch, daß die Stelle bereits vergeben wäre.

15. Szene: Die Italo-Mädels malen Briefe mit Herzchen und überlegen, warum sie in der
Wohnung hocken und babysitten, während "überall voll die Party abgeht. Warum eigentlich?
Das Teil schläft doch?". Sie kommen zu dem Schluss, daß Paula 2 Stunden wohl auch alleine
schlafen könne. Während sich die eine [kann mir bitte mal jemand verraten, wer von denen
Marcella und wer Giovannaist??] in eine andere Hose zwängt, klaut die andere ihrer
Halbschwester den Teddybären - "wir brauchen ja ein Teil, um es auf die Bühne zu werfen."
Mit einer Kerze wird schliesslich noch Wachs auf den Brief getropft.

16. Szene: Im Akropolis. Vasily ist ziemlich gestresst, als seine Mutter endlich mit der
Aushile eintrifft, die sie ihm als Alexía vorstellt. Sie erklärt sich einverstanden,
gleich zu beginnen - und für Elena scheinen die Dinge wieder vollends in Ordnung, als
Vasily Alexía in die Küche führt.

17. Szene: Die WG verfolgt den Bericht im Fernsehen - natürlich ist alles völlig aus dem
Zusammenhang gerissen und nicht gerade dazu geeignet, Eva in ein gutes Licht zu rücken
("(...) wir fanden sie - seltsam genug - inmitten einer chaotischen WG (...)
Kettenraucherin..."). Anders Ade, der sich im Chefsessel in seinem Bürö selbstbewusst
präsentiert, Zweifel an den "angeblich moralischen" Motiven Evas anmeldet und sich keine
andere Erklärung vorstellen kann als ein Verhältnis zwischen ihr und seinem Vater. Eva
springt schliesslich auf und verkündet, noch einmal mit Ade reden zu wollen.

18. Szene: Paula läuft durch die dunkle Wohnung. Auf dem Küchentisch steht nachwievor
eine brennende Kerze, der sie sich langsam nähert.

19. Szene: Marcella und Giovanna rennen aus dem Haus. Sie bemerken, den Brief vergessen
zu haben, verzichten jedoch darauf ihn zu holen, um nicht auf den nächsten Bus warten zu
müssen, da sie ohnehin bereits zu spät dran sind.

20. Szene: Eva fährt im Taxi auf Ades Hof vor, wo er sich gerade in Reitermontur mit
einem Pferd beschäftigt. Sie spricht ihn an, er wirft ihr erneut vor, ihm das
Abschiednehmen unmöglich gemacht zu haben, sie meint, daß er es doch war, der alles
hinter sich lassen wollte und für seinen Vater nicht erreichbar war. Ade fragt, ob Eva
wüsste, was es bedeutet, sich von einem Pferd zu trennen, daß man trainiert hat, seit
Jahren liebt und kennt. Sie versteht den Zusammenhang mit dem Tod seines Vaters nicht -
Ade erklärt, dass er das Pferd verkaufen müsse, da sein Vater ihn enterbt hat. "Sie haben
mir mit ihrer Tat die Chance genommen, dieses Tier zu behalten!". Eva versucht erneut,
ihm zu erklären, wieso sie so gehandelt hat, und daß sich sein Vater sehr intensiv mit
dem Tod auseinandergesetzt und ganz bewußt dafür entschieden hat. Ade: "Ach! Und Ihre
Aufgabe, dieses Leben zu retten, zu erhalten... Sie gehören vor ein Gericht! Wofür halten
Sie sich eigentlich? Für Gott?"

21. Szene: Paula erklimmt einen Sessel, will nach der Kerze greifen... und wirft die
dabei um.

22. Szene: Andi liest im Akropolis Zeitung, Paolo spricht ihn auf den Artikel über Eva
an. Andy meint, daß sie es bei ihm genauso machen sollen, wenn es einmal soweit ist.
Paolo stimmt zu, und spricht Enrico an, der zuletzt auch nur noch von Maschinen am Leben
gehalten wurde - "wer will denn so enden?" Andy trinkt aus und geht, Paolo greift zum
Telefon und ruft Pat an. Er entschuldigt sich für die Verspätung und macht ein Treffen in
einer halben Stunde aus. In der Küche entschuldigt sich Elena inzwischen bei Alexía für
Vasilys ruppiges Verhalten. Alexía meint, jeder könne einmal einen schlechten Tag haben
und sie würde ihn sehr nett und sympathisch finden. Paolo ruft Elena zum Telephon -
Panaiotis ruft aus Griechenland an. Elena erzählt natürlich sofort von der neuen Aushilfe
- "vielleicht hilft uns der liebe Gott und sie bleibt hier." Panoitis lässt Vasily fragen
ob sie denn hübsch wäre. In diesem Moment schaut Alexía aus der Durchreiche um ihn um
Hilfe zu bitten, woraufhin Vasily die Frage seines Vaters bejaht ehe er in die Küche
geht. 

23. Szene: Carsten und Käthe kommen nach Hause - Carsten hat den Job im Krankenhaus nicht
bekommen, dafür hat Käthe anscheinend etwas in Aussicht. Carsten fragt, ob es sich dabei
um eine Zigarrenraucherin handeln würde, da Käthes Klamotten so riechen würden - bis die
beiden im Aufzug draufkommen, daß der Geruch von draussen kommt. Aus der Wohnung von
Urzula und Paolo dringt Rauch, man hört Paula husten und weinen. Die beiden versuchen,
die Türe aufzubrechen. Zoom auf den entsetzt "Paula!"-rufenden Carsten, Schlussmusik,
Abspann.


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